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ARCHE 2022 - Schweizer Robotik für die Katastrophenhilfe der Zukunft

ARCHE ist die grösste Schweizer Veranstaltung zur Untersuchung von Robotern für die Katastrophenhilfe. Der Anlass hat zum fünften Mal im Übungsdorf in Wangen an der Aare vom 4. Juli bis 8. Juli 2022 stattgefunden. Rund 150 Personen aus Armee, Wissenschaft, Industrie und armasuisse waren vor Ort, um neuste Technologie in realitätsnaher Umgebung und zu Gunsten der Katastrophenhilfe zu testen.

13.07.2022 | Lucas Ballerstedt, Fachbereich Kommunikation, Kompetenzbereich Ressourcen und Support

Ein Anymal wird von Armeeangehörigen begutachtet
ANYmal Roboter

Gemeinsam für die Sache

ARCHE findet seit 2018 jährlich im Übungsdorf in Wangen an der Aare statt. Dieses bietet eine einzigartige Infrastruktur, wie beispielsweise Trümmerhäuser und Anlagen, in denen sich Überschwemmungen oder Brände in Gebäuden und Industrieanlagen simulieren lassen. In diesen werden Roboter für den Einsatz in der Katastrophenhilfe getestet. Professorinnen und Professoren, Studierende sowie Ingenieurinnen und Ingenieure von Schweizer Forschungsinstituten und Robotik Start-ups prüfen ihre vielfältigen Roboter in realitätsnaher Umgebung, sammeln wichtige Daten und entwickeln die Systeme vor Ort weiter. Es ist klar, dass die Forschungsdemonstratoren der Studierenden einen zum Teil niedrigen Technologiereifegrad aufweisen und daher für einen echten Einsatz nur bedingt in Frage kommen. Die Ideen und Prinzipnachweise sind jedoch vielversprechend. Der Anlass dient ebenso, um vielversprechende Ansätze zu identifizieren. Danach wird gemeinsam mit den Partnern an der Weiterentwicklung der Roboter hin zu höheren Technologiereifegraden und der Einsatztauglichkeit gearbeitet.

Eine Auswahl der Systeme

Nebst den Systemen, welche regelmässig an ARCHE teilnehmen, wie der Laufroboter ANYmal oder der automatische Schreitbagger Armano, waren in diesem Jahr diverse neue Projekte zu beobachten. Das Projekt der Bohrdrohne von AITHON wurde im September 2021 gestartet und hat sich rasant entwickelt. Die Drohne kann sich anhand Saugnäpfen an Fassaden andocken und mit einer integrierten Bohrmaschine Löcher in die Wand bohren. Die Propeller liefern dafür den notwendigen Druck gegen die Wand. Der fliegende Roboter könnte die menschliche Arbeit in gefährlichen Höhen reduzieren und dadurch die Anzahl der Unfälle senken.

Weitere Drohnen vom Autonomous Systems Lab der ETHZ können Menschen aus Gefahrenzonen begleiten oder in der Minenräumung benutzt werden. Die Drohne kann zum Beispiel einen Menschen, welcher erblindet ist, aus einer Gefahrenzone herauslotsen. Die andere Drohne Voliro ist mit einem Metalldetektor ausgerüstet. Sie kann ein Gebiet aus kurzer Distanz zum Boden überfliegen und so metallische Gegenstände im Boden wie zum Beispiel Minen oder Blindgänger erkennen.

Zudem hat der ANYmal einen grossen Bruder erhalten. Das System wurde zu einem stärkeren Modell namens «Barry» weiterentwickelt. Der Roboter kann Lasten von bis zu 100 Kilogramm fortbewegen. An der ARCHE wurde Barry zum ersten Mal vorgeführt. Barry könnte für verschiedenste Arbeiten verwendet werden, wie zum Beispiel Logistik-, Bergungs- oder Aufklärungsarbeiten.

Dank Erfahrungen bei der modularen Gestaltung der notwendigen Sensorik für die Fernbedienung von Armano, konnte eine zweite Maschine (CAT) in kürzester Zeit mit dieser Technologie aufgerüstet werden. Der neue Bagger mit einem Einsatzgewicht von 25’500 Kilogramm kann wesentlich mehr Material als der bisherige Armano verarbeiten. Getauft wurde er auf den Namen «Armeno».
 

Der Bergungsroboter von der Fachhochschule Graubünden «BoarAI» hat sich zum Vorjahr weiterentwickelt. Neu verfügt das System über einen ausfahrbaren Arm, womit ein Karabiner präzise an eine Person befestigt werden kann. Der Roboter kann anschliessend die Person aus dem Gefahrengebiet bergen. Die Drohne aus demselben Haus sucht Gebiete nach Strahlung ab. Sie erfasst ein Gebiet systematisch ab und erkennt verstrahlte Gegenstände. Gleichzeitig erstellt die Drohne eine Karte in Echtzeit, auf welcher Zonen mit hoher Strahlenbelastung abgebildet werden.

« Alle Beteiligten profitieren vom Austausch »

Brigadier Stefan Christen, Kommandant Lehrverband Genie/Rettung/ABC, sieht in der Zusammenarbeit und der ARCHE viel Potenzial.

 Die ARCHE ermöglicht uns jedes Jahr Einblicke in die künftige Arbeitsweise in der militärischen Katastrophenhilfe. Die einzelnen Systeme entwickeln sich rasant weiter und diese Entwicklung zu beobachten, ist sehr spannend. Zudem stossen jedes Jahr neue Projekte dazu! Alle Beteiligten profitieren vom Austausch vor Ort und können voneinander lernen. 


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