«Einer von uns» : Steve Allemann
Ob bei der Restaurierung von Jukeboxen aus den 50er-Jahren oder im komplexen Projekt rund um das Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM: Als Elektroingenieur verbindet Steve Allemann technisches Feingefühl mit strukturiertem Denken. Mut, Offenheit und die Faszination für Innovation treiben ihn an – im Beruf wie in der Freizeit. Im Interview erzählt er uns über seinen Berufsalltag und welche Gemeinsamen er mit seinem Hobby sieht.
Julian Martin, Fachbereich Cyberdefence, armasuisse Wissenschaft und Technologie

Steckbrief
- Name: Steve Allemann
- Alter: 35
- Funktion: Projektleiter III, Fachbereich Systemtechnik W+T
- Projekt: IRIS-T SLM
- Bei armasuisse seit: 2021
Was machst du gerne in deiner Freizeit?
In meiner Freizeit restauriere ich amerikanische Jukeboxen aus den 1950er und 60er Jahren. Ich mag den Spirit aus dieser Zeit, die Musikgeschichte und insbesondere die für die damalige Zeit sehr ausgeklügelte und aufwändige Technik. Es ist ein schöner Ausgleich zum Berufsalltag. Beim Restaurieren kann ich sehr gut abschalten: man setzt sich vor die Jukebox und taucht in eine andere Welt ein. Pro Jahr restauriere ich etwa zwei Jukeboxen und repariere duzende Röhrenverstärker und Steuerteile.
Inwiefern wendest du die Werte von armasuisse in deiner täglichen Arbeit an?
Zwei Werte sind mir besonders wichtig in meiner Arbeit: Einerseits Mut im Sinne von nachvollziehbare und begründete Entscheide zu treffen. Andererseits ist mir Offenheit ein zentrales Anliegen. Das heisst, transparent zu kommunizieren, auch wenn es nicht immer angenehm ist. Das gilt nicht nur innerhalb der armasuisse, sondern ebenso für die Zusammenarbeit mit unseren Partnern wie der Luftwaffe, der LBA oder dem Kommando Cyber. Es ist wichtig, mit Konflikten umgehen zu können und Kritik anzunehmen. Das erwarte ich auch vom Gegenüber. Diese Überzeugung habe ich nicht nur im Berufsalltag, sondern lebe ich auch in meinem Privatleben.
Du bist zuständig für das System IRIS-T SLM. Erzähl uns mehr darüber.
Wir sprechen von integrierter Luftverteidigung, wo fliegende- und bodengestützte Systeme, Sensoren und Software zur Luftraumüberwachung stark miteinander interagieren und vernetzt sind. Da es gegen Bedrohungen aus der Luft nicht ein System gibt, das gegen alle Angriffe wirken kann, basiert die bodengestützte Luftverteidigung, BODLUV genannt, auf einem Schalenprinzip. Dieses umfasst drei unterschiedliche Systeme. Das System IRIS-T SLM deckt die mittlere Reichweite ab.
Was motiviert dich, jeden Tag an einem komplexen und verteidigungsbezogenen Projekt wie diesem zu arbeiten?
Ich bin stolz, einen Beitrag für unsere Sicherheit leisten zu können, gerade auch in Zeiten vieler geopolitischer Spannungen. Die laufenden Kriege zeigen klar die zentrale Bedeutung der bodengestützen Luftverteidigung. Die Nachfrage nach BODLUV-Systemen ist weltweit gestiegen. Das IRIS-T SLM-System ist in der Ukraine im Einsatz, was für die Hersteller ebenfalls eine besondere Zeit darstellt. Die technischen Entwicklungen bei den Systemherstellern schreiten aufgrund der Erkenntnisse aus den Konflikten schnell voran. Als Elektroingenieur fasziniert mich der Aspekt der technologischen Entwicklung ganz besonders. Auch wir sind mit neuen Herausforderungen konfrontiert – etwa der Beschaffung solcher Systeme in sehr kurzer Zeit. Ich mag solche Herausforderungen mit neuen Ausgangslagen und Bedingungen.
Welche Phase des BODLUV MR Projekts hat dich besonders geprägt? Gab es Phasen oder Herausforderungen im Projekt, aus denen du besonders viel gelernt hast?
Das war definitiv die Evaluationsphase. Vom Projektauftrag bis zur finalen Auswertung des Angebotes hatten wir ein halbes Jahr Zeit. Dabei habe ich sehr viel gelernt und wäre heute in einer gleichen Situation deutlich entspannter! Man muss Prioritäten setzten und auf gewisse Aspekte verzichten. Ein konsequentes Risikomanagement war besonders wichtig, da Zeitmangel in der Regel dazu führt, dass man grössere Risiken eingeht. Gleichzeitig braucht es Mut, Entscheidungen zu treffen – denn ohne Entscheidungen kommt man nicht voran.
Siehst du Parallelen zwischen deinen Hobbys und deiner Arbeit im Projektmanagement?
Absolut. Ein strukturiertes und iteratives Vorgehen ist nötig, um den Geräten wieder Leben einzuhauchen. Zuerst die Analyse -Was ist das Problem? – Dann die grobe Einteilung in Teilprobleme – ist es mechanisch, elektrisch, etc.. Danach das Studieren und teils Entwerfen der elektrischen und elektromechanischen Schaltungen. Dies sind alles Aspekte aus dem Systems Engineering, nach denen wir auch im Fachbereich Systemtechnik arbeiten. Natürlich sind die Dimensionen und Tragweiten nicht vergleichbar wie bei einer IRIS-T SLM Beschaffung, aber die Systematik «wie löse ich ein Problem» ist durchaus vergleichbar.
Vielleicht etwas über die Zukunft ?
Ich wünsche mir, dass wir uns den veränderten Rahmenbedingungen infolge der aktuellen Konflikte anpassen und unsere Prozesse vereinfachen. So können wir Systeme für die Sicherheit der Schweiz erfolgreich und zeitgerecht beschaffen. Dafür braucht es Mut zur Veränderung und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Infobox Projekt BODLUV MR
- Name des Systems: IRIS-T SLM
- Hersteller: Diehl Defence (Deutschland)
- Reichweite: ca. 20 km vertikal und ca. 40 km horizontal
- Beschaffungsumfang: 5 Feuereinheiten (geplant plus 2 mit dem Rüstungsprogram 2026)
- Lieferung: Erstes System voraussichtlich Ende 2028
Das bodengestützte Luftverteidigungssystem IRIS-T SLM von Diehl Defence dient zur Abwehr von Bedrohungen aus der Luft. Es schützt Städte, kritische Infrastruktur, Militärbasen oder Truppen gegen Flugzeuge, Hubschrauber, Drohnen und Marschflugkörper. Das System kann mehrere Ziele gleichzeitig verfolgen und bekämpfen und das in alle Richtungen. Dadurch, dass alle Komponenten auf Fahrzeugen montiert sind, kann das System schnell verlegt werden. IRIS-T SLM wird vernetzt mit anderen Luftverteidigungssystemen betrieben.
Die Lenkwaffe nutzt moderne Sensoren und Datenverbindungen. Sie kann Ziele auch dann bekämpfen, wenn diese schnell manövrieren oder versuchen, sich durch elektronische Gegenmassnahmen zu schützen. Das System hat sich im realen Einsatz bewährt.
Kurz gesagt: IRIS-T SLM ist ein modernes deutsches Luftverteidigungssystem für den Schutz gegen nahezu alle wichtigen Bedrohungen aus der Luft im Bereich bis etwa 40 km Entfernung und 20 km Höhe.



