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Waffenplatz Frauenfeld: nachhaltiges Bauen im Grossen wie im Kleinen

Am Stadtrand von Frauenfeld (TG) entsteht die neue Kaserne der Armee. Nachhaltig zu planen und zu bauen hat dabei oberste Priorität. Im Interview mit Projektleiter Richard Brander gibt es mehr über die aktuellen Neubauten, Minergie und co. zu erfahren.

Florian Waldner, Fachbereich Kommunikation, Kompetenzbereich Immobilien

Richard Brander, Projektleiter Bauherr, armasuisse Immobilien
Richard Brander, Projektleiter Bauherr, armasuisse Immobilien

Der Waffenplatz Auenfeld in Frauenfeld soll in den nächsten Jahren zum nachhaltigen Vorzeigewaffenplatz avancieren. Wie soll das gehen?

Nachhaltigkeitsaspekte lassen sich im Kleinen wie im Grossen berücksichtigen. Nehmen wir das Beispiel Energie: Im Grossen gilt es, umweltfreundlich generierte Wärme und Elektrizität zu nutzen und die Neubauten möglichst energieeffizient zu gestalten. Nachhaltigkeit steckt aber auch in vielen einzelnen Details, etwa bei Gebäudefassaden aus recyceltem Konstruktionsbeton, beim automatisierten Beleuchtungskonzept oder bei der Verwendung von ökologischen Materialen nach Vorgabe von Minergie-ECO. All diese Massnahmen tragen dazu bei, die vorhandenen Ressourcen gezielter einzusetzen, um Energie und Rohstoffe über den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks ein-zu sparen.

Nachhaltigkeit wird oft daran gemessen, wie Energieeffizient eine Immobilie ist und aus welchen Quellen die benötigte Energie stammt. Wie sieht es diesbezüglich auf dem Kasernenareal Auenfeld aus?

Im Auenfeld entstehen über eine Realisierungszeit von rund dreizehn Jahren bis 2031 fünfzehn Neubauten. Zusätzlich werden sechs bestehende Gebäude energetisch saniert. Gelingt es uns, den Energieverbrauch möglichst tief zu halten, sparen wir letztlich über den gesamten Lebensweg der Immobilien viel CO2 und finanzielle Mittel ein und handeln damit nachhaltig.

Sämtliche Neubauten erfüllen die Vorgaben gemäss Minergie. Die drei neuen Unterkunftsgebäude, das Verpflegungszentrum und das medizinische Zentrum Regional erfüllen die noch strengeren Vorgaben von Minergie-ECO. Das heisst diese Gebäude genügen zusätzlich zur guten Energieeffizienz, auch hohen bauökologischen Ansprüchen. Sie bieten ausserdem viel Tageslicht, sind sehr gut gegen Schall geschützt und bieten ein angenehmes Innenraumklima.

Bei so vielen Neubauten entsteht potenziell auch viel neue Flächen, die für die Stromproduktion eingesetzt werden könnten, oder?

Sämtliche Neubauten sowie auch die bestehenden Gebäude auf dem Areal werden mit Photovoltaikanlagen versehen. Gesamthaft wir nach Abschluss aller Bauetappen von rund 16 000 Quadratmeter mit Photovoltaikmodulen ausgerüstet sein. Diese weisen eine Leistung von rund 3000 Kilowattpeak auf, was einer erzeugten Energiemenge von rund 2.8 Millionen Kilowattstunden pro Jahr entspricht. Damit lassen sich umgerechnet etwa 700 Haushalte während einem Jahr mit Strom versorgen.

Sie haben eingangs die «kleinen» Nachhaltigkeitsaspekte erwähnt. Was ist damit gemeint?

Ja richtig, clevere nachhaltige Lösungen werden oft erst sichtbar, wenn man genau hinsieht. An den kürzlich fertiggestellten Gebäuden, dem Verpflegungszentrum und dem neuen medizinischen Zentrum, lässt sich dies sehr gut darstellen. Die beiden Gebäude wurden in Massivbauweise mit Recycelbeton erstellt. Die Glasfassade des Verpflegungszentrums ist zudem entspiegelt und mit einem Siebdruck versehen, der besonders Vögel davon abhält, versehentlich in die Fensterfronten zu fliegen. Die verwendete Glasfassade schützt somit vor Vogelkollisionen und trägt auch zum Sonnenschutz bei.

Wir achten ausserdem darauf, dass möglichst wenige Transportfahrten notwendig sind. So wurde zum Beispiel sämtliches Aushubmaterial zur Wiederverwendung auf dem Waffenplatz gelagert. Vermeintlich kleine Optimierungen im Betriebsablauf helfen mit, die Emissionen so gering wie möglich zu halten.