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«Bikesharing ist die ideale Ergänzung zu öffentlichen und privaten Transportmitteln für kurze Strecken»

Seit 2020 ist Markus Bacher Geschäftsführer des schweizweit grössten Bikesharingunternehmens PubliBike AG. Im Interview erzählt er von der Idee hinter PubliBike und wie die Zusammenarbeit mit armasuisse zustande kam.

Joller Romy, Fachbereich Kommunikation, Ressourcen und Support

Markus Bacher steht zwischen verschieden Velos an einer Velostation in Bern und schaut in die Kamera während er sich an einem Fahrrad stützt. .
Markus Bacher, CEO der PubliBike AG an einer Velostation in Bern.

Was steckt hinter der Idee von PubliBike?

Ein Team von 35 motivierten Kolleginnen und Kollegen, die jeden Tag arbeiten, um unserem Ziel, dass möglichst viele Menschen lückenlos mobil unterwegs sein können, etwas näher zu kommen. Bikesharing ist die ideale Ergänzung zu öffentlichen und privaten Transportmitteln für kurze Strecken. Dadurch wird der Verkehr in der Innenstadt entlastet und die Attraktivität des öffentlichen Verkehrs erhöht. In der Schweiz verkörpern wir diesen mobilen, urbanen und nachhaltigen Service. Mit unseren Aktivitäten wollen wir zur Transformation der Mobilität beitragen und so Lösungen finden, um die Auswirkungen des Verkehrs auf die Umwelt zu reduzieren. Sei dies beim Pendeln zur Arbeit, beim Einkaufen oder beim Freunde besuchen. Hinzu kommt, dass Bewegung dem eigenen Wohlbefinden guttut und einem fit hält.

Zahlen und Fakten zu PubliBike

  • 8 Veloverleihnetze in der Schweiz (Nyon, Lausanne, Fribourg, Bern, Zürich, Sion, Sierre, Lugano)
  • 5000 Velos, davon die Hälfte E-Bikes, welche an 500 Stationen ausgeliehen oder retourniert werden können
  • 147'000 registrierte Kunden und es werden Täglich mehr
  • 6 Millionen Fahrten seit 2018, an Spitztagen bis zu 14’000 Fahrten pro Tag
  • Es werden deutlich mehr Fahrten gemacht mit E-Bikes, je nach Netz das Zwei- bis Vierfache
  • PubliBike fahren ist noch eine Männerdomäne. 70% der Fahrten werden von Männern und 30% von Frauen zurückgelegt

Wieso sehen Sie in der Bundesverwaltung einen geeigneten Partner, um PubliBike voranzubringen?

Die Bundesverwaltung hat viele Standorte, insbesondere auch in der Stadt und Agglomeration Bern. Oft ist der direkte Weg mit dem Velo – und vor allem mit dem E-Bike – der schnellste Weg, um von A nach B zu kommen. Diese Erfahrung machen wir seit mehreren Jahren mit den bundesnahen Betrieben SBB, Post und PostAuto oder auch der Insel Gruppe. Die Geschäftsfahrten machen aktuell fast die Hälfte aller Fahrten aus in unseren acht Netzen.

Wieso hatten Sie armasuisse als Pilotprojekt-Partner auserwählt?

Wir haben uns gegenseitig gefunden. Einerseits waren wir mit der armasuisse schon länger im Austausch zum Thema Mitarbeitermobilität und zum anderen kam im Sommer 2020 die Initiative auf Stufe Bund mit einem ähnlichen Ziel. So wurde aus einem Projekt für armasuisse ein Projekt auf Stufe Bund.

Welches waren besondere Herausforderungen bei dem Projekt?

Wie fast bei allen Projekten der Faktor Zeit. Wir wollten zusammen unbedingt zum Start von «Bike to work 2020» bereit sein. Bis dahin mussten auf beiden Seiten einige Tasks erledigt werden. Von der konformen Beschaffung aus Sicht des Bundes bis hin unser System technisch fit zu machen, um den Nutzern den Zugang zu unseren Bikes zu ermöglichen. Dank der guten und engagierten Zusammenarbeit auf beiden Seiten konnten wir das Ziel erreichen.

Was raten Sie ihren Kunden/Abonnenten, damit die PubliBikes auch während den kälteren und nassen Tage zum Einsatz kommen?

Es gibt kein Schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung. Spass bei Seite. Velofahren ist wetter- aber nicht jahreszeitenabhängig. Bei trockener Strasse ist Bikesharing daher auch im Winter sehr gut machbar. Es tut gut, im Winter ab und zu auf ein Fahrrad zu steigen, dass hält den Körper und Geist fit. Ich habe ab Oktober / November immer Handschuhe und eine Wollmütze in meiner Arbeitstasche, so kann ich jederzeit auf ein PubliBike steigen.

Machen Sie persönlich Gebrauch von dem Angebot? Benutzen Sie das Fahrrad auch für Ihre berufliche Mobilität?

Selbstverständlich. Ich fahre mehrmals pro Woche mit dem PubliBike zu Meetings. Vor allem in der Stadt Bern und Fribourg. Für mich ist es auch wichtig, selber Kunde zu sein. Damit ich sehen kann, wo wir uns verbessert haben und wo es in unserem System noch Lücken gibt. Ich schätzte auch sehr den Austausch mit unseren Kundinnen und Kunden an den PubliBike Stationen. Diese direkten Feedbacks sind sehr wertvoll.

Markus Bacher sitzt auf einem PubliBike und fährt an vielen parkierten Velos vorbei.
Markus Bacher ist selber regelmässiger und begeisterter Nutzer der PubliBikes.

Ist Ihnen während Ihrer Velofahrten etwas Unerwartetes oder Lustiges passiert?

Ich habe einmal meine Arbeitsmappe ins Körbchen eines PubliBikes gelegt und wollte das Bike entsperren. Da kam ein Anruf. Nach dem Anruf habe ich mich umgedreht und das Velo daneben geöffnet und bin losgefahren. Es kam aber alles gut. Als ich wieder zur Ausleihstation zurückkam, war die Mappe noch da. Glück gehabt…

Kurzporträt

Markus Bacher (47), Betriebswirtschafter und Informatiker, ist seit 2020 Geschäftsführer des schweizweit grössten Bikesharingunternehmens PubliBike AG. Vor PubliBike führte er interimistisch die Informatik des Konzerns Post und jahrelang den Informatikbetrieb der Post. Nebenbei führt er die Krisenorganisation auf Stufe Konzern Post. In seiner Freizeit fährt er gern Velo und Snowboard. Er lebt mit seiner Frau und Tochter in Zollikofen BE.