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MitteilungVeröffentlicht am 16. November 2023

Von der Schweiz nach Schweden: Schiessversuche mit dem Mörser 16

Anlässlich von ausgedehnten aussenballistischen Versuchen in Schweden konnte armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) wichtige Versuchsresultate ermitteln. Die gewonnen Daten werden nun als Grundlage für die Herstellung eines präzisen Ballistik Modells herangezogen und bilden so die Basis für einen sicheren und effizienten Einsatz des Waffensystems 12 cm Mörser 16.

Daniel Bützer, Fachbereich Testcenter, Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie

Im Vordergrund sieht der Betrachter das Waffensystem "12 cm Mörser 16" bei einem gezielten Schuss. Es sind verschiedene Messsysteme erkennbar, die um das Waffensystem herum verteilt sind.

Das Versuchsschiessen wurde in Zusammenarbeit mit der Schwedischen Beschaffungsbehörde (FMV) durchgeführt. Dabei konnte eine äusserst umfangreiche Erprobung ressourcenschonend und in verhältnismässig kurzer Zeit durchgeführt werden. Dies einerseits aufgrund der örtlichen Gegebenheiten auf dem Schiessplatz und andererseits dank der engen Zusammenarbeit zwischen armasuisse Wissenschaft und Technologie und FMV. Das im Vorfeld genauestens geplante Versuchsdispositiv ermöglichte es, nebst der Ermittlung der ballistischen Kenngrössen, weitere wichtige Resultate zu ermitteln. Zum einen in Bezug auf die Funktion der Munition und zum anderen zur Knalldruckbelastung auf die Besatzung.

Seit der altersbedingten Ausserdienststellung der 12cm-Minenwerferpanzer 64/91 im Jahre 2009 verfügen die Kampfverbände der Schweizer Armee über kein System mehr zur Sicherstellung der indirekten Feuerunterstützung auf kurze Distanz. Mit dem 12cm-Mörser 16 soll diese Fähigkeit wiedererlangt werden. Als Teil des Beschaffungsprojektes müssen diverse Munitionstypen getestet werden. Das System 12 cm Mörser 16 verfügt über einen Balllistic On Board Computer (BOC), welcher die notwendigen Schiesselemente wie Azimuth und Elevation berechnet. Damit das System diese Elemente überhaupt berechnen kann, müssen die ballistischen Kenndaten der eingesetzten Munition bekannt und in einem Ballistik Modell abgebildet sein.

Im Rahmen des Beschaffungsprojekts 12 cm Mörser 16 wird bereits bestehende Munition altersbedingt einem Retro-Fit Programm unterzogen. Das heisst konkret, dass die bestehende Munition modernisiert und nachgerüstet wird, damit sie den neuen Systemanforderungen gerecht wird. So werden für den Einsatz und die Ausbildung fünf verschiedene Munitionstypen zur Verfügung stehen.

Vom 14. bis 31. August hat armasuisse W+T in Zusammenarbeit mit der Schwedischen Beschaffungsbehörde (FMV) vier dieser Munitionstypen auf dem Schiessplatz Älvdalen ballistisch erprobt. Um ein akkurates Ballistik Modell erstellen zu können, muss jeder Munitionstyp über alle Ladungen (1-8) und pro Ladung in drei verschiedenen Elevationen verschossen und vermessen werden. Während des Versuches wurden so beachtliche 1227 Schuss abgefeuert.

Ladungen 1-8

Jede Granate ist mit acht Treibladungsringen ausgestattet. Abhängig von der notwendigen Schussdistanz wird die Granate mit einem bis maximal acht Treibladungsringen bestückt.

Aussenballistik

Eine zentrale Rolle zur Ermittlung der ballistischen Kenngrössen spielt dabei das Tracking Radar. Dieses System dient dazu, den Luftwiderstandsbeiwert (eine wichtige ballistische Kenngrösse) entlang der Flugbahn eines Geschosses zu ermitteln. Zudem kann die gesamte Flugbahn in X,Y,Z Koordinaten vermessen und die Einschlagskoordinate bestimmt werden. Für die Weiterverarbeitung sind zusätzliche Informationen zur Mündungsgeschwindigkeit beim Abschuss und den vorherrschenden meteorologischen Verhältnissen in den verschiedenen Luftschichten notwendig. Dafür wurden während des Versuchs durchgehend alle zwei Stunden Radiosondierungen mit Wetterballons durchgeführt.

Funktion der Munition

Nebst den aussenballistischen Merkmalen spielt auch die generelle Funktion der Munition hinsichtlich Wirkung und Sicherheit eine wichtige Rolle. Im Vorfeld wurde das Versuchsdispositiv so gestaltet, dass möglichst viele Erkenntnisse in unterschiedlichen Disziplinen gewonnen werden können. So war es möglich die Funktion der verschiedenen Munitionstypen während des Beschusses zu untersuchen.

Knalldruckmessungen

Beim Schiessen ist die Besatzung im Fahrzeug durch den Abschussknall teilweise hohen Lärmemissionen ausgesetzt. Beim Versuch wurde an allen Positionen der Geschützbesatzung die Knalldruckbelastung auf das Gehör gemessen. Aufgrund der hohen Schusszahl konnten fundierte Messresultate gewonnen werden. Diese werden armasuisse W+T erlauben, eine fundierte Analyse zur Festlegung der maximal zulässigen Schusszahl pro Tag für jedes Besatzungsmitglied zu erstellen.

Alle gewonnen Messresultate werden nun durch armasuisse W+T ausgewertet. Weiter werden die Resultate pro Munitionstyp zu einem Ballistik Modell weiterverarbeitet und in den Ballistic on Board Computer des Mörsersystems implementiert. armasuisse W+T liefert dadurch einen zentralen Beitrag zum effizienten und genauen Einsatz dieses neuen Waffensystems. Dank den Schiessversuchen in Schweden wurde ein wichtiger Meilenstein im Beschaffungsprojekt erreicht. Als nächstes werden die gewonnenen Messdaten nun detailliert ausgewertet und ein Ballistik Modell für die Implementierung im BOC erstellt. Mit der Einführung bei der Truppe wird so ein modernes Waffensystem mit einer akkuraten Ballistik für den Einsatz und den Übungsbetrieb zur Verfügung stehen.