Sicherheitsforum Drohnen Schweiz – Gemeinsam den Austausch stärken
Am 19. Oktober 2026 brachte die Taskforce Drohnen auf dem Waffenplatz Thun erstmals Akteure aus Industrie, Forschung, Armee, Verwaltung und Politik zum Sicherheitsforum Drohnen Schweiz zusammen. Ziel war es, den Austausch im Schweizer Drohnenbereich zu fördern, gemeinsame Fragestellungen zu bearbeiten und Beiträge zur zukünftigen Verteidigungsfähigkeit der Schweiz zu erarbeiten.
Moana Häfeli, Stab, armasuisse Wissenschaft und Technologie

In Kürze
Mit dem Sicherheitsforum Drohnen Schweiz schuf die Taskforce Drohnen (TFD) erstmals eine Plattform für den Dialog zwischen Industrie, Forschung, Armee, Verwaltung und Politik. Die Teilnehmenden tauschten sich über Perspektiven und Prioritäten aus und arbeiteten in Workshops gemeinsam an konkreten Fragestellungen zur zukünftigen Verteidigungsfähigkeit der Schweiz und dem Drohenökosystem. Ergänzend präsentierten Industrie und Forschung ihre Technologien, Kompetenzen und Dienstleistungen in einer begleitenden Ausstellung.
Die sicherheitspolitischen Entwicklungen weltweit und besonders die angespannte Sicherheitslage in Europa unterstreichen die Bedeutung von Drohnen, Drohnenabwehr und unbemannter Systeme als wesentlicher Faktor für die künftige Verteidigungsfähigkeit der Schweiz. Vor diesem Hintergrund organisierte die TFD das erste Sicherheitsforum Drohnen Schweiz. Über 300 interessierte Teilnehmende aus Industrie, Forschung, Armee, Verwaltung, Behörden, Politik und Weitere kamen in Thun zusammen. Im Mittelpunkt des Anlasses stand, Brücken zwischen den Akteuren zu schlagen und das Schweizer Drohnenökosystem nachhaltig zu stärken. Hierzu brachten Vertreterinnen und Vertreter aus Armee, armasuisse, Innovationsförderung, Forschung und Industrie zum Auftakt des Forums ihre Perspektiven ein.
Taskforce Drohnen
Die Taskforce Drohnen (TFD) wurde 2024 vom Rüstungschef Urs Loher, ehem. Chef der Armee Korpskommandant Thomas Süssli, dem Generalsekretär VBS Daniel Büchel und der Direktorin des Bundesamts für Bevölkerungsschutz Michaela Schärer ins Leben gerufen. Die Steuerung wird durch den Chef der Armee und den Rüstungschef wahrgenommen. Die Leitung liegt bei Thomas Rothacher, Stellvertretender Rüstungschef und Leiter des Kompetenzbereichs armasuisse Wissenschaft und Technologie.
Gemeinsam Verteidigungsfähigkeit stärken durch Zusammenarbeit und Austausch
«Drohnen verändern die moderne Konfliktführung grundlegend und wohl auch nachhaltig.», mit diesen einleitenden Worten richtete sich Thomas Rothacher, Leiter armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) und Leiter der Taskforce Drohnen, in seiner Begrüssungsrede an das Publikum. Entscheidend sei, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und für die Armee nutzbar zu machen, wo sie einen konkreten Mehrwert bieten. Dafür braucht es das Schweizer Drohnenökosystem und die TFD als verbindendes Element, um die Bedürfnisse der Armee mit den Kompetenzen aus Industrie, Forschung und weiteren Bereichen zu vernetzen. Besonders durch eine enge Zusammenarbeit sollen technologische Entwicklungen schneller in einsatzfähige Lösungen überführt und die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz gestärkt werden, so Thomas Rothacher.

Korpskommandant Benedikt Roos, Chef der Armee, ordnete die Bedeutung von Drohnen in die aktuelle Sicherheitslage ein auch angesichts hybrider Bedrohungen, die auch die Schweiz betreffen können. Drohnen und Robotik sind für den Chef der Armee ein fester Bestandteil der künftigen Armee. Daher soll unter anderem mit dem vorgesehenen Drohnenbataillon die Integration von Drohnen in die Armee vorangetrieben werden. Zum einen ist hierzu die enge Zusammenarbeit zwischen Armee, armasuisse, Industrie und Forschung zwingend notwendig. Zum anderen ist es genauso bedeutend Regulatoren zu schaffen, die einfachere sowie schnellere Abläufe zulassen, Hürden abbauen und mehr Risiko einzugehen, um agiler zu werden. «Wir wollen und müssen die Reihen innerhalb des VBS schliessen», so der CdA. Beispielsweise um geeignete Testmöglichkeiten und Infrastrukturen zu ermöglichen. Genau dort setzt das Projekt Eiger an und versucht neue Wege zu gehen. Potenzial sieht der CdA ebenfalls in den qualifizierten Fachpersonen der Milizarmee, deren Wissen zum schnellen Aufbau neuer Fähigkeiten beitragen kann.

Rüstungschef Urs Loher erläuterte, dass sich armasuisse von einem reinen Beschaffungsamt zu einer Sicherheitsarchitektin entwickeln müsse. Die Gründung der Taskforce Drohnen sei ein Schritt in diese Richtung. Dafür reiche eine schnellere Beschaffung allein nicht aus: Die Schweiz müsse künftige Konflikte vorausdenken und bestehende Einsatzkonzepte hinterfragen, so Urs Loher. Nötig ist ein Rüstungsökosystem, das Forschung, Entwicklung, Produktion, Ausbildung und Unterhalt verbindet. Das Projekt Eiger stärkt dazu die Zusammenarbeit zwischen Armee, Industrie und Forschung sowie Lösungen rasch in realitätsnahen Tests zu überprüfen. Um im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben, müssten qualifizierte Fachpersonen, erprobte Verfahren, Produktionsreserven und verlässliche Partnerschaften bereits heute aufgebaut werden, sagt Urs Loher.

Dominique Gruhl-Bégin, Direktorin der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung - Innosuisse, zeigte dem Publikum auf, wie wissenschaftsbasierte Innovation die Sicherheit und Widerstandsfähigkeit der Schweiz stärken kann. Innosuisse verbindet Wissenschaft und Praxis und unterstützt die Umsetzung neuer Erkenntnisse durch Projektförderung, Beratung und Vernetzung. Sicherheitsrelevante Innovationen entstehen zunehmend auch in zivilen Märkten. Daher seien Start-ups und Technologien mit zivilen und militärischen Anwendungen frühzeitig einzubeziehen, sagt Dominique Gruhl-Bégin. Als Beispiel stellte die Direktorin von Innosuisse die gemeinsame Projektausschreibung von Innosuisse und armasuisse im Rahmen der Flagship-Initiative vor. Diese soll Kompetenzen bündeln und Innovationen fördern, die zur Verteidigungsfähigkeit der Schweiz beitragen und zugleich wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen schaffen.

Stimmen aus der Forschung und Industrie
Ivo Capaul stellte eine Studie des Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich zur Versorgung der Armee mit Kleindrohnen im Spannungsfeld vor. Zudem beschäftigt sich die Studie mit der Frage, welche technologischen und organisatorischen Voraussetzungen dafür bereits heute geschaffen werden müssen. Mit Blick auf die Ukraine erläuterte Capaul die Bedeutung eines dezentralen Drohnenökosystems. Im Fokus steht die Modularität als Hebel: modulare Systeme erleichtern es, neue Komponenten zu integrieren und die Produktion auszuweiten. Ein solcher Produktionsverbund braucht jedoch klare Zuständigkeiten und Koordination zwischen Staat und Herstellern. Die notwendigen Vorbereitungen müssten heute beginnen, denn die bestehenden Rahmenbedingungen prägen die künftige Produktions- und Innovationsfähigkeit, betont Ivo Capaul.
Benjamin Wepfer von Centaurium erläuterte, wie verlässliche und bezahlbare Drohnenfähigkeiten für die Sicherheit der Schweiz entstehen können. Ausgangspunkt müsse der Sicherheitsauftrag sein, an dem sich die Auswahl der Technologie orientiere. Ein arbeitsteiliges Drohnenökosystem mit klaren Rollen und geteilter Verantwortung könne bestehende Kompetenzen und Systeme gezielt verbinden. Dafür brauche es erprobte Zusammenarbeit, geeignete Testmöglichkeiten und klare Rahmenbedingungen für den verantwortbaren Betrieb im benötigten Luftraum. Diese Voraussetzungen müssten frühzeitig geschaffen werden, damit die Fähigkeiten bei Bedarf verfügbar sind und ausgebaut werden können, unterstreicht auch Benjamin Wepfer.
Podiumsdiskussion, Ausstellung und thematische Break-Out Sessions
Nach Abschluss der Referate diskutierten Ivo Capaul, ETH Zürich, Dominique Gruhl-Bégin, Direktorin Innosuisse, Urs Loher, Rüstungschef und Yves Gächter, Kommandant Heer und Pirmin Berger, Centaurium über die Stärken und Herausforderungen des Schweizer Drohnenökosystems. Die kurze Podiumsdiskussion zeigte unterschiedliche Perspektiven und Prioritäten auf die Zusammenarbeit und die Weiterentwicklung des Ökosystems auf. Zudem bot eine integrierte Fragerunde die Möglichkeit für das Publikum eigene Fragen einzubringen.
Abgerundet wurde der Nachmittag einerseits durch eine Ausstellung, in der Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Forschung ihre Technologien, Kompetenzen und Dienstleistungen den Teilnehmenden vorstellten. Die interaktive Ausstellung bot die Gelegenheit Drohnen und Robotik Demonstratoren zu erleben und mit den Ausstellungsobjekten zu interagieren. Ergänzend dazu bildete dies eine geeignete Plattform, um Kontakte zu knüpfen und den fachlichen Austausch vom Vormittag fortzusetzen.
Andererseits erhielten die Teilnehmenden in thematischen Workshops die Möglichkeit zentrale Fragen des Schweizer Drohnenökosystems zu vertiefen und gemeinsam mögliche Lösungsansätze zu erarbeiten. Sie befassten sich mit der Zusammenarbeit zwischen den Akteuren sowie mit dem Zugang zu Testgeländen, Bewilligungen und der Koordination von Tests. Weitere Workshops widmeten sich militärischen Anwendungen und Anforderungen sowie Export- und Beschaffungsprozessen als Orientierung für die Industrie. Auch kritische Technologien und Abhängigkeiten standen im Fokus – mit der Frage, wie sich die Widerstandsfähigkeit des Schweizer Drohnenökosystems stärken lässt.
Fazit und Ausblick
Das erste Sicherheitsforum Drohnen Schweiz machte deutlich, dass die künftige Verteidigungsfähigkeit eine enge Zusammenarbeit zwischen Armee, armasuisse, Industrie, Forschung, Verwaltung, BORS (Behörden und Organisationen für Rettung und Sicherheit) und Politik erfordert. Darauf gilt es aufzubauen: Kompetenzen gezielt verbinden, geeignete Rahmenbedingungen für Erprobung und Beschaffung schaffen und technologische Entwicklungen rascher in einsatzfähige Lösungen überführen. Die Taskforce Drohnen dankt allen Beteiligten für ihre Beiträge, den offenen Austausch und ihr Engagement für ein starkes Schweizer Drohnenökosystem.








