INSIGNE – Modernisierung der elektronischen Kriegführung
Anlässlich des Projekts INSIGNE unterstützt armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) die Planung sowie Gesamtleitung und verantwortet unter anderem das Teilprojekt «Neue Fähigkeiten». Das Ziel ist, die Modernisierung der elektronischen Kriegführung der Schweizer Armee. Im Fokus von INSIGNE steht die Beschaffung von interoperablen und modularen Systemen.
Aldo Gamboni, Fachbereich Sensoren, Kompetenzbereich Beschaffung
Dr. Denis Sallin und Cyril Etter, Kommunikation und Elektromagnetischer Schutz
Leandra Kolb, Stab, armasuisse Wissenschaft und Technologie

In Kürze
armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) leitet die technische Durchführung des Projektes INSIGNE. Das Projekt trägt zur Modernisierung der elektronischen Kriegführung (EKF) der Schweizer Armee bei. Es stellt sicher, dass die Streitkräfte über zeitgemässe Fähigkeiten zur elektronischen Aufklärung, Störung und Täuschung verfügen. Neben der Beschaffung leichter, modularer und interoperabler Systeme steht deren Integration in den bestehenden Systemverbund im Vordergrund. INSIGNE baut die Grund- und Zusatzfähigkeiten auf, die taktische Einsätze – insbesondere in komplexen und urbanen Umgebungen – wirkungsvoll unterstützen. Von den gewonnen Erkenntnissen profitieren sowohl Kooperationspartner als auch die Industrie.
Am 5. November 2025 genehmigte der Bundesrat eine Rüstungskooperation im Bereich Electromagnetic Warfare (EW) zwischen der Schweiz, Niederlande, Deutschland und Dänemark. Dieses internationale Abkommen unterstützt die gemeinsame Beschaffung sowie den langfristigen Support moderner Systeme der elektronischen Kriegführung (EFK). Ab 2026 sollen gemeinsam Sensorsysteme (Electronic Support, ES) sowie Störsender (Electronic Attack, EA) beschafft werden. Diese Systeme bilden einen wesentlichen Bestandteil der modernen elektronischen Kriegführung. Einerseits bestehen die ES Systeme aus einem Verbund von elektromagnetischen Sensoren zur Kampfunterstützung und ermöglichen dadurch, gegnerischen Sendern im elektromagnetischen Raum zu detektieren, klassifizieren, und zu orten. Andererseits erzeugen die EA-Systeme aktive Störungen gegen gegnerische Sensoren und Kommunikationssysteme. Hier setzt das Projekt INSIGNE an. Die Umsetzung der Fähigkeitsaufbau erfolgt in mehreren Etappen im Rahmen des Rüstungsprogramms 2026.
Sensoren und Störsender tragen entscheidend zur Wirkung des gesamten Systemverbunds bei und sind somit ein zentraler Baustein zur Erhöhung der eigenen Durchsetzungs- und Schutzfähigkeit im elektromagnetischen Raum.
VBS-übergreifende Zusammenarbeit
Die Verantwortung für das Gesamtprojekt liegt bei armasuisse Beschaffung. Ihr Zuständigkeitsbereich fällt auf die Beschaffungsstrategie, Verfahren und Beziehungen zwischen dem Departement Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) und externen Partnern. armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) hingegen trägt die technische Verantwortung für das Projekt INSIGNE und leitet das Teilprojekt «neue Fähigkeiten». Dieses umfasst Forschung, Innovation und Testing neuer Ausprägungen und Sensortypen sowie die konzeptuelle Entwicklung für die künftigen Beschaffungsschritte von INSIGNE. Dabei unterstützt armasuisse W+T das Kommando Cyber (Kdo Cy), das Heer, die Luftwaffe (LW) und das Kommando Ausbildung (Kdo Ausb) bei der Definition von Anforderungen auf Grundlage bereits gewonnener Erfahrungen mit dem Pilotsystem. Das Pilotsystem ermöglichte es, technische Erkenntnisse mit dem System der Partner der Rüstungskooperation zu gewinnen und die Leistungsfähigkeit des Systems in verschiedenen Konfigurationen zu testen. INSIGNE setzt die Architektur des Pilotprojekts in grossem Massstab mit Systemen um, die an das Einsatzkonzept angepasst sind. Durch die Unterstützung seitens armasuisse W+T lassen sich technische Risiken reduzieren und «Swissness» vermeiden. Das Ziel ist es, die Systeme «von der Stange» zu beschaffen. So kann ein System mit dem Pilotsystem getestet und die Anforderungen, auf denen die Möglichkeiten des Systems basiert, angepasst werden. Dies reduziert Kosten und Entwicklungsrisiken. Die Communication and Information System Labs (CISLabs) von armasuisse W+T fungieren dabei als integrierte Testumgebung für INSIGNE. Als Informations- und Kommunikationstechnologische (IKT) Infrastruktur ermöglichen sie den Betrieb des EW-Pilotsystems.
Die Testinfrastruktur CISLabs sowie die enge Kollaboration mit armasuisse Beschaffung ermöglichten schnelle und flexible Tests der Systeme: Sensoren im Verbund, Schnittstellen zu Fremdsystemen und Identifikationen von Einschränkungen.
Das Pilotsystem realisiert das komplette System – verschiedene Sensoren, ES Komponenten im Verbund mit Schnittstellen an EA-Systemen, Kommunikationssysteme (TkA) und Führungssysteme (IPLIS) – in verkleinertem Massstab und ermöglicht die agile und kooperative Integration von Sensoren, Störsendern und C2-Komponenten mit der Industrie und dem Kommando Cyber. Diese Plattform wird auch in den Systemintegrationsphasen während der Beschaffung eingesetzt, um die Anforderungen an Modularität, Skalierbarkeit und Leistung unter verschlechterten Bedingungen zu validieren.

Bildlegende
Rote konzentrische Kreise: Ausbreitung elektromagnetischer Wellen, Kommunikation der Gegner
Roter Panzer: Mittel der Gegner
Gelber Sektor: Aktion eines Störsenders, der die Kommunikation eines Gegners behindert
Blaue Peillinien: Triangulation
Kleiner roter Kreis: Ortung des gegnerischen Senders
Blaue Sensoren: Electronic Support (ES) Systeme (Peiler)
Blaue Kreise: Position der ES-Systeme
Gelbe Sender: Electronic Attack (EA) Systeme
INSIGNE wird durch die blauen Sensoren (ES) und die gelben Störsender (EA) dargestellt.
Ausblick
armasuisse W+T beschäftigt sich mit dem Fortbestand des Pilotsystems und führt in Kooperation mit dem Kdo Cy weitere Tests mit der Truppe durch. Zudem leitet armasuisse Beschaffung, zuständig für die Beschaffung der ES und EA-Systeme im Rahmen des Rüstungsprogramms 2026, die weiteren Schritte zur Beschaffung der genannten Systeme ein.
