Den Weltraum erforschen
Der Weltraum wird immer stärker von zivilen aber auch militärischen Akteuren genutzt. Mit dabei ist auch armasuisse Wissenschaft und Technologie. Für die Schweizer Armee konnte sie einen Prototyp entwickeln, mit welchem die Situation aller bekannten Satelliten an einem beliebigen Ort auf der Welt dargestellt werden kann.
Nicola Venturi, Forschungsmanagement und Operations Research, und Jens Rehanek, Innovation und Prozesse, armasuisse Wissenschaft und Technologie

Der Prototyp ermöglicht es, die Situation aller bekannten Satelliten an einem beliebigen Ort auf der Welt und in einem beliebigen Zeitfenster darzustellen und zu analysieren.
Industrienationen nutzen den erdnahen Weltraum immer stärker. Neben einer stetig steigenden Anzahl von kommerziellen Anwendern wird dieser Raum auch zunehmend militärisch erschlossen. Weltraumbasierte Systeme werden zu Verteidigungszwecken vor allem für Kommunikation, Frühwarnsysteme, Aufklärung und Lagebild sowie Ortsbestimmung und Navigation in Echtzeit eingesetzt. Aufgrund der zunehmenden militärischen Nutzung des Weltraums ist es auch für die Schweizer Armee zwingend notwendig, die Situation und die Vorgänge im Weltraum zu kennen.
Wissen, was im Weltall passiert
Aus diesen Gründen haben Spezialistinnen und Spezialisten des Bereichs Operations Research and System Analysis (ORSA) von Wissenschaft und Technologie (W+T) mit einem externen Partner einen Prototypen entwickelt. Dieser Prototyp erlaubt es, die Situation aller bekannten Satelliten, gestützt auf der Datenbank der Armee, an einem beliebigen Ort auf der Welt und in einem beliebigen Zeitfenster darzustellen und zu analysieren. Ebenfalls kann ermittelt werden, ob und in welchem Zeitfenster der ausgewählte Ort für einen Satelliten, unter Berücksichtigung seiner Aufklärungstechnologie, einsehbar ist und ob eine Verbindung zu einem Kommunikationssatelliten möglich ist. Dabei schliesst der Prototyp sowohl die vorherrschenden Wetterbedingungen wie auch topografische Gegebenheiten in die Berechnungen mit ein.
Übergabe an die Schweizer Armee
Der Prototyp wurde zu Beginn von Angehörigen der Armee zu Übungszwecken getestet. Diese Testphase konnte im Jahr 2022 erfolgreich abgeschlossen werden. Mit dieser Testphase und den Erkenntnissen daraus endet auch die aktive Beteiligung von armasuisse W+T. Denn basierend auf den gesammelten Erkenntnissen durch die Armee wird der Prototyp im Auftrag des Kommando Operationen an die neugegründete Swiss Innovation Forces im Rahmen eines Innovationsprojektes übergeben. Das Ziel ist eine operativ einsetzbare Lösung zu realisieren, welche schliesslich der Schweizer Armee zur Verfügung gestellt wird.
Mit den nächsten bevorstehenden Schritten soll die Swiss Innovation Forces nun zwei unterschiedliche Versionen des Prototypen entwickeln. Eine erste Version, in Form einer Applikation für Tablets und Smartphones, ist für die Truppe sowie für die Planung und Führung auf Stufe Bataillon gedacht. Diese Version verfügt nur über die grundlegendsten Funktionen, wie etwa Informationen zu Überflugszeiten und Fähigkeiten der Satelliten, um auf taktischer Ebene ein schnelles Lagebewusstsein zu erlangen.
Eine zweite und umfassendere Version in Form einer Webanwendung ist für die Lageverfolgung zugunsten des Bereichs Weltraum der schweizerischen Armee geplant. Diese Version enthält Erweiterungen für die Planung militärischer Aktionen und detaillierte Lageverfolgung. Schwerpunkt ist die Möglichkeit zur Wahl von mehreren unterschiedlichen Satelliten und Standorten gleichzeitig, sowohl graphisch mit Kartendarstellungen als auch analytisch mit Tabellen für weitere Analysen, um ein umfassendes Lagebild zu erhalten.
Ein gemeinschaftliches Projekt
Die Entwicklung des Prototypen stellt ein gelungenes Beispiel für ein Innovationsprojekt und die gute Zusammenarbeit zwischen armasuisse W+T mit dem Bedarfsträger dar. Dabei konnte armasuisse W+T den Bedarfsträger erfolgreich darin unterstützen, eine Lösung im Bereich Weltraumlagebild zu identifizieren und auf dessen Eignung zu testen.
