Von der Forschung zur Schweizer Armee: Jahresreporting Forschungsprogramme «Unbemannte Systeme / Robotik» und «Weltraum»
Am Mittwoch, 13.05.2026, lud armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) zu den Jahresreportings der Forschungsprogramme «Unbemannte Systeme / Robotik» und «Weltraum» ein. Die Forschungsprogrammleiter Dr. Markus Höpflinger und Dr. Peter Erni gaben Einblicke in aktuelle Forschungsaktivitäten, Projekte und Ergebnisse.
Leandra Kolb, Stab, armasuisse Wissenschaft und Technologie

In Kürze
Die jährlichen Reportings der Forschungsprogramme von armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) haben zum Ziel, interessierten VBS-internen Mitarbeitenden einen Blick hinter die Kulissen der Forschungsprogramme zu gewähren. Dieser Rahmen bietet nicht nur vielseitige Einblicke in unterschiedliche Arbeitsfelder und laufende Projekte, sondern auch eine gute Gelegenheit für einen offenen Austausch. Dadurch fördert der Anlass den gegenseitigen Wissensaustausch und stärkt die VBS-interne Zusammenarbeit.
Die Forschungsprogrammleiter durften gegen 100 interessierte Personen am VBS-Interne Anlass in den Räumlichkeiten von armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) in Thun begrüssen. Das diesjährige Forschungsprogrammreporting freute sich erneut über das hohe VBS-Interne Interesse.
Forschungsprogramm Unbemannte Systeme und Robotik: Fokus auf Transfer
Dr. Markus Höpflinger Forschungsprogrammleiter «Unbemannte Systeme / Robotik», eröffnete das Jahresreporting mit seiner Präsentation zur aktuellen Ausgangslage des Forschungsprogramms. Zu Beginn stellte er kurz die fünf Kompetenzfelder vor, über das sich das Aufgabenfeld des Forschungsprogramms erstreckt (Fortbewegungskonzepte, Navigation, Mensch, Technik und Umwelt, Schlüsseltechnologien sowie zukünftige militärische Anwendungen). Er betonte dabei, dass insbesondere ein Fokus auf dem Kompetenzfeld «zukünftige militärische Anwendungen» liegt und dieses im Laufe des Jahres angepasst wird. Aufgrund dessen präsentierte er dem Publikum den Schwerpunkt des Forschungsprogramms: den Transfer. Im Zentrum steht dabei der Transfer aus der Forschung zur Beschaffung und Anwendung in der Schweizer Armee. Ziel ist es die Forschung so weit zu bringen, dass sie Einfluss auf die Industrie und daraus resultierend auf die Beschaffung hat und so der Transfer zur Armee gelingt. Der gemeinsam mit der ETH Zürich und der Schweizer Armee organisierte Anlass ARCHE - Advanced Robotic Capabilities for Hazardous Environments unterstützt diesen Transfer seit acht Jahren.

Zudem zeigte Dr. Markus Höpflinger den Anwesenden auf, dass im Jahr 2025 alle Top 5 Robotik-Firmen aus dem Ranking «Top 100 Swiss Startups» direkt oder indirekt aus einer Zusammenarbeit mit der Akademie und dem Forschungsprogramm «Unbemannte Systeme und Robotik» entstammen. Ein Beispiel ist die Firma Tethys Robotics, die den Transfer aus der Akademie bis hin zur Beschaffung für die Armee schaffte.
Im anschliessenden Referat gewährte Dr. Samuel Huber von der Forventis GmbH dem Publikum einen Einblick in den Bereich Human Factors in Robotics and Counter-Robotics. Forventis GmbH untersucht unter anderem den Vergleich von Menschen und Maschine, wie diese miteinander interagieren und wie Menschen mit Maschinen zusammenarbeiten können. Samuel Huber zeigte ferner auf, dass für ein effizientes Mensch-Maschinen-Teaming eine intuitive Art der Kommunikation mit den Maschinen nötig ist und dass Roboter in Zukunft via Auftragstaktik geführt werden. Weiter stellte Prof. Dr. Jan Skaloud von der EPFL seine Forschungsaktivitäten rund um das Thema «Positioning and Navigation in GNSS-degraded environments» vor. Jan Skaloud zeigte auf, wie schwach die Signale von GPS-Satelliten auf der Erde sind und dass visuelle Drohnen-Navigation ohne GPS zu stark von Umgebungsbedingungen abhängig ist, um in allen Situationen genutzt zu werden. Anschliessend veranschaulichte er, wie der Positionierungsfehler bei GPS-Ausfall mittels «Vehicle Dynamic Model» rein mathematisch und ohne zusätzliche Sensorik stark reduziert werden kann.
Nach einer Pause eröffnete Prof. Dr. Loris Roveda von der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI) den zweiten Themenblock des Morgens. In seinem Referat sprach er über neue Methoden des maschinellen Lernens zur Manipulation von Objekten mit humanoiden Robotern. Im darauffolgenden Referat gab Prof. Dr. Robert Katzschmann von der ETH Zürich Einblicke in die «Robotic Dexterous Manipulation and the Aerial-Drone-Project – Noctua». Er und sein Team erforschen neue mechanische Designs für versatile Hände und deren Regelung. Die Forschung bezieht sich auf herkömmliche elektromechanische Systeme, aber auch auf neuartigere künstliche Muskeln. Im letzten Referat des Morgens präsentierten Roland Raith und Alex Braun von Fotokite AG ihre Firma und deren Pläne zur Nutzung der zivilen Drohnen für militärische Anwendungen. Fotokite entwickelt kabelgebundene Drohnen (Tethered Drones). Dies ermöglicht eine permanente Energieversorgung von der Bodenstation aus und damit unlimitierte Flugzeiten. Da auch die Daten via dem Kabel übertragen werden, wird eine Funkaufklärung und eine Abwehr mit Störsendern verunmöglicht und eine konstant hohe Datenbandbreite erreicht.
Strategische Kompetenzfelder und operative Fähigkeiten im Weltraum
Dr. Peter Erni, Forschungsprogrammleiter Weltraum, eröffnete den Nachmittag mit einem kurzen Überblick über die verschiedenen Referate des Nachmittags, und wie diese die Kompetenzfelder von armasuisse W+T sowie die operationellen Fähigkeiten der Armee abdecken. armasuisse W+T forscht im Bereich Weltraum zu sechs Kompetenzfeldern (Technologiemonitoring, Lagebild, Weltraumanwendungen und Alternativen, Technologieentwicklungen, Schutz und Gegenmassnahmen).
Die Schweizer Armee strebt in den kommenden zehn Jahren einen substanziellen Kompetenzaufbau in der Operationsphäre Weltraum an. Das Ziel sind fünf operationelle Fähigkeiten an: Erstellung des Lagebildes Weltraum (SSA/SDA), Beiträge zur Erdbeobachtung (IMINT und ELINT), Beiträge zur vernetzten Aktionsführung im Bereich Telekommunikation (SATCOM), Beiträge zur Präzisionsnavigation (PNT) und aktive und passive defensive Gegenmassnahmen (DCS).
Felix Seidel von der ETH Zürich stellte in seinem Referat das neue ETH Swiss GeoLab in Luzern für Erdbeobachtungen vor. Ziel ist es die Daten aus dem All, aus der Luft und vom Boden zu nutzen, um Lösungen für konkrete Herausforderungen zu entwickeln. Von der Früherkennung von Naturkatastrophen bis hin zu Ernteprognosen für die Landwirtschaft. Weiter widmete sich das Referat von Prof. Dr. Christoph Wildfeuer von der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) ganz der Quantenkommunikation. Im Auftrag von armasuisse W+T hat die FHNW eine strategische Bewertung von Quantenkommunikationstechnologien mit Fokus auf deren Potenzial für sichere und resiliente Kommunikationsnetze, insbesondere für Anwendungen der Schweizer Armee, vorgenommen. Es ist ein Joint-Projekt der Forschungsprogramme Kommunikation, Cyberspace und Weltraum. Die Studie schafft die Grundlage für kommende Projekte. Ein Fokus der Studie lag unter anderem auf Quantenschlüsselverteilung (QKD). Zum Abschluss des Tages gab Gunter Stober von der Universität Bern Einblicke in seine Forschungsaktivitäten zu Meteoren, wobei das in der Erstellung befindliche Low-Frequency Radars der Universität Bern auch für die Detektion von Satelliten zur Weltraumüberwachung dienen kann. Es handelt sich um ein Joint-Programm zwischen den Forschungsprogrammen Aufklärung & Überwachung und Weltraum.

Fazit und Ausblick
An dieser Stelle bedankt sich armasuisse Wissenschaft und Technologie im Namen aller Beteiligen bei den Referenten und für das rege Interesse sowie den offenen und wertvollen Austausch untereinander.
