Nachhaltige Sanierung von Gebäuden mit komplexer Geometrie: Das Forschungsprojekt «RECOBI»
Das Innovationsprojekt «Renovation of Complex Geometry Buildings with Additive Manufacturing (RECOBI)» entwickelt ein nachhaltiges Sanierungsverfahren für Gebäude mit komplexer Geometrie. Es kombiniert 3D-Digitalisierung, parametrische Modellierung und additive Fertigung und kann die CO₂-Emissionen um bis zu 50 Prozent reduzieren. Die Projektpartner präsentierten am 18. Juni 2026 ihren physischen Demonstrator sowie erste Forschungsergebnisse.
Dr. Kilian Wasmer, Forschung und Innovation, armasuisse Wissenschaft und Technologie

In Kürze
RECOBI steht für «Renovation of Complex Geometry Buildings with Additive Manufacturing».
Ziel des Projekts ist die Entwicklung eines nachhaltigen Sanierungsverfahrens für Gebäude mit komplexer Geometrie. Dazu werden 3D-Digitalisierung, parametrische Modellierung und additive Fertigung kombiniert.
Simulationen des Bauphysikers Fanzun zeigen, dass der RECOBI-Demonstrator das Potenzial besitzt, die CO₂-Emissionen bei Gebäuden mit komplexer Geometrie – insbesondere bei sogenannten Dünnschalenbauten – um bis zu 50 Prozent zu reduzieren.
Das Projekt wurde im Rahmen eines NTN Innovation Boosters von Innosuisse im Bereich Additive Manufacturing initiiert.
Am 18. Juni 2026 trafen sich die Partner des Innovationsprojekts «Renovation of Complex Geometry Buildings with Additive Manufacturing» (RECOBI), um ihren physischen Demonstrator mit den Abmessungen 1,6 × 0,6 × 1,0 Meter zu präsentieren. Die Veranstaltung bot Gelegenheit, die bisherigen Arbeiten des Projekts konkret vorzustellen und die Herausforderungen einer nachhaltigen Sanierung von Gebäuden mit komplexer Geometrie zu diskutieren.
Ein neues Sanierungsverfahren entwickeln
RECOBI ist ein angewandtes Forschungsprojekt. Ziel ist nicht die Entwicklung einer Lösung für ein einzelnes Bauwerk, sondern eines übertragbaren Sanierungsverfahrens. Dieses kombiniert LiDAR-Dokumentation (Light Detection and Ranging; 3D-Laserscanning), parametrische Modellierung sowie digitale Fertigung. Das Verfahren eignet sich grundsätzlich für sämtliche Gebäude mit komplexer Geometrie, die saniert oder umgebaut werden müssen.
Ziel des Projekts ist es, einen innovativen Ansatz für die Sanierung von Bauwerken zu entwickeln, deren Form, Materialien oder bauliche Rahmenbedingungen konventionelle Sanierungsmethoden besonders anspruchsvoll machen.
LiDAR
LiDAR steht für Light Detection and Ranging. Dies ist beispielsweise eine Laserscantechnologie, mit der ein präzises dreidimensionales Abbild eines bestehenden Bauwerks erstellt wird. Dieses dient als Grundlage für die Planung der Sanierungsmassnahmen.
Gebäude mit komplexer Geometrie nachhaltig sanieren
Ausgangspunkt des Projekts sind besonders anspruchsvolle Bauwerke aus Stahlbeton in Dünnschalenbauweise, wie sie unter anderem von den Bauingenieuren Pier Luigi Nervi (Italien), Ulrich Müther (Deutschland) oder Georges Roubakine (Schweiz) realisiert wurden.
Allein in der Schweiz wurden mehr als 1'200 Bauwerke dieses Typs errichtet, vor allem durch Heinz Isler in den 1960er- und 1970er-Jahren. Heute stehen diese Gebäude vor unterschiedlichen Herausforderungen – insbesondere hinsichtlich energetischer Sanierung, konstruktiver Integration neuer Lösungen und teilweise auch des denkmalpflegerischen Erhalts.
Ein Demonstrator zur Validierung der Lösungen
RECOBI untersucht verschiedene sich ergänzende Lösungsansätze. Dazu gehören der Einsatz biobasierter Materialien, additive Fertigung sowie die Begrünung von Dächern. Bewertet werden ihre technische Machbarkeit, ihre Integration in bestehende Bauwerke sowie ihr Beitrag zur Widerstandsfähigkeit der Gebäude. Darüber hinaus werden Auswirkungen auf Nutzungsdauer, Kosten, Betriebssicherheit und Umweltleistung über den gesamten Lebenszyklus analysiert.
Der am 18. Juni vorgestellte Demonstrator ermöglichte den Schritt von der theoretischen Konzeption zur praktischen Umsetzung. Er diente als Grundlage für den fachlichen Austausch über Fertigung, Montage, Handhabung, Materialwahl und konstruktive Integration. Dadurch konnten die Forschungshypothesen unter realen Bedingungen überprüft und die Voraussetzungen identifiziert werden, unter denen diese Lösungen einen echten Mehrwert schaffen.
Zusammenarbeit zwischen Forschung, Industrie und öffentlicher Hand
RECOBI basiert auf einer öffentlich-privaten Partnerschaft zwischen Innosuisse, armasuisse Wissenschaft und Technologie, armasuisse Immobilien sowie akademischen Institutionen und Schweizer Unternehmen der Bauindustrie, die teilweise auch international tätig sind.
Diese Zusammenarbeit verbindet wissenschaftliche Forschung, praktische Erfahrung der Industrie und die Anforderungen des Gebäudebestands.
Das Treffen machte zudem die Synergien zwischen den Kompetenzbereichen von armasuisse sichtbar. Während armasuisse Wissenschaft und Technologie den geeigneten Rahmen für die Erprobung und Bewertung innovativer Lösungen schafft, bringt armasuisse Immobilien die Anforderungen der Gebäudesanierung, des Betriebs und des langfristigen Werterhalts der Infrastruktur ein.
Der Beitrag von armasuisse
Mit RECOBI leistet armasuisse einen Beitrag zur Bewertung innovativer Bauverfahren mit Fokus auf Nachhaltigkeit, Emissionsreduktion und Werterhalt bestehender Infrastrukturen.
Das Innovationsprojekt zeigt auf, welchen Mehrwert interdisziplinäre Zusammenarbeit bietet, um Lösungen für die dringenden Herausforderungen des Gebäudebestands des 20. Jahrhunderts zu entwickeln – einem der grössten Verursacher von CO₂-Emissionen.
Partner RECOBI
Die Projektpartner von RECOBI sind:
- armasuisse Wissenschaft und Technologie
- armasuisse Immobilien
- Bernard Cherix Architecte
- MPIC
- Jaquier Pointet Géomètres
- SIKA
- Cœur de Terre
- ZinCo
- Groupe PHIDA


