Textilsymposium 2024
Am 13. März 2024 fand das 22. Textilsymposium in der Champions Lounge des Wankdorf-Stadions statt. Seit 2001 bietet das Textilsymposium Zulieferern aus der internationalen Textilindustrie, Wissenschaft und Verwaltung die Möglichkeit, sich auszutauschen, interessante Vorträge zu hören und sich über die neuesten Entwicklungen zu informieren.
Anna Gervasoni, Kommunikation, Strategischer Stab

Seit 2001 bietet das von armasuisse organisierte Textilsymposium Zulieferern aus der internationalen Textilindustrie, Wissenschaft und Verwaltung die Möglichkeit, Ideen auszutauschen, interessante Vorträge zu hören und sich über die neuesten Entwicklungen in diesem Bereich zu informieren. Mit ihrem Engagement für Nachhaltigkeit nimmt armasuisse ihre Vorbildfunktion wahr.
Die diesjährige Veranstaltung fand der Champions Lounge des Wankdorf-Stadions statt und wurde von rund 320 Personen besucht. Unter ihnen waren namhafte Referierende aus der Textilindustrie, der Wissenschaft und der Bundesverwaltung. Ziel war es, den Gästen ein spannendes und abwechslungsreiches Textilsymposium für ein Fachpublikum zu bieten.
An diesem Tag wurden sechs Vorträge von Referenten und Referentinnen gehalten. Die Veranstaltung begann um 10.00 Uhr mit einer Einführungsrede von Thomas Knecht (Leiter Strategischer Stab armasuisse), gefolgt von Rüstungschef Urs Loher. Letzterer betonte, dass das Ziel von armasuisse nach wie vor die Sicherheit der Schweiz ist und dass «angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage die Sicherheit unseres Landes erhöht werden muss». Das Ziel ist es, durch die Zusammenarbeit mit der Schweizer Industrie, die in der Lage ist, innovative Lösungen zu finden, autonomer zu werden. In diesem Sinne können die Textilindustrie und ihr Know-how durch innovative technische Materialien zur nationalen Sicherheit beitragen.
Nina Bachmann, Swiss Textiles
Textil - das Material der Zukunft
Das erste Referat zur Zukunft der Textilindustrie hielt Nina Bachmann von Swiss Textiles.
Covid, Inflation und geopolitische Unsicherheit haben zu einem Rückgang der Textilindustrie geführt. Doch diese Industrie hat eine Zukunft und der Schlüssel zu ihrem Erfolg sind Forschung und Innovation. Zu diesem Zweck arbeitet Swiss Textiles mit zahlreichen Unternehmen und Start-ups zusammen und unterhält mehrere Innovationsparks in der ganzen Schweiz. Eines der aktuellen Ziele ist es, mit der Produktion von Plastik- und PFAS-freier Kleidung zu beginnen.
Rahel Greuter, E. Schellenberg Textildruck AG
Die mögliche Zukunft des Tarndrucks
Der neue Tarndruck der Schweizer Armee wird in der Textildruckerei E. Schellenberg hergestellt. Rahel Greuter gab uns einen Einblick in die Welt des Tarndrucks und die Bedeutung des Digitaldrucks, der die Erstellung von Tarndrucken ermöglicht, die von künstlicher Intelligenz (z.B. Drohnen) nicht erkannt werden können.
E. Schellenberg arbeitet auch mit dem US-amerikanischen und deutschen Militär und bekannten Marken zusammen. Die Anforderungen der Textildruckerei basieren auf Qualität und Nachhaltigkeit, wie z.B. energie- und wassersparende Produktion.
Prof. Dr. Tanja Zimmermann, EMPA
Innovation als Basis nachhaltiger Entwicklung
Die EMPA, die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt, ist die interdisziplinäre Forschungseinrichtung der ETH für die Entwicklung von Materialwissenschaft und -technologie. Als Brücke zwischen Forschung und praktischer Anwendung entwickelt die EMPA innovative Lösungen für die grossen Herausforderungen von Industrie und Gesellschaft. In diesem Referat sprach T. Zimmermann mit uns nicht nur über die Innovationen der EMPA, sondern auch über ihre enge Zusammenarbeit mit der Textilindustrie bei der Entwicklung nachhaltiger Kunststoffe und Fasern sowie nachhaltiger Lösungen in verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens (z. B. Kreditkarten aus Holz statt Plastik oder Zellulose-Schutzschicht zur Konservierung von Obst und Gemüse).
Manuel Schweizer, OceanSafe AG
Textilen, eine runde Sache
OceanSafe wurde 2019 in Bern mit dem Ziel gegründet, die Textilindustrie zu verändern.
Manuel Schweizer erklärt: «Die Produkte der Textilindustrie sollten der Natur keinen Schaden zufügen». Die Textilindustrie ist ein grosses Problem für die Umwelt, mit Auswirkungen auf Wasser und Luft Zudem schafft sie soziale Probleme. Recycling ist ein wichtiger Teil der Kreiswirtschaft und muss effektiver eingesetzt werden.
Die Idee hinter OceanSafe ist, dass ein neues Material geschaffen und ein neues Konzept entwickelt werden muss, wenn es keinen Müll mehr geben soll. OceanSafe stellt Materialien/Garne her, die biologisch abbaubar sind, so dass Abfälle zu Rohstoffen werden. Auf diese Weise ist eine vollständige Wiederverwendung möglich.
Hier stellen wir die vier wichtigsten Innovationen des Unternehmens vor:
- Textilfasern und Garne
- Biologisch abbaubar und chemisch recyclingfähig
- Antimonfreie Copolymere (biologisch abbaubar)
- Biobasierte Hochleistungsfasern der nächsten Generation
Philipp Pridgar, CHT Switzerland AG
Herausforderung der "Supply Chain
CHT ist ein Stiftungsunternehmen mit Sitz in DE-Tübingen. Die CHT Switzerland AG ist das Kompetenzzentrum für Textilfarbstoffe der CHT-Gruppe und ein Systemlieferant für Chemikalien und Spezialfarbstoffe, der die gesamte textile Kette bedient. In seinem Vortrag stellte uns P. Pridgar eine Reihe von Herausforderungen vor, mit denen ein Zulieferer konfrontiert ist. Aufgrund verschiedener Weltereignisse wie z.B. dem Covid, der Rezession und dem Krieg im Gazastreifen kam es zu einer Überlastung der Häfen mit Containern, was zu erhöhten Kosten für den Strassentransport führte. Den Anbietern wurden jedoch effektive Lösungen in Bezug auf Organisation, Logistik, Langlebigkeit, Digitalisierung und Lagerhaltung vorgestellt, um die aktuellen Herausforderungen in diesem Sektor zu bewältigen.
Prof. Dr. Mathias Binswanger
Wirtschaftswachstum versus Nachhaltigkeit
Heute geht man davon aus, dass ein weltweites oder nationales Wirtschaftswachstum zu mehr Wohlstand und mehr Gesundheit führt. Tatsächlich wächst die Wirtschaft ständig, und laut Prof. Dr. M. Binswanger kann sie nicht auf demselben Niveau bleiben. Entweder sie wächst oder sie schrumpft. Doch damit die Wirtschaft weiterhin funktioniert, ist ihr kontinuierliches Wachstum unvermeidlich, auch wenn dies negative Folgen hat, wie z. B. Umweltschäden.
Die grundlegende Frage, über die uns der Referent zum Nachdenken gebracht hat, ist jedoch anderer Natur. Wenn wir von Wirtschaftswachstum sprechen, können wir in der Tat von zwei verschiedenen Wachstumskünsten sprechen: qualitativ und quantitativ. Heutzutage, im Kapitalismus, können wir mit Sicherheit sagen, dass es bei der Produktion nicht mehr darum geht, die Bedürfnisse der Menschen und die materiellen Bedürfnisse zu befriedigen, wie es in der vorindustriellen Zeit der Fall war. Deshalb sollten wir heute «besser wachsen»: Wachstum vom Ressourcenverbrauch abkoppeln und grüner werden.
Wir freuen uns sehr über Ihre zahlreiche Teilnahme an dieser Veranstaltung. Wir möchten uns bei allen Gästen, allen Referentinnen und Referenten und der Moderatorin Jacqueline Stampfli bedanken.
Wir hoffen, Sie alle im nächsten Jahr wiederzusehen: 12. März 2025!









