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Digitales Planen, Bauen und Bewirtschaften – BIM Pilotprojekt Burgdorf

BIM – Building Information Modelling – verspricht digitales Planen, Bauen und Bewirtschaften künftig einfach und effizient zu gestalten. armasuisse Immobilien, das Immobilienkompetenzzentrum des VBS setzt beim Ausbau der Logistikinfrastruktur in Burgdorf auf BIM, um die Methode erstmals in grossem Massstab zu erproben.

Florian Waldner, Fachbereich Kommunikation, Kompetenzbereich Immobilien

Sven Schmid, Projektleiter Bauherr, armasuisse Immobilien
Sven Schmid, Projektleiter Bauherr, armasuisse Immobilien

Sie sind als einer der ersten Projektleiter von armasuisse Immobilien ins kalte Wasser gesprungen und setzen das erste grosse BIM-Pilotprojekt um. Wie hat die Integration von BIM die Zusammenarbeit mit dem Projektteam in dieser ersten Projektphase verändert?

Wir sind seit rund zwei Jahren intensiv dabei, mit BIM zu arbeiten und das nötige Datenmanagement aufzubauen. Beim Ausbau der Logistikinfrastruktur in Burgdorf haben wir zunächst das gesamte Areal inklusive Umgebung und bestehender Gebäude mit lasergestützen Scans erfasst. Diese Daten bildeten die Grundlage für das spätere 3D-Modell des gesamten Perimeters. Die modellierten Daten helfen, das Bauvorhaben besser zu verstehen, eine gemeinsame Grundlage für die Projektkommunikation zu haben und Konflikte rasch zu erkennen.

Beim Ausbau der Logistikinfrastruktur in Burgdorf haben wir das gesamte Areal mit lasergestützen Scans erfasst.

Im Bauwesen haben sich die Möglichkeiten der Kalkulation und der Offertstellung verändert. Die hierzu erforderlichen Informationen können Unternehmen nun direkt aus dem digitalen Modell beziehen. Der Vorteil dabei ist: Die Mengenermittlung und die bauseitigen Rahmenbedingungen sind eindeutig messbar und sind besser verständlich, was gerade im Hinblick auf Nachtragsforderungen wichtig ist. Hierbei wirkt die BIM Methode nachhaltig auf die Kostensicherheit.

BIM Burgdorf: Digitale Vermessung des Armeelogistikareals

Sie haben das digitale BIM-Model angesprochen. Digitale gezeichnete Baupläne gibt es in der Baubranche bereits seit Jahren. Worin unterscheidet sich BIM gegenüber den bisherigen digitalen Ansätzen?

Ein nach BIM modelliertes 3D-Modell beinhaltet zusätzliche baurelevante Daten und kann für die digitale Vermessungstechnik genutzt werden. Doch die BIM-Methode geht deutlich über ein digitales Modell hinaus. Es geht darum, dass alle am Bauvorhaben beteiligten Akteure vollständig digital zusammenzuarbeiten.

Heutzutage benötigen wir qualitativ hochstehende und kostengünstige Baulösungen, die rasch umgesetzt werden müssen.

Die vielleicht grösste Veränderung gegenüber konventionellen Bauvorhaben ergibt sich beim Datenmanagement. Im Fall des Pilotprojekts laufen alle Daten auf einer einzigen digitalen Baumanagementplattform zusammen. Konkret legen beispielsweise Architektinnen und Statiker der Planungsbüros ihre jeweiligen Pläne und Modelle auf der Plattform ab. Hinzu kommen sämtliche baurelevanten Unterlagen wie etwa Besprechungsprotokolle oder technische Normen, die angewendet werden. Da sich alle Unterlagen an einem Ort befinden, lässt sich rasch nach bestimmten Informationen suchen. Dabei bleiben die gesammelten digitalen Informationen auch nach dem Abschluss der Bauarbeiten erhalten. Das heisst, sie können auf dem gesamten Lebensweg der Immobilien genutzt werden. Ausserdem läuft die Kommunikation der am Projekt Beteiligten teilweise über die Plattform, mit dem Effekt, dass weniger E-Mails verschickt werden müssen.

Der nachhaltige Umgang mit Ressourcen gewinnt immer mehr an Bedeutung. In welchen Bereichen bringt die BIM-Methode aus Ihrer Sicht als Baumanager einen Gewinn in Sachen Nachhaltigkeit?

Heutzutage benötigen wir qualitativ hochstehende und kostengünstige Baulösungen, die rasch umgesetzt werden müssen. Das 3D-Modell und die digitale Zusammenarbeit im Projektteam mit BIM haben es erleichtert, Planungsentscheidungen rasch und exakt zu treffen. Anhand des Modells können die Projektleitung, das Planungsbüro und die Kunden rasch und präzis beurteilen, welche Entscheidungen zu treffen sind, um ein Bauvorhaben voranzutreiben oder zu optimieren. Ich denke, gegenüber einem konventionellen Vorgehen ist die BIM-Methode hier nachhaltiger.

Wobei brachte das BIM gestützte digitale Modell in der Planung bisher konkrete Vorteile?

Als wir mit der Planung begonnen haben, hatten wir dank der komplett digitalen Vermessung des Areals einen Wissensvorsprung und eine höhere Datengenauigkeit als bei konventionellen Bauvorhaben. Das wiederum ermöglichte beispielsweise, die Höhenlage des neuentstehenden Logistikgebäudes exakt einschätzen und optimal zu platzieren. Das klingt einfacher, als es tatsächlich war, da unterhalb die Grundwasserströme nicht beeinträchtigt werden duften und eine maximale Gebäudehöhe wegen dem Ortsbild gegeben war.

Das 3D-Modell und die digitale Zusammenarbeit im Projektteam mit BIM haben es erleichtert, Planungsentscheidungen rasch und exakt zu treffen.

Die Planung ist das Eine, die Beauftragung und die Bauausführung das Andere. Wobei erwarten Sie die grössten Herausforderungen in Sachen BIM?

Gerade im Bereich der Beauftragung von BIM Leistungen haben wir innerhalb von armasuisse Immobilien in den letzten drei Jahren viel Entwicklungsarbeit geleistet. Was das Planungsbüro unter BIM versteht und was wir gerne hätten, war anfangs sehr verschieden. Heute können wir für die BIM-Methode Informationsanforderungen und Leistungsbeschreibungen definieren. Und wir legen fest, welche Daten wann, in welcher Qualität und wohin geliefert werden sollen, so dass zukünftig jeder Beauftragte von armasuisse Immobilien unter Anwendung der BIM-Methodik unsere Bedürfnisse versteht.

Projektleitende sollten sich von der Flut von Fachbegriffen nicht abschrecken lassen.

Mit dem Pilotprojekt in Burgdorf wollen wir das digitale Modell auf die Baustelle bringen. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass immer noch viele Bauunternehmungen mit gedruckten Plänen und Beschrieben arbeiten. Deshalb wird die grosse Herausforderung sein, wie die Handwerkerinnen und Handwerker mit den digitalen Informationen umzugehen lernen und diese auf der Baustelle nutzen.

Welchen Tipp würden Sie anderen Projektleitern und Projektleiterinnen mitgeben, die ihr erstes Projekt mit BIM realisieren?

Projektleitende sollten sich von der Flut von Fachbegriffen nicht abschrecken lassen. Die derzeit gängigen BIM-Softwarelösungen sind «gespickt» mit englischen Begriffen, die aus der IT-Welt entlehnt sind. Doch ist die sprachliche Hürde erstmal überwunden, zeigen sich nach und nach die Vorteile eines vollständig digital vernetzten Planungs- und Bauprozesses. Kurzum, es lohnt sich, die BIM Methode nicht als unüberwindbare Hürde, sondern als Chance zu begreifen.


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