ELROB 2026 – Robotik unter realitätsnahen Bedingungen
Vom 15. bis 19. Juni 2026 trafen sich auf dem Waffenplatz Thun mehr als 20 internationale Teams, um ihre robotischen Systeme in fünf realitätsnahen Szenarien zu erproben. Der European Land Robot Trial (ELROB) bot damit eine einzigartige Plattform für den Leistungsvergleich unbemannter Bodensysteme. Am 15. Juni 2026 öffnete die Veranstaltung ihre Tore für die Öffentlichkeit und gewährte spannende Einblicke in aktuelle Entwicklungen der Robotik.
Leandra Kolb, Stab, Wissenschaft und Technologie

Am 15. Juni 2026 begrüsste das Organisationsteam von ELROB rund 300 Gäste auf dem Waffenplatz Thun. Mitarbeitende der Bundesverwaltung, Angehörige der Armee, Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Forschung und Hochschulen sowie internationale Gäste nutzten die Gelegenheit, in die Welt der Robotik einzutauchen. Im Mittelpunkt standen unbemannte Bodenfahrzeuge für sicherheitsrelevante Einsätze.
In diversen Referaten von Fachleuten aus Forschung, Industrie und Armee wurde den Gästen die zunehmende Bedeutung unbemannter Robotersysteme nähergebracht. Die dazugehörige Ausstellung bot die Möglichkeit, den aktuellen Stand der Technologie aus nächster Nähe zu erleben. Besucherinnen und Besucher konnten die vorgestellten Systeme live in Aktion sehen, mit Expertinnen und Experten ins Gespräch kommen und sich über deren Einsatzmöglichkeiten austauschen.
Keynotes
Eröffnet wurde der Anlass von Dr. Thomas Rothacher, stellvertretender Rüstungschef und Leiter armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T). In seiner Ansprache machte er deutlich, dass die aktuelle geopolitische Lage das internationale Gleichgewicht zunehmend fragiler werden lässt. Mit der Verlagerung von Konflikten nach Europa werde es immer wichtiger, Informationen kritisch zu hinterfragen. Der bekannte Leitsatz «Glaube nicht alles, was du liest», müsse heute deshalb erweitert werden zu: «Glaube nicht alles, was du siehst.»
Dr. Thomas Rothacher betonte zudem, dass sich die moderne Kriegführung grundlegend verändert. Kleine, kostengünstige und einfach aufgebaute Drohnen seien heute in der Lage, hochkomplexe und schwer gepanzerte Fahrzeuge ausser Gefecht zu setzen. Diese asymmetrische Form der Kriegführung unterstreiche die Notwendigkeit, neue Technologien frühzeitig zu verstehen, zu bewerten und weiterzuentwickeln. Genau darin liege der Mehrwert von ELROB: Die Veranstaltung ermögliche es, robotische Systeme unter realitätsnahen Bedingungen zu erproben und deren Leistungsfähigkeit sowie Einsatzpotenzial realistisch einzuschätzen.

Darauf aufbauend zeigte Brigadier Hans-Jakob Reichen, Chef der Armeeentwicklung, auf, wie sich die technologischen Entwicklungen auf die Streitkräfte und ihre Fähigkeiten auswirken. Er betonte, dass die enge Zusammenarbeit von Mensch und Maschine künftig entscheidend sein wird. Das moderne Gefechtsfeld sei heute weitgehend transparent – einen sicheren Ort gebe es kaum mehr. Neben den Ereignissen am Boden muss man gleichzeitig Entwicklungen im Luftraum sowie im Cyber- und elektromagnetischen Raum berücksichtigen. Da nahezu jede Bewegung erkannt und bekämpft werden könne, sei die Konzentration von Kräften auf dem Gefechtsfeld nur noch eingeschränkt möglich.
Um Soldatinnen und Soldaten unter diesen Bedingungen wirksam zu unterstützen, brauche es neue technologische Lösungen. Robotische Systeme könnten dabei einen wesentlichen Beitrag leisten: Sie übernehmen den Transport schwerer Lasten, unterstützen die medizinische Evakuierung, verbessern durch Sensorik und Aufklärung das Lagebewusstsein, schützen vor Drohnen und feindlicher Infiltration und ermöglichen den Einsatz von Standoff-Wirkungsmitteln.
Was heute in diesen Bereichen bereits möglich ist, veranschaulichten die teilnehmenden Teams von ELROB, indem sie ihre robotischen Systeme in kurzen Pitches präsentierten. Dies ermöglichte den Gästen einen kompakten Einblick in die unterschiedlichen Lösungsansätze und technologischen Schwerpunkte der internationalen Teilnehmenden.
Den Abschluss des Vormittags bildete die Keynote von Dr. Tobias Vestner, Leiter der Abteilung für Forschung und politische Beratung sowie Leiter des Bereichs Sicherheit und Recht bei Geneva Centre for Security Policy (GCSP), der die Perspektive der Industrie einnahm. Er zeigte auf, dass militärische Robotik- und Drohnentechnologien zwar seit Jahrzehnten existieren, ihre strategische Bedeutung sich jedoch durch das veränderte sicherheitspolitische Umfeld grundlegend gewandelt hat. Heute seien nicht allein technologische Fortschritte entscheidend, sondern vor allem neue Einsatzszenarien und geopolitische Entwicklungen. Im Zentrum seines Referats stand die Frage, welchen Weg Europa künftig einschlagen soll: jenen technologisch hochentwickelter High-End-Systeme oder den mit Fokus auf kostengünstige und in grosser Stückzahl verfügbare Lösungen. Sein Fazit fiel klar aus: Militärische Robotik ist längst keine Ergänzung bestehender Streitkräfte mehr, sondern entwickelt sich zu einem entscheidenden Faktor für die zukünftige Verteidigungsfähigkeit Europas. Die heute getroffenen Entscheidungen in Forschung, Entwicklung und Regulierung werden massgeblich bestimmen, wie Europa seine Sicherheit künftig gewährleisten kann.
Ausstellung und Demonstrationen
Nach den Fachreferaten bot eine Ausstellung mit über 30 Ständen/Organisationen einen umfassenden Einblick in den aktuellen Stand der Robotik. Nationale Akademie und Industrie sowie die teilnehmenden Teams präsentierten modernste unbemannte Systeme, Sensoren und Technologien für sicherheitsrelevante Anwendungen. Die Besucherinnen und Besucher konnten die Systeme aus nächster Nähe erleben, ihre Funktionsweise kennenlernen und sich direkt mit den Entwicklerinnen und Entwicklern austauschen.
Ergänzt wurde die Ausstellung durch Live-Demonstrationen grösserer Robotersysteme. Unter realitätsnahen Bedingungen zeigten die Systeme ihre Fähigkeiten in den Bereichen autonome Navigation, Transport und Fernoperation. Die Vorführungen machten deutlich, wie vielseitig moderne unbemannte Systeme bereits heute eingesetzt werden können und welches Potenzial sie für zukünftige militärische und zivile Anwendungen bieten.
Realitätsnahe Szenarien im Fokus
Im Verlauf der Woche standen die fünf ELROB Szenarien - Convoying, Mule, Non-urban Recon, Kampfmittelräumung, Search & Rescue - im Zentrum der Veranstaltung. Die internationalen Teams stellten ihre robotischen Systeme unter anspruchsvollen und realitätsnahen Bedingungen auf die Probe. Dabei mussten sie verschiedenste Aufgaben bewältigen und ihre Leistungsfähigkeit, Robustheit und Zuverlässigkeit unter Beweis stellen. Die Szenarien orientierten sich an realitätsnahen Einsatzsituationen und ermöglichten es, den technologischen Reifegrad der Systeme vergleichbar zu beurteilen.
Neben dem Leistungsvergleich stand auch der internationale Wissens- und Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt. Während der gesamten Veranstaltung nutzten die Teams die Gelegenheit, ihre Ansätze miteinander zu vergleichen, Erfahrungen aus den Tests zu diskutieren und voneinander zu lernen. ELROB bot damit nicht nur eine Plattform zur Erprobung neuer Technologien, sondern förderte auch den Aufbau neuer Kontakte sowie die Entstehung potenzieller neuer Partnerschaften.
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ELROB 2026 und Innovation
«ELROB 2026» wurde durch die Innovationsräume VBS unterstützt. Die Innovationsräume VBS sind Instrumente, um Lösungen für bestehende Herausforderungen im VBS zu finden. Dabei werden Technologietrends und neue Lösungswege identifiziert und hinsichtlich ihrer Bedarfsdeckung überprüft. Dieser frühzeitige und enge Austausch mit den Partnern aus der Armee, der Industrie und der Wissenschaft ermöglicht es armasuisse W+T, neue Technologien und Lösungsansätze frühzeitig zu identifizieren und deren Nutzen für die Verteidigungsfähigkeit der Armee zu beurteilen.
Weitere Informationen
- European Land Robot Trial (ELROB) – Robotik für sicherheitsrelevante Einsätze
- ELROB 2026: Ein Instrument zum besseren Verständnis von robotischen Systemen - Interview mit Dr. Markus Höpflinger und Joseph Boucher
- «ELROB ist in Europa sicherlich der Nukleus der unbemannten militärischen Landrobotik» – Interview mit Dr. Frank Schneider
- ELROB 2026: Schweizer Teams im internationalen Leistungsvergleich



