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MitteilungVeröffentlicht am 27. Mai 2026

ELROB 2026: Ein Instrument zum besseren Verständnis von robotischen Systemen - Interview mit Dr. Markus Höpflinger und Joseph Boucher

Vom 15. bis 19. Juni 2026 ist armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) Gastgeberin des European Land Robot Trial (ELROB). Im Interview sprechen die ELROB-Projektleiter von armasuisse W+T, Dr. Markus Höpflinger und Joseph Boucher, über die Bedeutung von ELROB für die Schweiz, den Mehrwert des internationalen Austauschs, sowie über Chancen für Forschung, Technologieentwicklung und zukünftige Kooperationen.

Interview geführt durch Leandra Kolb, Stab, Wissenschaft und Technologie

Bild von Dr. Markus Höpflinger und Joseph Boucher

Markus erkläre uns doch bitte in Kürze, was ELROB genau ist.

Markus: ELROB ist für mich ein Instrument, um unbemannte Bodenfahrzeuge unter realistischen Bedingungen erproben zu können. Dadurch können wir besser abschätzen, wie reif die Technologie für den entsprechenden Einsatz ist. Da wir aus Hochglanzprospekten und von gestellten Videos oft eine verzerrte Wahrnehmung davon haben, was wirklich möglich ist, hilft uns ELROB zum besseren Verständnis der realen Situation.

Was macht ELROB aus eurer Sicht besonders wertvoll für armasuisse W+T als Gastgeberin?

Markus: Besonders wertvoll ist der internationale Austausch sowohl mit den Teilnehmenden aus anderen Nationen, als auch mit den eigenen Angehörigen der Armee. Spannend ist dabei vor allem zu sehen, wo die anderen Nationen im Bezug zur Bodenrobotik stehen und ob wir in der Forschung oder Technologieentwicklung noch blinde Flecken haben.

Joseph: Der internationale Austausch mit internationalen Partnern verstärkt auch unsere strategische Sichtbarkeit in der europäischen Sicherheitsrobotik. Gleichzeitig können wir den neuesten Stand der Technologie beobachten, frühzeitig Trends erkennen und gezielt für eigene Entwicklungen nutzen.

Was ist eure Motivation, bei der diesjährigen ELROB den Lead zu übernehmen? Was erhofft ihr euch von dieser Teilnahme für die Schweiz?

Markus: Wir sehen den Anlass als sehr spannend, effizent und zielführend, weshalb es uns auch nicht an Motivation fehlt. Ich hoffe, dass aus ELROB etwas nachhaltiges entsteht, zum Beispiel eine erfolgreiche Zusammenarbeit im Bereich der Forschung und Technologieentwicklung.

Joseph: Durch ELROB wollen wir weitere Erkenntnisse darüber gewinnen, wie sich die Robotik weiterentwickeln muss, um einen nachhaltigen Beitrag zur Sicherheit zu leisten. Gleichzeitig soll das Event Hinweise liefern, wie sich die Sicherheitskräfte künftig an die neuen Technologien und Einsatzszenarien anpassen können.

Während dieser einen Woche treffen Forschung, Industrie und Anwendende direkt aufeinander. Warum ist dieser unmittelbare Austausch für den technologischen Fortrschritt so entscheidend?

Markus: Entscheidend ist, Informationen zu erhalten, die man aus Broschüren oder von online Auftritten der beteiligten Organisationen nicht herauslesen kann. Zum Beispiel Einblicke in Kommuikationsprotokolle, Software-Architekturen oder neue Ansätze zur autonomen Navigation. Gleichzeitig ist es auch spannend zu sehen, in welchem Bereich andere Nationen ein grosses Potential erkennen.

Joseph: Die angewandte Forschung benötigt einen regelmässigen Austausch mit den End‑Nutzerinnen und End‑Nutzern, damit Systeme das Labor verlassen und in die reale Einsatzumgebung überführt werden können.

Die Schweiz wird seit Jahren immer wieder als das innovativste Land weltweit ausgezeichnet. Weiter besitzt die Schweiz den Spitznamen «Sillicon Valley of Robotics». Was bedeutet dies konkret für die Robotikforschung? Wo steht die Schweizer Hochschullandschaft im internationalen Vergleich im Bereich der Robotik?

Markus: Ich denke, in gewissen Dual-Use Bereichen ist die Schweiz international hervorragend aufgestellt, insbesondere in der Robotik. Wir haben eine sehr hohe Startup-Dichte und sind an den grossen internationalen Robotik-Konferenzen überdurchschnittlich vertreten. Wir sehen auch, dass multinationale Grosskonzerne in der Nähe zu den technischen Hochschulen Forschungs- und Entwicklungszellen aufgebaut haben. Das spricht ganz klar für den Technologiestandort Schweiz.

Joseph: Die Hochschullandschaft ist im Bereich der Robotikforschung sehr stark aufgestellt. Schweizer Labore an Universitäten und Fachhochschulen schaffen kontinuierlich weltführende Ergebnisse. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, den Sprung von der Grundlagenforschung in die Anwendung zu schaffen, die Technologien zu industrialisieren und ihre Beschaffungs‑ und Einsatzreife zu sichern.

Die geopolitische Lage spitzt sich seit Jahren zu. Insbesodnere in Europa werden Kooperationen deshalb immer wichtiger. Welchen strategischen Stellenwert hat die grenzüberschreitende Zusammenarbeit für die Entwicklung und Erprobung neuer Sicherheitstechnologien?

Markus: Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit wird in meinen Augen immer wichtiger, von der gemeinsamen Forschung bis zu Beschaffung, Ausbildung und Training. Ich denke, dass wir darauf hinarbeiten sollten, in der Schweiz etwas Einzigartiges auf die Beine zu stellen, das das Ausland interessiert und was wir in eine internationale Zusammenarbeit einbringen können.

Welche Rolle spielt ELROB im Kontext sicherheitspolitischer Zusammenarbeit oder technologischer Souveränität im DACH-Raum?

Joseph: ELROB bildet eine Schnittstelle, die den Kontakt zwischen Forschenden, Industrie und Armeen im DACH-Raum ermöglicht. Der Austausch schafft die Grundlage, Synergien zwischen Forschung und Industrie zu erkennen und daraus wertvolle Erkenntnisse sowie konkrete Use-Cases abzuleiten.

Welche langfristige Wirkung erwartet ihr für die interantionale Zusammenarbeit und für die sicherheitsrelevante Forschung der Schweiz?

Markus: Erstrebenswert wäre eine langfristige internationale Zusammenarbeit, die aus ELROB ensteht und eine echte Win-Win Situation für alle Beteiligten schafft. Dadurch könnte sich die sicherheitsrelevante Forschung der Schweiz auch im Ausland positionieren und langfristig einen konkreten Beitrag zur Sicherheit der Schweiz leisten.

Joseph: Wir alle haben sehr ähnliche Probleme zu bewältigen. Durch die internationale Zusammenarbeit könnte eine Kultur des gemeinsamen Problemlösens gefördert werden, wenn man öfters über die Grenze schaut, Test-Infrastrukturen teilt und Erkentnisse aus realen Einsätzen systematisch verbreitet.

Wenn man auf die Durchführung dieses Jahres blickt: Wo seht ihr die nachhaltigsten Effekte des Events?

Markus: Wir erhoffen uns Erkenntnisse, die uns helfen, besser zu werden. Sei es im Hinblick auf die nächste Durchführung der ELROB in der Schweiz, auf neue Partnerschaften oder auf Hinweise, die zur strategischen Ausrichtung beispielsweise der militärischen Forschung dienen. Gleichzeitig hoffen wir natürlich auch, die Schweiz im Ausland positiv präsentieren zu können, was nachhaltig Türen öffnen kann.

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