Zwischen Technik und Fliegerei: Ein Flugversuchsingenieur erzählt von seiner Arbeit im Projekt NKF
Das Projekt Neues Kampfflugzeug (NKF) ist als Top-Projekt des VBS aktuell eines der umfangreichsten Projekte bei armasuisse. In verschiedenen Teilprojekten arbeiten Mitarbeitende an der Einführung des F-35A. Das Teilprojekt Erprobung wird von Thomas Baumgartner geleitet. Der Flugversuchsingenieur erzählt im Interview, an was im Teilprojekt Erprobung gearbeitet wird und was ihn am Projekt NKF fasziniert.
Samanta Leiser, Fachbereich Kommunikation, Strategischer Stab

Was sind die Hauptaufgaben des Teilprojekts Erprobung?
Wir definieren, planen und leiten die Erprobung. Die Erprobung ist einer der Bausteine, der für die Zulassung und die Qualitätssicherung des F-35A in der Schweiz nötig ist. Konkret geht es dabei darum, den Nachweis zu liefern, dass das Flugzeug in der Schweiz sicher eingesetzt werden kann, die Leistung dem entspricht, was der Hersteller verspricht und das Waffensystem das ermöglicht, wofür es gedacht ist.
Was kann man sich unter einer Erprobung vorstellen?
Beispielsweise ist das Gelände in der Schweiz speziell, da es unebener und steiler ist als in anderen Ländern. Aufbauend auf den Resultaten aus der Evaluation gilt es durch Testflüge und Berechnungen nachzuweisen, dass das Kampfflugzeug auch in dieser Umgebung sicher und effizient operieren kann. Natürlich muss auch die Infrastruktur, sprich die Flugplätze, mit dem Flugzeug kompatibel sein. Das ist also auch etwas, das wir testen.
Was sind deine Aufgaben?
Als Flugversuchsingenieur definiere ich in engem Austausch mit den Testpiloten und unserem Kunden, der Luftwaffe, welche Szenarien erprobt werden müssen. Weiter gilt es zu entscheiden, ob diese in der Schweiz oder allenfalls auf einer grösseren sogenannten «Test Range» im Ausland stattfinden sollen. Im Team entwickeln wir dann die Testszenarien und machen die Berechnungen für die Erprobung. Im Anschluss an die Testflüge werden die Resultate ausgewertet, in einem Bericht erfasst und an die Auftraggeber kommuniziert. Neben den Tätigkeiten als Flugversuchsingenieur gehören auch die Leitung und Koordination der gesamten Erprobung zu meinen Aufgaben.
Was fasziniert dich am Projekt NKF?
Auf dem neusten Stand der Technologie zu arbeiten. Denn mit dem F-35A erhält die Schweiz ein System, das sehr modern ist und viel mehr ermöglicht als bisherige Systeme. Zudem ist das Projekt NKF ein sehr umfangreiches Projekt mit vielen Facetten und zahlreichen involvierten Stellen, die schlussendlich alle dasselbe Ziel verfolgen: den F-35A in der Schweiz erfolgreich einzuführen. Man kann also in diesem Projekt viel bewirken und das ist sehr erfüllend.
Wie bist du Teil des Projekts geworden?
Ich habe an der ETH ein Studium zum Elektroingenieur abgeschlossen und anschliessend im Bereich der hochdrehenden Elektromotoren promoviert. Im Jahr 2016, als ich bereits bei armasuisse gearbeitet habe, habe ich die Ausbildung zum Flugversuchsingenieur an einer Testpilotenschule in England absolviert, die mich auf meine Aufgaben im Projekt NKF vorbereitet hat.
Hast du neben der beruflichen auch eine persönliche Verbindung zur Fliegerei?
Ich bin in der Nähe eines Militärflugplatzes aufgewachsen. Wahrscheinlich ist meine Begeisterung für die Fliegerei deshalb bereits in Kindesjahren herangewachsen. Als ich dann mein Studium zum Ingenieur gemacht habe, habe ich nebenbei die Ausbildung zum Piloten für Kleinflugzeuge absolviert. Seit 2018 bin ich zudem Fluglehrer für SPHAIR-Kurse, das ist eine fliegerische Eignungsabklärung für angehende Linien- und Militärpiloten. Ich bin also schon immer in beiden Welten unterwegs gewesen. Mein Job bei armasuisse vereint diese nun und schlägt die Brücke zwischen Technik und Fliegerei.



