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MitteilungVeröffentlicht am 19. Mai 2026

«ELROB ist in Europa sicherlich der Nukleus der unbemannten militärischen Landrobotik» – Interview mit Dr. Frank Schneider

Robotische Systeme können Einsatzkräfte aus dem Gefahrenbereich fernhalten, entlasten und neue Einsatzmöglichkeiten eröffnen. Damit Innovationen aus Forschung und Entwicklung in die Praxis übergehen, müssen sie unter realitätsnahen Bedingungen getestet werden. ELROB erfüllt genau diesen Zweck. Im Juni 2026 ist armasuisse Wissenschaft und Technologie Gastgeberin des viertägigen Events. Im Interview spricht Gründer, Dr. Frank Schneider vom Fraunhofer Institut FKIE in Deutschland, über die Entstehung, aktuelle Schwerpunkte und Zukunft von ELROB.

Interview geführt durch Leandra Kolb, Stab, Wissenschaft und Technologie

Portrait von Dr. Frank Schneider

In Kürze

ELROB verfolgt das Ziel, die Entwicklungen von unbemannten Bodenfahrzeugen für den militärischen Einsatz voranzutreiben. Dabei bringt ELROB Forschung, Industrie sowie Anwenderinnen und Anwender aus dem Verteidigungs- und Sicherheitsbereich zusammen und schafft eine europäische Plattform für Austausch, Erprobung und Weiterentwicklung der Robotik. ELROB ist der etablierteste Anlass dieser Art in Europa.

Lieber Herr Dr. Schneider, Sie haben im Jahr 2006 ELROB initiiert. Welche ursprüngliche Vision und Motivation standen hinter der Gründung von ELROB und wie haben sich diese im Laufe der letzten Jahre entwickelt?

Der Ursprung der ELROB liegt in einer von mir gegründeten NATO-Arbeitsgruppe, die sich mit der Weiterentwicklung von unbemannten Systemen befasste. Die Ergebnisse haben wir damals dem Führungsstab des Deutschen Heeres vorgestellt, verbunden mit der Empfehlung, eine entsprechende Leistungsschau ins Leben zu rufen. Das war der Beginn der Europäischen Land-Roboter-Erprobung ELROB.
Die ELROB verfolgt einen iterativ-evolutionären Ansatz. Durch engsten Kontakt zu den Bedarfsträgern und dem fortwährenden Beobachten des Themengebiets werden die Szenarios der ELROB kontinuierlich an die aktuellen Anforderungen angepasst.

Wie hat sich ELROB in den letzten 20 Jahren verändert, sowohl inhaltlich als auch technologisch?

ELROB befindet sich in einem kontinuierlichen Anpassungsprozess an die aktuellen Anforderungen. Technisch bedeutet das, dass wir mittlerweile vermehrt marktverfügbare Fahrzeuge am Start sehen. Von Seiten der Software sind wir aber von einer umfassenden Lösung noch ein gutes Stück entfernt. Der Fokus in den Szenarios liegt folglich nicht mehr so stark auf dem Testen von Plattformen, sondern auf den autonomen beziehungsweise automatischen Fähigkeiten der Systeme.

Wurden Systeme, die im Rahmen von ELROB getestet wurden, bereits von zivilen oder militärischen Behörden beschafft?

Die Anzahl der Hersteller von unbemannten Landsystemen ist weltweit zwar übersichtlich, aber natürlich haben wir im Einzelnen nicht immer Kenntnis darüber, welches System in einem anderen Land beschafft wurde. Generell ist festzustellen, dass die allermeisten Armeen unbemannte Landsysteme noch nicht in der Breite eingeführt haben. Dies wird sich vermutlich aufgrund aktueller Entwicklungen ändern.

Wo sehen Sie den konkreten Mehrwert der grenzübergreifenden Zusammenarbeit aus technologischer Sicht?

Aus Forschungs- und Technologischer-Sicht ist Zusammenarbeit immer ein Gewinn. Nur wenn die Forderungen des Bedarfsträgers in der Breite berücksichtigt werden, entsteht ein System, das auch in multinationalen Einsätzen wie zum Beispiel in der NATO, UN oder EU Erfolg haben wird.

Vom 15. – 19. Juni 2026 treffen Forschung, Industrie und Anwendende direkt aufeinander. Warum ist dieser direkte Austausch aus Ihrer Sicht entscheidend für den technologischen Fortschritt?

Forschung und Technologie lebt vom Austausch. ELROB ist nicht nur eine banale Leistungsschau, sondern auch eine Veranstaltung auf der Forschende, Entwicklerinnen und Entwickler, Industrie sowie Bedarfsträger zu einem intensiven Dialog aufeinandertreffen. Hier werden Entwicklungen bereits in ihrer Anfangsphase vorgestellt, Arbeitsverträge geschlossen, Entwicklungsaufträge vereinbart und neue Forschungs- und Technologische-Richtungen angestossen. ELROB ist in Europa sicherlich der Nukleus der unbemannten militärischen Landrobotik.

Frank Schneider zeigt einer Person etwas auf einer Karte

ELROB wird abwechselnd in Deutschland, Österreich und der Schweiz durchgeführt. Welche Aspekte bringt die Schweiz als Durchführungsland mit, die Deutschland oder Österreich weniger bieten?

Die Schweiz verfügt über ein breites Spektrum an Forschung und Technologie im Bereich unbemannter Systeme und ist somit im trinationalen DACH-Verbund ein leistungsfähiger Partner.

Welches Szenario der vergangenen Jahre ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Der Schwerpunkt wandert tatsächlich durch die unterschiedlichen Szenarios. Während in den vergangenen Jahren die Applikation Transport/Convoy hohe Aufmerksamkeit erhalten hat, folgte dann die Aufklärung chemischer, biologischer, radiologischer und nuklearer (CBRNE) Gefahren. In diesem Jahr ist es das Maulesel beziehungsweise MULE-Szenario.

Wenn Sie nach vorne schauen: Welche Rolle wird ELROB in fünf oder zehn Jahren spielen?

ELROB unterliegt durch ihre kontinuierliche Anpassung an die aktuellen Anforderungen des Bedarfsträgers einem ständigen Wandel. Gleichzeitig ergeben sich durch die aktuellen Entwicklungen völlig neue Perspektiven und Herausforderungen. Die ELROB wird diese, wie immer, aufgreifen und entsprechend adaptieren, um diesen Gegebenheiten Rechnung zu tragen.

Mit Blick auf die diesjährige Durchführung: Wo sehen Sie die nachhaltigsten Effekte des Events?

Neben der Präsentation des aktuellen Leistungstands liegt einer der wichtigsten Effekte im Zusammenbringen der akademischen Akteure, der KMU und Industrie und dem Bedarfsträger. In diesem einzigartigen Setting ist ein intensiver, ungefilterter direkter Austausch zwischen allen Beteiligten gewährleistet.

Zum Abschluss: Worauf freuen Sie sich persönlich besonders bei der diesjährigen Ausgabe in Thun, auch abseits des offiziellen Programms?

Das Panorama.

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