Moderne Tarnung im Praxistest: Multispektrale Tarnsysteme schützen Truppe und Material
Das Bundesamt für Rüstung armasuisse testete Multispektrale Tarnsysteme (MSTS). Sie sollen Truppe, Fahrzeuge und Infrastruktur vor modernen Aufklärungssensoren schützen. Zwei Wochen lang erprobten Spezialistinnen und Spezialisten die Systeme auf den Waffenplätzen Thun und Bure unter realistischen Einsatzbedingungen.
Lucia Egger, Fachbereich Kommunikation, Kompetenzbereich Strategischer Stab
Tarnung im Wandel
Klassische Tarnmuster genügen heute nicht mehr. Moderne Aufklärungssysteme erfassen Objekte im sichtbaren Bereich sowie im Infrarot- und Radarbereich – vom Boden und aus der Luft. Multispektrale Tarnsysteme setzen genau hier an: Sie reduzieren die Signaturen von Objekten über mehrere Spektralbereiche hinweg und passen sie an die Umgebung an. Für die Schweizer Armee ist das entscheidend. Tarnung erschwert gegnerische Aufklärung und schützt so Soldatinnen, Soldaten, Material und Infrastruktur.
Vom Labor ins Gelände – armasuisse testete die Systeme im Einsatz
Im Sommer 2025 testete armasuisse die MSTS während zwei Wochen auf den Waffenplätzen Thun und Bure. Ziel war es, ihre Wirkung unter realistischen Bedingungen zu prüfen und ihren Nutzen im Einsatz zu beurteilen. Zuvor hatte armasuisse Wissenschaft und Technologie die Systeme im Labor geprüft. Darauf aufbauend wählte das Projektteam geeignete Anbieter für die Erprobung aus. Gemeinsam mit Kommando Operationen, Luftwaffe, Heer, Armeestab und Logistikbasis testeten die Fachpersonen die Systeme technisch, im Einsatz und in der Logistik.
Tests und Ausbildung griffen ineinander
Jeder Erprobungstag begann mit einer Lagebesprechung. Projektleitung und Fachpersonen informierten die Teams über Ziele und Ablauf. Die Erprobungswochen kombinierten gezielt Tests und Ausbildung. So lernte die Truppe die MSTS im Einsatz kennen und trainierte gleichzeitig mit anderen Systemen. Dazu gehörte das Taktische Aufklärungssystem (TASYS), das Gelände- und Zielinformationen erfasst und der Truppe schnell zur Verfügung stellt. Zusammen mit seinem Trägerfahrzeug EAGLE – einem leichten, gepanzerten Radfahrzeug – erprobten die Teams die Tarnung direkt im Einsatz. Auch Helikoptereinsätze wurden gezielt eingebunden, um praxisnah zu trainieren und Ressourcen effizient zu nutzen.
Wirkung aus Boden- und Luftperspektive
Die Fachpersonen prüften die Tarnsysteme aus unterschiedlichen Distanzen und Perspektiven. Am Boden beobachteten zukünftige Nutzerinnen und Nutzer sowie Fachleute die Systeme direkt vor Ort. Sie nutzten unter anderem das Wärmebildgerät WBG LR 19, das Objekte über grosse Entfernungen erkennt und deren Wärmeabstrahlung misst. Sie hielten ihre Einschätzungen systematisch fest und liessen diese in die Bewertung einfliessen. Ergänzend kamen weitere Wärme- und Nachtsichtgeräte sowie Radarsensoren zum Einsatz. Die Teams prüften statische und bewegte Objekte und beurteilten auch die visuelle Tarnung mit blossem Auge. Aus der Luft zeigten Drohnen, Helikopter und Satelliten, wie gut die Tarnung in unterschiedlichen Höhen wirkt. So wurde sichtbar, welche Systeme die gegnerische Aufklärung am effektivsten erschweren.
Die Erprobungswochen zeigen, wie die Systeme unter realen Einsatzbedingungen funktionieren – eine wichtige Grundlage für unsere Beschaffungsentscheidungen.
Sonne, Regen, Nebel und Temperaturschwankungen: Teams und Tarnung hielten stand
Das Wetter stellte die Teams zusätzlich vor Herausforderungen. Auf heisse, sonnige Tage folgten Regen, Nebel und deutliche Temperaturschwankungen. Für die Soldatinnen und Soldaten bedeutete dies zusätzlichen Aufwand beim Aufbau, Einsatz und Rückbau. Gleichzeitig zeigten die wechselnden Bedingungen, wie zuverlässig die Tarnsysteme unter verschiedenen Witterungsverhältnissen funktionieren. Trotz Anpassungen – etwa bei Helikopterflügen – führten die Teams alle Tests durch.
Zusammenarbeit als Erfolgsfaktor
Die Angehörigen der Armee testeten die Systeme direkt im Einsatz und gaben wertvolle Rückmeldungen. Gerade im Milizsystem muss Material nicht nur technisch überzeugen, sondern auch robust und praxistauglich sein. Die enge Zusammenarbeit zwischen Truppe, Fachpersonen und Projektteam erwies sich als entscheidend. Trotz engem Zeitplan konnten alle Tests durchgeführt werden.
Klare Grundlage für die Beschaffung
Die Erprobungen zeigen, dass die getesteten Tarnsysteme unter realistischen Bedingungen zuverlässig funktionieren. Die Fachpersonen kombinierten Messdaten mit Beobachtungen aus Boden- und Luftperspektive sowie mit Rückmeldungen der Nutzerinnen und Nutzer. So entstand ein klares Bild der Leistungsfähigkeit in den verschiedenen Spektralbereichen. Gleichzeitig sammelte die Truppe praktische Erfahrungen im Umgang mit den Systemen. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für die Beschaffungsentscheide. Sie stellen sicher, dass die Schweizer Armee praxistaugliche und wirksame Tarnlösungen erhält.
