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MitteilungVeröffentlicht am 17. Oktober 2025

Funktion vor Fashion: Wie Ursula Spycher das Bekleidungssystem der Armee mitgestaltet

Ursula Spycher kennt das modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem MBAS bis ins Detail. Als Technikerin mit Projektleiterfunktion hat sie dessen Entwicklung von der ersten Idee bis hin zu praxistauglichen Lösungen begleitet. Im Gespräch berichtet sie, wie ergonomische Schnitte den Tragekomfort verbessern, warum vereinheitlichte Zubehörteile grosse Vorteile bringen und weshalb bei MBAS selbst kleine Produkte wie eine Schirmmütze für Überraschungen sorgen können.

Fabio Winkelmann, Fachbereich Kommunikation, Strategischer Stab

Porträt Ursula Spycher

Ursula, wenn du heute jemanden in voller MBAS-Ausrüstung siehst, was geht dir als Erstes durch den Kopf?

Es macht mich ein wenig stolz. In den letzten Jahren habe ich einen Grossteil meiner Arbeitszeit mit MBAS verbracht und seine Entstehung hautnah miterlebt. Wahrscheinlich wird es eines der prägendsten Projekte in meinem Berufsleben sein.

Du hast von Anfang an am MBAS mitgearbeitet. Was war für dich der grösste Entwicklungsschritt – also etwas, das heute ganz anders oder besser ist als am Anfang geplant?

Im Bereich der Kampfbekleidung konnte ein Bekleidungssystem entwickelt werden, bei dem eine ergonomische Schnittführung angewendet werden konnte. Gleichzeitig konnte die Grössenvielfalt bei einzelnen Artikeln reduziert werden.

In den letzten Jahren habe ich einen Grossteil meiner Arbeitszeit mit MBAS verbracht und die Entstehung hautnah miterlebt.

Gibt es ein Detail an der Ausrüstung, das kaum jemand bemerkt – du aber sofort erkennst: «Das hat uns richtig Arbeit gekostet»?

Wir haben versucht, insbesondere beim Einsatz von Zubehörteilen (Reissverschlüssen, Kordelstoppern, Druckknöpfen) die Vielfalt stark zu reduzieren. Das bedeutet zum Beispiel, dass bei allen Artikeln die gleichen Kordelstopper verwendet werden. Einerseits vereinfacht dies die Produktion, andererseits muss die Logistikbasis der Armee (LBA) nur noch einen einzigen Ersatzteiltyp von Zubehörteilen am Lager führen.

MBAS besteht aus vielen Teilen, allein 140'000 Tarnazug-Hosen Sommer werden beschafft. Wie schafft ihr es, so ein riesiges System mit so vielen Partnern zum Laufen zu bringen?

Einerseits haben wir bei diesen Mengen eine Mehrlieferanten-Strategie gewählt, was bei der Tarnanzug-Hose Sommer 18 bedeutet, dass wir die Hosen von insgesamt drei Lieferanten konfektionieren lassen. Gerade beim Start der Produktion haben wir uns regelmässig mit den Lieferanten ausgetauscht, um den Fortschritt zu überwachen und bei allfälligen Unklarheiten aktiv zu werden.

Wie testet ihr, ob ein Material oder Schnitt im Einsatz wirklich funktioniert. Gibt es dafür feste Abläufe oder auch kreative Lösungen?

Das Material wird in Tragetests geprüft. Dazu werden Übungszenarien kreiert, welche den Einsatzanforderungen entsprechen. Kreative Lösungen waren gefragt, als wir die Regenbekleidung testen wollten und es leider über mehrere Wochen nicht geregnet hat. So haben wir den Versuch kurzerhand in die Klimakammer der EMPA verlegt und es dort regnen lassen.

Warum ist beispielsweise das Tarnmuster heute nicht mehr schwarz, wie früher beim TAZ? Was steckt hinter solchen Design- und Funktionsentscheidungen?

Das Tarnmuster 90 wurde nach dem klassischen Tarnmuster «Woodland» (für Wälder) entwickelt. Mit dem neuen Multiumfeldtarnmuster 18 entstand ein vielseitiges Tarnmuster, das in unterschiedlichen Terrains einsetzbar ist.

Für die Tarnanzug-Hose Sommer setzten wir auf drei Lieferanten und überwachten den Produktionsstart im engen Austausch, um rasch reagieren zu können.

Gab es einen Moment im Projekt, der dich völlig überrascht hat? Sei es eine Rückmeldung, ein Testergebnis oder etwas, das einfach anders kam als gedacht?

Ich war der Meinung, dass eine Schirmmütze ein einfaches Produkt sei. Doch im Tragetest wurde ich eines Besseren belehrt. Hier kamen deutlich die Vorlieben der einzelnen Probanden sowie die Modetrends der verschiedenen Generationen zum Tragen. So entstand die eine oder andere Diskussion über dieses scheinbar simple Produkt.

Was würdest du dir für die Zukunft des MBAS-Systems wünschen oder noch verbessern wollen?

Ich würde mir wünschen, dass die LBA ein Änderungsmanagement betreibt, sodass – wo sinnvoll oder aufgrund neuer Technologien – Änderungen umgesetzt werden können, ohne dass das optische Erscheinungsbild und der Einsatzzweck beeinträchtigt werden.

Wenn dir eine junge Frau begegnet und fragt: «Was ist eigentlich das Spannende an deinem Job?» – was antwortest du?

Ich bin eine Vollblut-Textilingenieurin, jedoch hat mich das Kreative oder Modische nie so richtig interessiert. Im Bereich der Funktionsbekleidung, wo in erster Linie nach technischen Lösungen gesucht wird und der Fokus nicht allein auf dem Aussehen liegt, fühle ich mich wohl. Es ist immer wieder spannend, den Anforderungen der verschiedenen Nutzerinnen und Nutzer gerecht zu werden und dabei auch die Wirtschaftlichkeit nicht ausser Acht zu lassen.