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Nachhaltigkeitsbericht armasuisse 2021 – Interview mit Philip Spengler, Leiter Prozess-, Qualitätsmanagement und Umwelt

Durch die Umsetzung des Klimapakets sowie durch die Umsetzung eigener Umweltmassnahmen optimiert armasuisse die Umweltimplikationen und reduziert ihre Treibhausgasemissionen. Ein Einblick in die geplanten und umgesetzten Massnahmen finden sich im neu erschienenen Nachhaltigkeitsbericht armasuisse 2021.

Lea Ryf, Fachbereich Kommunikation, Kompetenzbereich Ressourcen und Support

Philip Spengler, Leiter Prozess-, Qualitätsmanagement und Umwelt, bei der Ladestation eines elektrischen Verwaltungsfahrzeuges.

 

Heute ist der Nachhaltigkeitsbericht armasuisse 2021 erschienen. Dieser enthält das Mobilitätskonzept armasuisse. Welche Massnahmen sind darin enthalten?

Zuerst muss man sich immer die Frage stellen, ob eine bestimmte Reise überhaupt notwendig ist oder nicht. Gerade die Pandemie mit geschlossenen Grenzen und der Homeoffice-Pflicht hat gezeigt, dass der Austausch via Skype sowie anderen Tools nicht nur gut funktioniert, sondern auch sehr effizient sein kann. Ist ein persönlicher Austausch notwendig, so gilt die Weisung «Zug statt Flug». Nebst anderem verlangt diese neue Weisung, dass für Destinationen, welche innerhalb von 6h mit dem Zug erreichbar sind, auf das Flugzeug zu verzichten ist. Kombiniert werden kann eine Reise von Zug, Bus und Tram zudem mit Mobility-Leihfahrzeugen. Wird doch einmal ein Dienstfahrzeug benötigt, so steht den Mitarbeitenden ein moderner Fuhrpark zur Verfügung. Erstmals ist nun auch eine grössere Zahl an Elektroautos erhältlich. Bei den aktuell hohen Treibstoffkosten weisen diese Fahrzeuge auch ökonomische Vorteile auf. Kurze Strecken kann man zu Fuss gehen oder sich ein Fahrrad ausleihen, so hat man auch gleich noch einen Beitrag an die eigene Gesundheit geleistet.

Der Begriff Nachhaltigkeit kommt ursprünglich aus der Forstwirtschaft: es darf nicht mehr Holz gefällt werden, als wieder nachwächst. Da ich selbst ein kleines Stück an Privatwald besitze, kenne ich dieses Prinzip nur zu gut.

Auch in den Beschaffungen von armasuisse werden ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeitskriterien befolgt. Kannst du uns ein Beispiel von Nachhaltigkeit in der Beschaffung nennen?

Bei jeder Beschaffung wird die ökologische Nachhaltigkeit mit beurteilt. Hierfür sind entsprechende Umwelt-Checklisten in die Beschaffungsprozesse eingebaut. Die Beeinflussbarkeit und die Gewichtung sind natürlich bei jedem Gut etwas unterschiedlich. Bspw. sind im Bereich der Beschaffung von Personenwagen ökologische Aspekte (u.a. Treibstoffverbrauch) ein sehr wichtiges Kriterium, welche entsprechend hoch gewichtet werden. Zudem existieren ergänzende Weisungen, die primär die Beschaffung von Verwaltungsfahrzeugen mit Elektroantrieb verlangen. Soziale Kriterien wiederum werden u.a. bei Textilbeschaffungen mit in die Beurteilung einbezogen. Mittels Nutzwertanalyse werden schliesslich auch Kostenaspekte berücksichtigt. Wir beschaffen bekanntlich jenes Gut, das die Anforderungen erfüllt und dabei preislich das vorteilhafteste ist. Dies entspricht der ökonomischen Nachhaltigkeitsdimension.

Wie wird Nachhaltigkeit in der Ausserdienststellung und Weiterverwendung eines beschafften Gutes umgesetzt?

Wird ein Gut «ausser Dienst» gestellt, so bedeutet dies nicht einfach, dass es im Abfall landet. Wie bei einer Beschaffung, so wird auch bei der Entsorgung ein umfassender und klar definierter Prozess eingehalten. Dieser beinhaltet u.a. die Prüfung vorhandener Gefahrenstoffe, die Abklärung einer möglichen Weiterverwendung bestimmter Elemente (z.B. als Ersatzteile), die Abgabe von Materialien als Kulturgut (z.B. an Museen), die Weitergabe als humanitäre Hilfe oder die Unterstützung ziviler Institutionen. Allenfalls können bestimmte Systeme verkauft oder recycliert werden, was entsprechende Erlöse bringt. Nebst der offensichtlichen ökologischen Nachhaltigkeit, bringt ein Verkauf andererseits einen gewissen Ertrag, womit wir bei der ökonomischen Nachhaltigkeit sind. Die Verwendung für die humanitäre Hilfe oder Abgabe zu kulturellen Zwecken bedient die soziale Nachhaltigkeit. Im Nachhaltigkeitsbericht wird die Weiterverwendung von Laptops für Schulen in Afrika dokumentiert.

Das optimale Zusammenspiel zwischen ökonomischer, sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit wird künftig immer wichtiger.

armasuisse setzt sich für Nachhaltigkeit im eigenen Betrieb ein. Darunter fallen Strom- und Wasserverbrauch, Papierverbrauch und Abfall sowie Treibstoffverbrauch. Was kann dazu im 2021 gesagt werden?

Im Bereich des Energie- und Wasserverbrauchs im Gebäudebereich wurde die grösste Optimierung mit dem Wechsel des Hauptsitzes an den Guisanplatz vollzogen. Früher wurden die Gebäude an der Kasernen- und Blumenbergstrasse noch mit Öl geheizt. Die sanitären Anlagen waren alt, ebenso die Gebäudehüllen. Welch ein Unterschied zu den jetzigen Rahmenbedingungen. Die Gebäude sind top isoliert und ein ausgeklügeltes Steuerungssystem sorgt für einen sparsamen Betrieb. Geheizt wird mit einer Wärmepumpe, Regenwasser wird aufbereitet und reduziert den Wasserbedarf für die Spülung der WC’s. Zudem haben wir eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach. Selbstverständlich wird jedoch auch bei diesem Gebäude der Energieverbrauch von der Witterung mit beeinflusst. Wir erinnern uns an die vielen Unwetter und den kalten Frühling im 2021.

Ein weiterer, wichtiger Einflussfaktor war die Pandemie. In den letzten 2 Jahren wurde viel von zu Hause gearbeitet, Kantinen waren zum Teil ganz geschlossen. Auch dies führte am Hauptsitz zu tieferen Verbrauchswerten (Strom, Papier, Abfälle). Man erkennt an gewissen Daten, dass ab 2021 dann wieder vermehrt vor Ort gearbeitet wurde. Auch den Einfluss der zunehmenden Digitalisierung erkennen wir. Digitale Systeme helfen mit u.a. die Verbräuche an Papier zu senken.

Beim Treibstoffverbrauch der Dienstflotte kann gesagt werden, dass eine namhafte Zahl an Elektroautos per Ende 2021 / Anfangs 2022 beschafft wurde. Deren positive Wirkung auf die Verbräuche werden wir somit erst in den Ergebnissen 2022 erkennen. Weitere Tranchen an elektrischen Dienstautos werden folgen, sobald diese wieder lieferbar sind.

Die Planung und Umsetzung von Umweltmassnahmen ist Teamarbeit – Vielen Dank allen Mitwirkenden.

Für die Anreise zum Qualitätsmanagement-Seminar in Sigriswil konnten wir vor kurzem selber ein Elektroauto ausleihen. Da war schon die Anreise ein freudiges Erlebnis.

Kurzporträt Philip Spengler

Philip Spengler besitzt neben einem Geographiestudium, ein Diplom für das höhere Lehramt und absolvierte je ein CAS in Systemischem Projektmanagement sowie in nachhaltiger Entwicklung. Zudem hat er ein Diploma of Advanced Studies in Betriebswirtschaft und ein Executive MBA in General Management abgeschlossen. Nach Stationen als Sekundar- und Gymnasiallehrer, Firmenkundenberater, Programm- und Projektleiter sowie Leiter Strategie und Entwicklung in Schweizer Grossunternehmen ist er 2012 in die armasuisse eingetreten. Seit 2012 ist er Leiter Prozess-, Qualitätsmanagement und Umwelt im Fachbereich Unternehmensentwicklung. Er führt zudem das Projekt «Erarbeitung Klimapaket sowie Umweltmassnahmen armasuisse».

Nachhaltigkeitsbericht armasuisse 2021