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Worte schaffen, um die Zukunft zu erfinden

Die Kreation wie auch das Verschwinden von Wörtern ist Teil jeder Sprachentwicklung. Dabei reagiert die Sprache auf aktuelle menschliche Bedürfnisse. Ein Wort zu kreieren heisst also Bedürfnisse vorhersagen zu können und damit die Zukunft zu erfinden. Das Forschungsprogramm Technologiefrüherkennung von armasuisse W+T beschäftigt sich mit solch einer Zukunftsforschung.

24.08.2020 | armasuisse Wissenschaft und Technologie, Dr. Quentin Ladetto

Der Identivist ist ein Spezialist für die Identifizierung feindlicher Kämpfer mit Hilfe von speziellen Identifizierungsgeräten
Der Identivist ist ein Spezialist für die Identifizierung feindlicher Kämpfer mit Hilfe von speziellen Identifizierungsgeräten. Illustration: M. Olivier Fontvieille

An den ständig neu erscheinenden Wörtern ist ersichtlich, dass die Zukunft bereits heute stets neu erfunden wird. Ersichtlich ist das Diese Änderung betrifft auch die Armee. So sind Streitkräfte, wie alle anderen zivilen Tätigkeitsbereiche auch, großen Veränderungen unterworfen. Die ist ersichtlich an den zunehmenden Neuerungen und Innovationen im Militär, etwa im Bereich der Systeme sowie der Ausrüstung aber auch in den neu entstehenden Berufen. Um sich also eine mögliche Zukunft im Bereich der Armee näher vorstellen zu können, muss auf aktuelle Gegebenheiten und den schon vorhandenen Innovationen aufgebaut werden.

Das Wörterbuch des Soldaten der Zukunft

Um eine potenzielle Zukunft im Bereich der Armee sowie potenzielle Chancen und Bedrohungen vorhersagen sowie besser verstehen zu können, wurde im Rahmen des Forschungsprogrammes «Technologiefrüherkennung» von armasuisse Wissenschaft und Technologie, das Projekt «le dico du soldat du futur», das Wörterbuch des Soldaten der Zukunft, ins Leben gerufen. Hierzu betreiben Quentin Ladetto, Leiter dieses Forschungsprogrammes zusammen mit Anna-Caroline Paucot, eine Zukunftsschriftstellerin, ein Onlinewörterbuch, um eine gemeinsame Reflexion über den Soldaten der Zukunft zu betreiben.

Dabei betrachten sie in diesem Projekt nicht nur eine bestimmte Truppengattung, sondern den Soldaten in seiner Gesamtheit. Wie könnte etwa der zukünftige Soldat ausgestattet sein? Welche Hilfsmittel stehen ihm oder ihr zur Verfügung? Welchen Aufgabenfeldern müsste er oder sie sich widmen? Welche Gefahren und Risiken gilt es zu bewältigen? Im Projekt «le dico du soldat du futur» wird nicht etwa die Wahrscheinlichkeit des Eintretens dieser potenziellen Zukunft analysiert, sondern es werden mögliche Zukunftsszenarien und passende Wortkreationen erstellt. Dazu gehören auch Definitionen über denkbare neue Berufsgruppen, Tätigkeitsfelder oder den Streitkräften zur Verfügung stehende Systeme wie auch die Beschreibung möglicher Einsatzfelder. Diese Zukunftsgedanken ermöglichen es, bereits heute über die noch unbekannte Zukunft im Bereich der Armee nachzudenken, den Betrachtungshorizont zu erweitern und sich neuer und unbekannter Gefahren oder Hindernisse bewusst zu werden.

Zu jedem neu kreierten Zukunftswort gehört auch, eine eigene Definition und eine Analyse sowohl technologischer als auch ethischer und soziologischer Herausforderungen, die sich ergeben könnten. Einen kleinen Einblick in die Ergebnisse dieses «dico du soldat du futur» soll das Beispiel des Wortes «Identivist» geben:

Beispiel Wortkreation «Der Identivist»

Identivist: Eine Wortzusammensetzung aus Identifikation und Spezialist; Der Identivist ist ein Spezialist für die Identifizierung feindlicher Kämpfer, etwa inmitten von zivilen Personen, mit Hilfe von speziellen Identifizierungsgeräten

Der Identivist verwendet verschiedene Methoden, um eine feindliche Person zu identifizieren:

  • Gesichtserkennung: Gesichtszüge, Iris etc.
  • Analyse von Bewegung, Gang, Herzfrequenz, Blutfluss etc.
  • Erkennung der Stimme
  • Identifizierung von Geruch und die vom Körper freigesetzten Stoffe wie etwa Schweiss

Der Werkzeugkasten des Identivisten umfasst:

  • Informationssensoren: Kamera, Laser, Aufnahmegerät, etc.
  • Datenbanken.
  • Künstliche Intelligenz, die die neu erfassten Informationen mit den gespeicherten Informationen verknüpft.

In einem weiteren Schritt werden die kreierten Zukunftswörter wie etwa «Der Identivist» zum Leben erweckt, indem diese in eine mögliche zukünftige Situation gebracht werden. Daraus entstehen für jedes Wort Kurzgeschichten in Form von «Nachrichten der Zukunft».

Ein kooperativer Ansatz

Das Erzeugen bzw. Kreieren von Wörtern erfordert notwendigerweise das Arbeiten in einer bestimmten Sprache. Für «le dico du saldat du futur» wurde Französisch als Sprache festgelegt. Gearbeitet wird dabei in einem kooperativen Prozess. In Form eines Blogs wird jede Woche ein Wort und eine dazugehörige Illustration veröffentlicht. Die Leserschaft hat dabei die Möglichkeit, Kommentare, Vorschläge und andere Anmerkungen einzureichen.

Um weitere Zukunftswörter zum Thema «Soldat der Zukunft» bzw. «le dico du soldat du futur» erarbeiten zu können, fand am 26. Mai 2020 zusammen mit der französischen Agentur für Verteidigungsinnovation (AID) ein digitaler Workshop statt. Teilgenommen haben mehr als 40 französischsprachige Personen mit unterschiedlichem Hintergrund, darunter auch Personen des englischen Laboratoriums für Verteidigungswissenschaft und –technologie «Defence Science and Technology Laboratory DSTL», der Schweizer Botschaft in Paris sowie auch ein französischer General im Ruhestand. Dieser Onlineworkshop, welcher durch die Online-Teilnahme des AID-Direktors Herrn Emmanuel Chiva abgerundet wurde, offenbarte eine ausgezeichnete kreative Dynamik und ermöglichte die Entwicklung von knapp dreißig neuen Wortkonzepten. Diese gilt es nun zu beschreiben und in Kontext zu setzten.

Ende dieses Jahres sollen diese insgesamt etwa vierzig Wortkreationen rund um das Thema «Soldat der Zukunft» in Buchform auf Französisch veröffentlicht werden. Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier:

Wissenschaft und Technologie Fachbereich Forschungsmanagement
und Operations Research
Dr. Quentin Ladetto
Feuerwerkerstrasse 39
CH-3602 Thun
Tel.
+41 58 468 28 09

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