Forschung im Fokus: Programme, Projekte und Ergebnisse – Jahresreporting der Forschungsprogramme «Aufklärung und Überwachung» sowie «Kommunikation»
Am Dienstag, 25. März 2025 lud armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) zu den beiden Jahresreportings der Forschungsprogramme «Aufklärung und Überwachung» sowie «Kommunikation» ein. Die beiden Forschungsprogrammleiter Dr. Peter Wellig und Dr. Christof Schüpbach boten VBS-internen Mitarbeitenden spannende Einblicke in aktuelle Forschungsaktivitäten, Projekte und Ergebnisse.
Moana Häfeli, Stab, armasuisse Wissenschaft und Technologie

In Kürze
Die jährlichen Reportings der Forschungsprogramme von armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) haben zum Ziel, interessierten VBS-internen Mitarbeitenden einen Blick hinter die Kulissen der Forschungsprogramme zu gewähren. Dieser Rahmen bietet nicht nur vielseitige Einblicke in unterschiedliche Arbeitsfelder und laufende Projekte, sondern auch eine gute Gelegenheit für einen offenen Austausch. Dadurch fördert der Anlass den gegenseitigen Wissensaustausch und stärkt die VBS-interne Zusammenarbeit.
Den Auftakt der alljährlichen Jahresreportings machten die Forschungsprogramme «Aufklärung und Überwachung» sowie «Kommunikation». Die diesjährige Durchführung stoss mit rund 140 Teilnehmenden wiederholt auf hohes Interesse innerhalb des VBS und unter den internen Mitarbeitenden.
Neuausrichtung des Forschungsprogrammes «Aufklärung und Überwachung»
Zu Beginn des ersten Jahresreportings gab Dr. Peter Wellig einen kurzen Überblick über das Forschungsprogramm «Aufklärung und Überwachung». Im Zuge dessen stellte Dr. Peter Wellig die Neuausrichtung des Forschungsprogrammes vor. Neu bearbeitet das Forschungsprogramm vier fähigkeitsorientierte Kompetenzfelder in den Bereichen ISTAR (Intelligence, Surveillance, Target Acquisition and Reconnaissance) und Gegenmassnahmen. Die vier Kompetenzfelder unterteilen sich wie folgt in: Luftraumüberwachung, Luftgestützte Aufklärung Boden, Überwachung grosser Räume (inkl. urbane Umgebung) sowie Tarnung und Täuschung. Ausserdem betonte Dr. Peter Wellig, um den Kompetenzaufbau sicherzustellen, ist ein breites Spektrum an Netzwerken zentral. Darunter die enge multilaterale Kooperation mit NATO/PfP Forschungspartnern, Universitäten, Hochschulen, Industrie und internen Joint-Forschungsprojekten. Zusätzlich informierte der Forschungsprogrammleiter über einige aktuelle Forschungsaktivitäten wie die Erkennung von Kleindrohnen mittels verschiedener Sensoren in einem herausfordernden Umfeld im Rahmen der NATO-Übung TIE’24.
Daraufhin folgten drei Fachreferate zum Themenbereich «Gefechtsaufklärung und Täuschung». Andreas Zihlmann, wissenschaftlicher Projektleiter im Bereich Sensorik berichtete den Teilnehmenden vom gemeinsamen Experiment im Rahmen einer NATO/PfP-Forschungskampagne (Partnership for Peace) mit verschiedenen nationalen wie internationalen Forschungspartnern, welches die Leistungsgrenzen von drohnenbasierten Radarsystemen testete. Dr. Elias Mendez von der Universität Zürich präsentierte in einem anknüpfenden Referat die dort getesteten Systeme der Universität Zürich. Danach schloss Marc Radstake, Gruppenleiter Innovation von armasuisse W+T mit einem Referat zu Attrappen und der Signatur-Optimierung von Attrappen den ersten Block ab.

Samuel Gelzer vom Kommando Operationen startete den zweiten Block mit einem Bericht zur Raumbasierten Bildauswertung (IMINT). Die praxisnahen Ausführungen boten den Zuhörenden einen spannenden Blick hinter die Kulissen und ermöglichten einen Überblick der vielschichtigen Tätigkeitsfelder des IMINT. Ein weiteres Referat hielt Dr. Roland Oechslin zum Thema «kognitive Radarverfahren». Der Fokus liegt darauf, das kognitive Radarsystem nach dem Vorbild der menschlichen Kognitionsfähigkeit zu entwickeln. Dazu stellte Dr. Roland Oechslin Versuche im Rahmen der NATO-Forschungsarbeitsgruppe SET-302 vor, welche zur Weiterentwicklung der kognitiven Radarsysteme genutzt wurden. Mit einem kurzen Einblick in die laufenden Eventvorbereitungen zum Symposium «Scout 25 – moderne Gefechtsfeldaufklärung und Gegenmassnahmen» rundete der Projektleiter Andreas Zihlmann den ersten Forschungsrapport des Jahres ab.
Abschliessend verwies Dr. Peter Wellig nochmals kurz auf den am 18. Juni in Thun sattfindenden Event «Scout 25 – moderne Gefechtsfeldaufklärung und Gegenmassnahmen» sowie weitere geplante Forschungsaktivitäten der NATO/PfP und interne Joint-Forschungsprojekte.
Ein stetiger Kompetenzaufbau im Forschungsprogramm Kommunikation
Der Nachmittag stand ganz im Zeichen des zweiten Forschungsprogrammes «Kommunikation» unter der Leitung von Dr. Christof Schüpbach. Wie im morgigen Programmverlauf präsentierte Dr. Christof Schüpbach den Anwesenden, nebst einem allgemeinen Forschungsprogramm Überblick, die Neuausrichtung des Forschungsprogrammes. Das Forschungsprogramm orientiert sich neu an folgenden drei Kompetenzfeldern: Übertragungstechnologien, Elektronischer Kampf und Führungsinformationstechnologien. Letzteres deckt insbesondere das Vorhaben ab, ein Zusammenspiel zwischen den Führungsinformations- und den Kommunikationssystemen sicherzustellen, um den Sensor-, Nachrichten-, Führungs- und Wirkungsverbund (SNFW) erfolgreich zu schliessen. Darüber hinaus hob der Forschungsprogrammleiter nochmals den Stellenwert eines breiten Partnernetzwerk zum Ausbau der Fachkompetenzen heraus. Insbesondere der Wissenstransfer unter den Projektleitenden sei dabei zentral. «Kompetenz wird nicht auf einem Memorystick transferiert» so Dr. Christof Schüpbach. Erwähnung fanden ausserdem einige Forschungsaktivitäten wie beispielsweise Photonik für Funkanwendungen. Dies umfasst Technologien, welche Signale optisch erzeugen und manipulieren und zur Übertragung in Funksignale wandeln können. Daraus ergeben sich beachtliche Vorteile wie hohe Bandbreiten und flexible Frequenzwahl.

Nach der Einleitung ins Forschungsprogramm Kommunikation übergab Dr. Christof Schüpbach das Wort an Col. Mietta Groeneveld, Direktorin des NATO Command and Control Centre of Excellence. Ihr Fachreferat widmete sich insbesondere den aktuellen Herausforderungen der NATO im Bereich Command and Control und den stärksten Treibern dahinter. In einem weiteren Referat stellte Dr. Meriem Elhosni, wissenschaftliche Projektleiterin im Bereich Kommunikation und elektromagnetischer Schutz das Forschungsprojekt C2SIM (Command and Control Simulation) vor. Das Ziel ist, künstliche Intelligenz (KI) für die realistische Erzeugung simulierter Szenarien einzusetzen und zu vernetzen sowie die Ausbildung und die Entscheidungshilfe im Einsatz zu unterstützen. Ergänzend dazu führte Dr. Meriem Elhosni gemeinsam mit Dr. Matthias Sommer, wissenschaftlicher Projektleiter im Bereich Künstliche Intelligenz und Simulation aus, wie die Systeme des Forschungsprojekts C2SIM, C2-Systeme sowie die Simulation an der diesjährigen NATO-Übung CWIX (Coalition Warrior Interoperability eXploration, eXperimentation, eXamination eXercise) 2025 getestet wird.
Den Abschluss des Tages und des Forschungsrapportes vollendete Dr. Raphael Rolny mit einem Referat zum Thema «Störungsfreies kommunizieren im elektromagnetischen Raum». Dabei betonte er, dass vor allem militärische Kommunikationssysteme immer mehr mit Herausforderungen konfrontiert sind. Wobei sich die Frage stellt, wie können diese Kommunikationssysteme effizienter und robuster gestaltet werden. Basierend auf drei Forschungsprojekten skizzierte Dr. Raphael Rolny erste Erkenntnisse und Lösungsansätze zur Inferenzreduktion bei militärischen Kommunikationssystemen. Die untersuchten Verfahren stellen für die Armee ein grosses Potential dar, da die militärischen Kommunikationssysteme damit gleichzeitig senden, empfangen und jammen könnten, während Jamming-Signale von Gegnern unterdrückt werden.
Fazit und Ausblick
An dieser Stelle bedankt sich armasuisse W+T im Namen aller Beteiligen bei den Referentinnen und Referent und für das rege Interesse sowie den offenen und wertvollen Austausch untereinander.



