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Einblicke in aktuelle Technologien zur Drohnenabwehr

Welche Gefahren gehen heutzutage von Klein-Drohnen aus? Welche werden uns in Zukunft erwarten? Wie können Drohnenangriffe erfolgreich abgewehrt werden? Und wo steht die heutige Technologie im Kampf gegen Drohnenangriffe? Diese und weitere Fragen wurden am 9. September 2021 in Bure (JU) thematisiert und diskutiert. Organisiert wurde der Anlass «Abwehr von Mikro- und Minidrohnen» von armasuisse Wissenschaft und Technologie gemeinsam mit dem Gefechtsausbildungszentrum West der Schweizer Armee.

17.09.2021 | armasuisse Wissenschaft und Technologie

Eine schwarze Abfangdrohe fängt eine weitere, kleinere Drohne mit einem Netz
Eine Abfangdrohe mit integriertem Netzwerfer in Aktion

Sie fliegen, sind einfach zu bedienen, relativ günstig zu erwerben und durchdringen immer mehr Aspekte unseres Alltags – die Rede ist von Klein-Drohnen. Auch im militärischen Umfeld nimmt ihre Bedeutung zu, sowohl bezüglich der Nutzung als auch deren Abwehr. Leider können diese Kleindrohnen für kriminelle oder terroristische Zwecke missbraucht oder sogar zur Kriegsführung eingesetzt werden. So wurden weltweit bereits Flugbetriebe bei Flughäfen gestört oder auch illegale Substanzen in Gefängnisse oder über Grenzen geschmuggelt. Um den aktuellen Stand der Technologien in der Drohnenabwehr aufzuzeigen, fand am 9. September 2021 auf dem Waffenplatz in Bure (JU) ein Anlass zum Thema «Abwehr von Mikro- und Minidrohnen» statt. 

Eine Einführung im Bereich der Drohnenabwehr

Die rund 300 Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie, Akademie und Verwaltung sowie verschiedenster Blaulichtorganisationen erhielten die Gelegenheit, Aktuelles über die Drohnenabwehr zu erfahren.

Die Eröffnung des Tages machte Dr. Thomas Rothacher, Leiter armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) und stellvertretender Rüstungschef. Er thematisierte die verschiedenen koexistierenden Ökosysteme Gesellschaft-Industrie-Bund sowie ihr Zusammenspiel. So hat die Gesellschaft einen Bedarf nach Sicherheit und Stabilität. Diesen wahrt die Schweizer Armee zusammen mit weiteren Institutionen. armasuisse W+T agiert hier als Bindeglied. Sie erforscht, erprobt und testet für die Armee Technologien und Produkte. Die gewonnene Expertise lässt sie in die Beschaffung von Systemen einfliessen, welche die Armee wiederum für die Wahrung der Sicherheit der Schweiz nutzt. Und hierbei zählen auch Drohnen zu den neueren Technologien, denen man sich nicht verwehren darf und die intensiver betrachtet werden müssen.

Korpskommandant Hans-Peter Walser, Chef Kommando Ausbildung und seit 2021 stellvertretender Chef der Armee, vertiefte das Thema Drohnen. Er betonte dabei deren steigende Bedeutung, etwa als Sensoren- oder Übermittlungsplattformen und verdeutlichte ihre zunehmenden Anwendungsgebiete. Dabei muss die Armee unter anderem den steten Fähigkeitsaufbau im Bereich der Drohnenabwehr fördern und das Potenzial der Schweiz nutzen.

Hier ergänzte der letzte Referent, Brigadier Daniel Krauer, Chef des Militärischen Nachrichtendienstes und des Dienstes für präventiven Schutz der Armee. So zeigt jüngst etwa der Bergkarabach-Konflikt, dass Drohnen eine reale Bedrohung für Nationen darstellen und nicht ignoriert werden können. Umso wichtiger wird die aktive Auseinandersetzung im Bereich der Drohnenabwehr für die Sicherheit der Schweiz.

Austausch zwischen Fachpersonen und Interessierten

Nach diesen Einführungen folgte im Rahmen einer Ausstellung der Austausch und Wissenstransfer der anwesenden Gäste mit Fachpersonen. Dabei konnten diverse Schweizer Firmen ihre Drohnenabwehrprodukte und –systeme präsentieren. Die ausgestellten Technologien deckten die gesamte Wirkkette der Drohnenabwehr ab und reichten von Sensoren zur Detektion und Identifikation von Drohnen bis hin zu Effektoren zur Abwehr der Flugkörper. So waren beispielsweise verschiedene Radare, akustische oder optische Detektionssysteme, aber auch eine 35 mm Kanone, Abfangdrohnen mit integrierten Netzwerfern oder elektromagnetisch wirkende Systeme zu sehen. Neben der Produkteausstellung wurden auch Forschungsresultate von armasuisse W+T präsentiert. Zusätzlich zur Ausstellung wurden bei einer Live-Vorführung sowohl Sensoren als auch Effektoren vorgeführt. Im Übungsdorf Nalé flogen verschiedene Klein-Drohnen kontinuierlich über das semi-urbane Gelände, in welchem die Industrie- und Akademievertreter ihre Sensorsysteme installiert hatten. Die Teilnehmenden hatten dadurch die Möglichkeit, die verschiedenen Detektionssysteme in Aktion zu sehen und untereinander zu vergleichen. Zu sehen war eine eindrückliche Abfangdrohne mit Netzwerfer sowie ein Jammer und ein Netzwerfer. Zum Abschluss dieser Live-Vorführung wurden die Gäste bezüglich der Bedrohung verschiedener technischen Einsatzmöglichkeiten der Klein-Drohnen sensibilisiert. So wurden beispielsweise sehr schnelle Flächenflieger als auch hochagile Renndrohnen präsentiert. Eindrücklich war eine über das Mobilfunknetz gesteuerte Drohne, welche beispielsweise nicht durch gängige Störsender abgewehrt werden kann.

Wachsender Technologiemarkt für mehr Sicherheit

Der Anlass machte deutlich, dass Klein-Drohnen keinesfalls nur für friedliche Zwecke eingesetzt werden könne angesehen werden dürfen. Sie sind in der Tat ein zunehmendes Sicherheitsrisiko, welchem mit konventionellen Luftabwehrsystemen nur noch teilweise begegnet werden kann. Und diesem Risiko sind sich alle unisono bewusst. Deshalb wächst der Markt im Bereich der Drohnenabwehr seit Jahren stetig. Dabei werden neue Trends wie Künstliche Intelligenz oder autonome Navigation berücksichtigt und in marktreife Produkte im Kampf gegen Drohnenangriffe umgesetzt. Auch die Schweizer Armee muss ihre Kompetenzen auf diese neuen Technologien weiter ausbauen. Zusammen mit armasuisse W+T und der Industrie werden die Fähigkeiten zur Beurteilung und Integration der Technologien stetig aufgebaut und gestärkt, um den gesellschaftlichen Bedarf an Sicherheit und Schutz auch in Zukunft gewährleisten zu können.

Solche Anlässe fördern den direkten Austausch und festigen die interdisziplinäre und offene Zusammenarbeit zwischen Forschung, Industrie und Einsatzkräften.