Rückblick – Medienfachgespräch Ideenwettbewerb
Am Freitag, 23. Januar 2026 versammelten sich interessierte Medienschaffende im Bundesmedienzentrum in Bern, um detaillierte Informationen zu den Ergebnissen des im August 2024 lancierten Ideenwettbewerbs «Munitionsbergung aus Schweizer Seen» zu erhalten. Neben den drei Gewinnern, die ihre ausgezeichneten Konzepte am Medienfachgespräch präsentierten, erläuterte die Projektleitung von armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) den Hintergrund des Ideenwettbewerbs.
Moana Häfeli, Stab, armasuisse Wissenschaft und Technologie

In Kürze
Der Ideenwettbewerb «umweltfreundliche und sichere Bergung von Munition aus Schweizer Seen» wurde im August 2024 als öffentliche Ausschreibung von armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) initiiert. Ziel war es, neue Lösungen für technische, sicherheits- und umweltbezogene Herausforderungen bei der Munitionsbergung zu liefern. 214 Vorschläge wurden bis 6. Februar 2025 eingereicht, woraus die drei besten Vorschläge im Dezember 2025 prämiert wurden. Diese liefern spannende Ansätze für weitere Untersuchungen und Forschungsprojekte, die nun weiter vertieft werden.
Der Rahmen für das Medienfachgespräch setzte die Projektleitung von armasuisse Wissenschaft und Technologie. Eine historische Einordnung zu Beginn macht deutlich: zwischen den Jahren 1918 und 1964 wurde in einigen Schweizer Seen militärische Munition versenkt. Hauptsächlich davon betroffen sind der Thunersee, Brienzersee und Vierwaldstättersee mit rund 8'200 Tonnen versenkter militärischer Munition in einer Wassertiefe von 150 bis 215 Meter.
Seit 2012 finden regelmässig Seesediment- und Seewassermonitorings, Probenahmen, Messungen und Untersuchungen statt, um zu beurteilen, ob die versenkte Munition zu schädlichen Einwirkungen auf Seewasser führen oder ob eine konkrete Gefahr besteht, dass solche Einwirkungen entstehen. Aktuell zeigt das regelmässige Monitoring des Seewassers und der Sedimente keine negativen Auswirkungen durch die versenkte Munition. Die Frequenz der Seewasseranalysen wurde auf alle 5 Jahre und die der Sedimente auf alle 10 Jahre festgelegt.

Herausfordernde Bergung
Trotzdem gilt: das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) will auf den Ernstfall vorbereitet sein. Besonders vor dem Hintergrund der Komplexität einer umweltschonenden und sicheren Bergung der versenkten Munition. Nicht nur die Seewassertiefe von 150 bis 215 Meter stellt eine grosse Herausforderung dar, sondern auch die schlechte Sicht, die Explosionsrisiken, die Strömung sowie die sehr unterschiedlichen Dimensionen und die Beschaffenheit der versenkten Munition. Mittels Ideenwettbewerb sollten möglichst viele Fachexperten aus Industrie und Hochschulen in die Lösungsfindung miteinbezogen werden. Die daraus hervorgegangenen Gewinner präsentierten am Medienfachgespräch in Bern ihre Ideen vor den Medien.
IHC Defence / REASeuro
Die niederländischen Unternehmen IHC Defence und REASeuro erhielten mit ihrer eingereichten Idee den 1. Platz des Ideenwettbewerbs. Das vorgestellte Konzept beruht auf einer luftgefüllten Taucherglocke, die das Seewasser während der Bergung vollständig von der Munition trennt. Die zuvor entdeckte Munition wird mit einem Magneten aus dem Sediment geborgen. In Containern gelangt die Munition an die Oberfläche. Dort wird die Munition neutralisiert. «Alle Schritte unserer Lösung sind vollständig automatisiert […] unbemannt, […] modular […] und zirkulär.», betont Hubert van Strien von der Gewinnerfirma IHC Defence.
Helbling Technik Wil AG «Blauwal»
Platz 2 ging an das Konzept der Helbling Technik Wil AG. «Unsere Idee basiert auf der Inspiration einer Strandreinigungsmaschine», so Roland Lehmann von der Helbling Technik Wil AG am Medienfachgespräch. Die modifizierte Standreinigungsmaschine bewegt sich am Seegrund und enthält ein Förderband, das sich sehr langsam in den Seegrund gräbt. Zusätzlich ist die Maschine mit einer Abdeckungshaube ausgestattet, die die aufwirbelnden Sedimente zurückhält. Das ganze System arbeitet in Kombination mit einem Begleitboot, das zur Energieversorgung wie auch zur Weiterverarbeitung der Munition eingesetzt wird.
WALO Bertschinger AG «cochlea»
Die drittplatzierten der WALO Bertschinger AG präsentierten am Medienfachgespräch ihren Vorschlag eines Kubus, der von einer schwimmenden modularen Arbeitsplattform zum Seegrund abgesenkt wird. Der Kubus enthält zwei Fördermodule, «Schnecken» genannt, die sich zum Seegrund durchbohren, diesen durchkämmen und Munition fördern. Durch den Kubus sollen Umwelteinflüsse des Schneckenförderers minimiert werden.

Fazit und Ausblick
Solange die regelmässigen Monitorings keine Auswirkungen auf die Umwelt zeigen, ist keine Bergung geplant. «Wir können keine Schadstoffe aus der versenkten Munition im Seewasser nachweisen.», unterstreicht Dr. Anne-Laure Gassner, Projektleiterin von armasuisse W+T. Dennoch hat der Wettbewerb spannende Ansätze geliefert, die nun weiter vertieft werden. Zwei Expertengruppen werden sich 2026 auf noch offene Fragestellungen in den Themenbereichen Ökologie und Sicherheit konzentrieren. Dabei gilt festzuhalten, dass eine mehrjährige Entwicklungsphase notwendig ist, bevor eine reife umweltschonende und sichere Bergungsmethode zur Verfügung steht. «Die Bergungsmethoden, die wir erhalten haben, sind noch nicht erprobt. Wir könnten morgen nicht umweltschonend bergen», verdeutlicht die Projektleiterin.




