Rückblick Textilsymposium armasuisse 2026
Beim 24. Textilsymposium drehte sich alles um die Themen Resilienz, Stabilität und Nachhaltigkeit. Am 11. März stellten sieben Referenten ihre neuesten Projekte und Erkenntnisse aus den Bereichen Textilien, Beschaffung und globale Sicherheitspolitik vor. Rund 320 Interessierte aus verschiedenen Ländern kamen in der Champions Lounge des Wankdorf Stadions zusammen, um die Vorträge zu hören und sich im Anschluss in anregenden Diskussionen auszutauschen.
Nina Schmid, Fachbereich Kommunikation, Strategischer Stab
Die Eröffnungsrede halten wie im Vorjahr der Rüstungschef Dr. Urs Loher und Ivo Bravin, Leiter des Bereichs Kommerz, Beschaffungssteuerung und Qualitätsmanagement sowie stellvertretender Leiter des Kompetenzbereichs Beschaffung der armasuisse. Dr. Urs Loher erinnert in seiner Rede an die aktuelle weltweite Sicherheitslage und deren Auswirkungen auf die Textilherstellung und -beschaffung. Er betont, dass die Beschaffung der Armee stärker auf resiliente Systeme, transparente und diversifizierte Lieferketten sowie die Rüstungsstrategie des Bundes 2025 ausgerichtet werden muss. Denn «Beschaffung ist mehr als Einkauf – Beschaffung ist strategische Sicherheitsvorsorge». Ivo Bravin betont die Begeisterung für die Innovationskraft und das Herzblut der Textilfachleute, denen er täglich immer wieder neu begegnet.
Beschaffungsstrategie - Lernen aus Krisen
Marc Steiner, Bundesverwaltungsrichter, sieht Krisen als Chance. Ein gutes Beispiel dafür sei die Entwicklung der Beschaffungsvergabe von den 90er Jahren bis heute. Damals galt: Wer mit intensivem Wettbewerb beschafft, kann billiger einkaufen, und alle anderen Probleme lösen sich von allein. Heute gibt es dank der Vergaberechtsreform ein klares Bekenntnis zu Qualität statt Preis. Dieses «Schweizer Modell» gilt in Deutschland als Vorbild. In seinem Vortrag appelliert Marc Steiner ausserdem an die Wichtigkeit der Bewirtschaftung von Beschaffungsdaten. Sie gelten nicht mehr nur als Notwendigkeit für die Finanzkontrolle, sondern müssen als Vorteil für das eigene Risikomanagement betrachtet und in die Strategie für eine funktionierende Vergabekultur integriert werden.
Sicher, Sauber, Schweizerisch: Mit Circularity und PFAS-Ersatz zum Marktvorteil
«Die Kreislaufwirtschaft ist die Zukunft der Textilindustrie.» Davon ist Matz Bachmann, Managing Director von TESTEX Zürich, überzeugt. In den Laboren der Testex Group werden Textilien auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit überprüft. Wenn ein Produkt diese Tests besteht, erhält es das TESTEX-CIRCULARITY-Zertifikat und wird somit als nachhaltiger Beitrag zur Kreislaufwirtschaft ausgezeichnet. Zudem verschafft Matz Bachmann einen Überblick über die kommenden PFAS-Regulierungen in Europa in den nächsten Jahren. Die immer strengeren Gesetze fordern dazu auf, Messmethoden anzuwenden und Lieferanten nach Compliance zu fragen, um PFAS zu erkennen, bevor sie zum Risiko werden. Daraus ergebe sich aber auch das Potenzial, die Branche langfristig nachhaltig zu transformieren.
Fair trade – The Better Deal
«Wer hat heute Morgen sein Kind zur Arbeit geschickt?» Mit dieser kontroversen Frage beginnt Philipp Scheidiger von Swiss Fair Trade seinen Vortrag. Denn obwohl es seit Januar 2022 die Verordnung über Sorgfaltspflichten und Transparenz bezüglich Mineralien und Metallen aus Konfliktgebieten und Kinderarbeit (VSoTr) gibt, ist das Problem der Kinderarbeit noch immer nicht gelöst. Analysen von UNICEF zeigen, dass vor allem der Textilsektor stark betroffen ist. In den entsprechenden Ländern werden Schulden oft systembedingt über Generationen weitergegeben, sodass auch die Kinder zur Arbeit gezwungen sind. Philipp Scheidiger nennt zwei Lösungsansätze: existenzsichernde Löhne und offizielle Produktzertifizierungen. Denn alle Eltern würden ihr Kind lieber zur Schule als zur Arbeit schicken.
Climatex: Small change – big impact
Bereits vor drei Jahren berichtete Fredy Baumeler von Climatex am Textilsymposium über die Umweltbelastungen, welche die Textilindustrie verursacht – von «Kleiderbergen so hoch wie der Eiffelturm und tonnenweise zurückbleibenden Chemikalien». Heute steht er jedoch mit einer Lösung am Rednerpult: einer Garnspule – weiss und unscheinbar –, die sich auflösen lässt. Textilien aus verschiedenen Bestandteilen, die mit dem STITCHLOCK-Garn genäht werden, können nach dem End-of-Life-Zyklus wieder in ihre einzelnen Komponenten zerlegt werden. Um das zu demonstrieren, hat Fredy Baumeler gleich zwei Jacken mitgebracht: eine zusammengenähte und eine bereits zerlegte. Die zerlegte Jacke wurde bei 120 °C behandelt, wobei sich das STITCHLOCK-Garn auflöst und die verschiedenen Stoffe und Einzelteile wieder getrennt verfügbar sind und gezielt recycelt werden können.
DDP für Textil – der Datenschlüssel für mehr Kreislaufwirtschaft
Jonas Batt und Dominik Halbeisen von GS1 Switzerland präsentieren den Barcode der nächsten Generation. Ihre Vision ist es, Produkte mit einem digitalen Datenpass (DDP) in Form eines QR-Codes statt des bisherigen Strichcodes zu versehen. Nach dem Scannen soll dieser Code zu einer Datenübersicht führen, die eine generelle Produktbeschreibung, technische Produktionsdaten, eine Gebrauchsanweisung zur korrekten Nutzung, Wartungs- und Pflegemassnahmen sowie Umweltdaten umfasst. Pilotprojekte sollen sicherstellen, dass die Daten vollständig, verfügbar und abrufbar sind. Obwohl viele technische Einzelheiten noch undefiniert sind, unterstützt GS1 bereits heute ein umfangreiches Netzwerk von Partnern und Behörden bei der Umsetzung des digitalen Produktpasses.
The imperial reflex: Russia against Europe
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 sieht Dr. Marcus M. Keupp, Militärökonom und Dozent an der Militärakademie (MILAK) der ETH Zürich, eine seiner zentralen Aufgaben darin, Aufklärungsarbeit zu leisten und Folgendes deutlich zu machen: Das moderne Russland ist keine Grossmacht. Der grösste Fehler sei es, das heutige putinistische Russland mit der historischen Sowjetunion zu verwechseln. Unser Bild von Russland werde stark von den Inszenierungen im Kreml geprägt. Um seine Argumente zu untermauern, verweist der Militärökonom etwa auf die begrenzten Fähigkeiten der russischen Flotte und Flugzeugträger, kritisiert aber gleichzeitig das schwächelnde Rückgrat Europas gegenüber den wachsenden imperialen Ambitionen Russlands. Sanktionen und Inflation hätten zudem dazu geführt, dass in Russland selbst das Leben einen Marktwert erhalte und der Tod rationalisiert werde. Letztlich bestehe Russlands Strategie darin, einfach länger durchzuhalten als seine Gegner. Hoffnung bestehe jedoch in der stärkeren Präsenz amerikanischer Stützpunkte in Europa und in einer härteren Gangart gegenüber der russischen Flotte.
Ivo Bravin schliesst die Vortragsrunde mit einer Danksagung ab und kündigt den 17. März 2027 als Termin für das nächste Textilsymposium an.















