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Vom Tarndruckgewebe zur Tasche

Das Projekt modulare Bekleidungs- und Ausrüstungssystem MBAS umfasst rund 100 Komponenten und ist in die Subsysteme Kampfbekleidung, Tragsystem, Trinksystem und ballistischer Körperschutz eingeteilt. Etliche Komponenten sind Taschen für Ausrüstungsgegenstände, welche die Angehörigen der Armee mitführen – zum Beispiel für Sturmgewehrmagazine, Sanitätsmaterial, Soldatenmesser, Taschenlampen, Funkgeräte usw.

Die Verarbeitung vom Tarndruckgewebe zu Taschen, auch Konfektion genannt, ist stark arbeitsteilig und beinhaltet eine Vielzahl unterschiedlicher Arbeitsschritte. Diese werden im Folgenden kurz dargestellt.

Erster Schritt: Materialbereitstellung

Eine Tasche setzt sich aus dem Tarndruckgewebe sowie weiterem Zubehör, wie Klettbänder, Druckknöpfe, Gummibänder mit Kordeln, Einfassbänder, Schnallen und Gurten, zusammen.
Das Tarngewebe wird dem Konfektionär von armasuisse zur Verfügung gestellt, das notwendige Zubehör hingegen beschafft der Konfektionär selber. Dieses Material wir als sogenannte Meterware eingekauft und ans Lager gelegt.

Zweiter Schritt: Zuschneiden

Das Tarndruckgewebe und das Zubehör werden von Hand oder mit Schnittautomaten auf die richtigen Masse zugeschnitten. Es werden in etwa 40 verschiedene Taschenmodelle hergestellt, die sich hinsichtlich Grösse und Funktion unterscheiden. Jedes Modell setzt sich aus mindestens drei zugeschnittene Tarndruckgewebeteilen und mindestens drei verschiedene Zubehören zusammen. Eine Vielzahl an Zuschnitten und Zubehör muss daher vor dem eigentlichen Nähen bereit- und zusammengestellt werden.

Auf dem Schneideautomaten werden mehrere Gewebelagen gleichzeitig zugeschnitten
Auf dem Schneideautomaten werden mehrere Gewebelagen gleichzeitig zugeschnitten

Dritter Schritt: Nähen

Die zugeschnittenen Teile und das Zubehör werden nun zusammengenäht. Die Näherinnen und Näher nähen nicht an einer Arbeitsstation eine ganze Tasche fertig. In sogenannten Nählinien führen sie jeweils nur wenige Nähte durch und geben das Teil dann für den nächsten Arbeitsschritt an die/den Kollegen/in weiter. Es können bis zu 20 Arbeitsschritte notwendig sein, bis eine Tasche fertig hergestellt ist. Das manuelle Nähen ist bei Textilien weltweiter Standard, es ist dementsprechend sehr personalintensiv. Nähroboter sind erst in Studien angedacht und bleiben vorderhand noch «Zukunftsmusik». Nur bei einzelnen, einfachen Nähten, die eine hohe gleichbleibende Nähqualität erfordern – so wie beim Annähen der Gurtbänder – werden sogenannte Nähautomaten verwendet, die mit extra hergestellten Schablonen ausgerüstet sind. Dies lohnt sich jedoch nur für die Produktion von sehr hohen Stückzahlen im Millionenbereich.

Vierter Schritt: Endkontrolle und Verpacken

Zwischen den einzelnen Nähschritten und nach dem Versäubern (Abschneiden abstehender Fäden) wird die Nähqualität jeweils geprüft und wenn nötig korrigiert. Mit dieser mehrstufigen Qualitätskontrolle wird bei den seriengefertigten Taschen eine gleichbleibende Nähqualität sichergestellt.

Tasche für Sturmgewehrmagazin: Vorderseite geöffnet (links), Vorderseite geschlossen (Mitte), Rückseite mit Gurtbändern (rechts)
Tasche für Sturmgewehrmagazin: Vorderseite geöffnet (links), Vorderseite geschlossen (Mitte), Rückseite mit Gurtbändern (rechts)

 

Die Näharbeiten sind stark arbeitsteilige, manuelle Routinetätigkeiten, die aus wirtschaftlichen Gründen sehr effizient gestaltet werden. Daher ist es uns wichtig, dass die Arbeitssicherheitsvorschriften und die Arbeitsbedingungen eingehalten werden. Deshalb veranlasst armasuisse bei den Herstellbetrieben regelmässig Audits und verlangt ein in der Textilindustrie verbreitetes und anerkanntes Gütesiegel. Diese schreiben soziale Mindeststandards vor und werden auch immer wieder überprüft.