Der Fachbereich Systemtechnik der armasuisse führt und begleitet die technische Umsetzung von Beschaffungsprojekten, Innovationsprojekten und Änderungen an bestehenden Systemen. Damit integriert sie komplexe, moderne Verteidigungssysteme erfolgreich in die bestehende Systemlandschaft der Schweizer Armee.
Der Fachbereich Systemtechnik stellt sicher, dass die beschafften Systeme die Anforderungen der Schweizer Armee und weiteren Stakeholdern optimal erfüllen. Dafür werden sowohl das Zusammenspiel zwischen den Systemkomponenten als auch die Einbindung in das Systemumfeld berücksichtigt («System of Systems»). Unsere Systemingenieure nutzen spezialisierte Methoden und Werkzeuge, um komplexe Systeme zu modellieren und zu simulieren. Dies ermöglichen die Prognose und Optimierung von Leistung, Zuverlässigkeit, Sicherheit, Wartbarkeit und Kosten. Auf dieser Grundlage können während den gesamten Lebenszyklen der Systeme fundierte Entscheidungen getroffen werden.
Unsere Kompetenzen
Die Systemtechnik (engl. Systems Engineering) ist das zentrale Konzept für die Arbeit des Fachbereichs Systemtechnik. Es ist ein interdisziplinärer und ganzheitlicher Ansatz zur Entwicklung und Verbesserung komplexer technischer Systeme über deren gesamten Lebenszyklus. Es umfasst die Konzeption, Planung, Implementierung, Analyse, Wartung und Ausserdienststellung eines Systems.
Im Rahmen von Beschaffungsprojekten für Luftfahrtsysteme und bodengestützte Luftverteidigung unterstützt der Fachbereich Systemtechnik als Technikverantwortlicher die Auftraggeber und Kunden, mehrheitlich aus der Schweizer Armee, bei der Definition ihrer Business- und Stakeholderanforderungen. Daraus leitet er die technischen Anforderungen ab, erstellen die Systemarchitekturen und leiten die Überprüfung ihrer Umsetzung. Dabei werden technische Risiken und Einschränkungen frühzeitig identifiziert und analysiert, um sie in den Projekten zu berücksichtigen.
armasuisse begleitet Luftfahrzeuge und bodengestützte Luftverteidigungssysteme, die bei der Schweizer Luftwaffe im Einsatz stehen während der gesamten Nutzungsphase. Der Fachbereich Systemtechnik ist dabei für die technische Lufttüchtigkeit und Systemintegrität verantwortlich und übernimmt unter anderem das technische Risikomanagement, die Genehmigung kleinerer Änderungen und Reparaturen sowie die technische Leitung von Weiterentwicklungsprogrammen.
Weiter vertritt der Fachbereich Systemtechnik die Schweiz bei internationalen Konferenzen mit Herstellern und Zulieferern sowie gegenüber Partnerländern der betreuten Systeme.
Die Kompetenzen des Fachbereichs Systemtechnik kommen in diversen Vorhaben zu Systemen der Luftfahrt und bodengestützten Luftverteidigung zum Einsatz. Wir stellen hier einige Beispiele vor.
Die Technologie der Mini-Drohnen entwickelt sich rasant und bietet sowohl im zivilen als auch im militärischen Bereich neue Einsatzmöglichkeiten. In einem ersten Beschaffungsprojekt wurden ab 2019 vier verschiedene Drohnensysteme für die Schweizer Armee zu Versuchszwecken angeschafft:
Black Hornet 3 von Teledyne FLIR ist mit nur 33 g Gewicht die kleinste beschaffte Drohne, ideal für Aufklärungseinsätze in Innenräumen und unabhängig von Global Navigationssatellitensystem Signal (GNSS).
Indago 3 von Lockheed Martin ist eine Aufklärungsdrohne für die Überwachung von Infrastrukturen und Unterstützung der Bodentruppen. Für die Benutzung im zivilen Luftraum ist sie mit einem FLARM-Transponder ausgestattet.
ANAFI von Parrot ist eine einfache Einstiegsdrohne für die Ausbildung künftiger Drohnenoperateuren.
Orbiter 2b von Aeronautics ist eine grössere Drohne (10 kg, 3 m Spannweite), geeignet für taktische Einsätze. Trotz der Grösse ist für den Transport tragbar.
Um technologisch auf dem neuesten Stand zu bleiben, wurden 2025 Nachfolgemodelle dieser Systeme beschafft. Der Fachbereich Systemtechnik prüft dabei die bestehenden und sich ändernden Anforderungen und die technischen Unterschiede der neuen Systeme, bewertet technische Risiken und verwaltet Änderungen.
Die Luftverteidigung schützt die Bevölkerung, kritische zivile und militärische Infrastrukturen sowie Truppenverbände gegen Bedrohungen aus dem Luftraum. Dazu benötigt die Luftwaffe nebst Kampfflugzeugen auch bodengestützte Luftverteidigungssysteme. Im Rahmen des Programms Air2030 werden gegen die verschiedenen Bedrohungen aus der Luft Systeme grosser, mittlerer und kurzer Reichweite beschafft.
Der Fachbereich Systemtechnik ist ein wesentlicher Bestandteil der Beschaffungsteams und -projekte. Über die Projektphase hinaus …
… unterstützt er den Auftraggeber und den Kunden aus der Armee bei der Definition der Business- und Stakeholderanforderungen,
… leitet er die technischen Anforderungen zur Erstellung des technischen Pflichtenheftes ab,
… beschreibt er die Umsysteme auf Komponentenebene und erstellt Systemarchitekturen zur Integration in die Schweizer Systemlandschaft,
… erstellt er technische Planungsgrundlagen,
… führt er das Anforderungs-, Änderungs- und technische Risikomanagement,
… leitet er Reviews sowie die Verifikation und Validierung.
Dank diesen Aufgaben werden bodengestützte Luftverteidigungssysteme effizient in bestehende Strukturen eingebunden und entsprechen langfristig den operativen Anforderungen der Schweizer Armee.
Der PC-7 Turbo Trainer dient seit 1982 als Schulungsflugzeug. Um seine Einsatzfähigkeit langfristig zu sichern, werden seit 2024 Modernisierungen vorgenommen, darunter die Erneuerung des Navigationssystems und die Anpassung der Funkanlage an europaweite Standards. Gleichzeitig werden auch die Flugsimulatoren auf denselben technologischen Stand gebracht. Nach den Projektstudien und der Prüfung der Alternativen durch die Luftwaffe und armasuisse unter Einbezug der Industriepartner baut Pilatus Flugzeugwerke AG und RUAG MRO Holding AG die Flugzeuge. Dank dem Werterhalt kann der PC-7 weiter eingesetzt werden.
Moderne Simulationssysteme nutzen Virtual und Mixed Reality zur Optimierung der Ausbildung. Im Rahmen der Modernisierungen prüfen die Schweizer Luftwaffe und der Fachbereich Systemtechnik deren Integration in das PC-7 Ground Based Training System. Damit könnten Pilotinnen und Piloten zukünftig effizienter und praxisnäher ausgebildet und Simulatoren flexibel an unterschiedliche Trainingsbedürfnisse angepasst werden.
Die Transporthelikopter Cougar wurden mit dem Rüstungsprogramm 1998 beschafft und sind seither täglich im Einsatz. Sie dienen dem Material- und Truppentransport sowie der Unterstützung ziviler Behörden, etwa bei Löschwassereinsätzen oder Such- und Rettungsmissionen. Zudem werden sie in der militärischen Friedensförderung, beispielsweise im Kosovo, eingesetzt.
Um die Einsatzfähigkeit der Helikopter langfristig zu sichern, führt der Fachbereich Systemtechnik ab 2018 einen umfassenden Werterhalt durch. Zu den wichtigsten Massnahmen zählen:
ein neues Selbstschutzsystem mit erweiterten Fähigkeiten,
modernisierte Bordfunkgeräte,
ein Freund-Feind-Erkennungssystem der neuesten Generation,
Anpassungen für satellitengestützte Anflugverfahren,
ein neues Kollisionswarngerät und ein Helmvisier,
diverse strukturelle und funktionale Verbesserungen.
Diese Massnahmen ermöglichen einen erweiterten Einsatz bei schlechter Witterung sowie in potenziell bedrohlichen Umgebungen. Gleichzeitig wurde die Cougarflotte technisch an die Super-Puma-Flotte angeglichen.
Der erfolgreiche Werterhalt basierte auf der engen Zusammenarbeit zwischen armasuisse, der Schweizer Luftwaffe, RUAG sowie weiteren Partnern. Dank des koordinierten Ansatzes der Systemtechnik konnten die Arbeiten effizient und auf hohem Qualitätsniveau umgesetzt werden.
Das Aufklärungsdrohnensystem 15 (ADS 15) wird seit 2015 beschafft und ersetzt das veraltete und 2019 ausser Dienst gestellte Aufklärungsdrohnensystem 95 (ADS 95). Es bringt die Luftaufklärung der Schweizer Armee auf den neusten technologischen Stand. Als unbemanntes und unbewaffnetes System ermöglicht es eine präzise Lage- und Zielaufklärung auf grosse Distanz, bei Tag und Nacht sowie über längere Zeiträume hinweg.
Neben der klassischen Bildaufklärung kann das ADS 15 mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet werden, darunter ein abbildendes Radar zur Erfassung der Lage am Boden und elektronische Aufklärungssysteme zur Detektion von Funkemissionen. Diese Vielseitigkeit macht es zu einem wertvollen Instrument für verschiedene Aufgaben wie:
die Überwachung grosser Gebiete zur Lagebeurteilung,
die Suche, Identifizierung und Verfolgung von Zielen,
der Aufklärung zum Schutz kritischer Infrastrukturen und eigener Truppen.
Neben militärischen Einsatzgebieten, beispielsweise die Feuerleitung oder die Führung der Bodentruppen, sind diese Fähigkeiten auch für die Unterstützung ziviler Behörden, wie kantonaler Führungsstäbe, der Polizei- und Rettungsdienste oder des Grenzwachtkorps, wertvoll.
Der Fachbereich Systemtechnik ist im Beschaffungsprojekt verantwortlich für das Anforderungsmanagement, technische Änderungen und Risiken, erstellt Planungsgrundlagen und führt Entwicklungsüberprüfungen (Reviews) durch. Zudem leitet er die Verifikation und Validierung, um eine einwandfreie Funktionalität und die Erfüllung der Anforderungen zu gewährleisten.
Die Kampfflugzeuge F/A-18C/D Hornet wurden mit dem Rüstungsprogramm 1992 beschafft und in den späten 1990er-Jahren bei der Schweizer Luftwaffe eingeführt. Dank kontinuierlicher Modernisierungsprogramme wurde ihre Leistungsfähigkeit in den letzten zwei Jahrzehnten auf aktuellem Stand gehalten.
Um die Einsatzfähigkeit der F/A-18 bis zur Einführung neuer Kampfflugzeuge sicherzustellen, wurde 2015 ein Projekt gestartet zur Verlängerung der Nutzungsdauer um 1000 Flugstunden auf 6000 Flugstunden pro Flugzeug. Das Programm umfasste:
Struktursanierungen zur Behebung identifizierter Schwachstellen,
detaillierte Inspektionen zur Sicherstellung der Lufttüchtigkeit,
Modernisierungen von Subsystemen, einschliesslich der Triebwerke, Radarlenkwaffen und Avionik.
Der Fachbereich Systemtechnik ist für die technische Systemintegrität verantwortlich und übernimmt unter anderem das Lufttüchtigkeits-Risikomanagement, die Genehmigung kleinerer Änderungen und Reparaturen sowie die technische Leitung der Weiterentwicklungen. Zudem vertritt der Fachbereich Systemtechnik die Schweiz bei internationalen Konferenzen mit Herstellern, Lieferanten und Partnerländern.
Um den sicheren Betrieb des Luftverkehrs aufrechtzuerhalten, benötigen Luftfahrtbehörden Risikoanalysen, bevor sie neue Systeme und Verfahren zulassen. Zunehmend und insbesondere in der unbemannten Luftfahrt werden quantitative Analysen und Simulationen im operationellen Bereich angewandt.
Der Fachbereich Systemtechnik unterstützt die Schweizer Militärluftfahrtbehörde (MAA), das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) und die internationale Forschungsgemeinschaft mit mathematischen Modellen und Simulationen, Datenanalysen und unserem Fachwissen bei der Bewertung geplanter Verfahren und technischer Lösungen sowie der Erarbeitung von Regulationen.