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«Der grösste Vorteil ist aus meiner Sicht der Wegfall von Reise- beziehungsweise Verschiebezeiten»

Als Rüstungschef ist Martin Sonderegger zuständig für die Material- und Systemausstattung der Schweizer Armee. Dadurch arbeitet er eng mit der Industrie und Politik zusammen. Da das Reisen im Moment nur erschwert möglich ist, muss er die Geschäftsbeziehungen mit digitalen Kommunikationstools aufrechterhalten.

Joller Romy, Fachbereich Kommunikation, Ressourcen und Support

Der Rüstungsschef, Martin Sonderegger, steht an seinem Pult und tätigt einen Skype-Call.
Martin Sonderegger nimmt in seinem Büro an einer Videokonferenz teil.

Herr Sonderegger, wie haben Sie als Rüstungschef die Zusammenarbeit mit den Industriepartnern/sonstigen Partnern während der Corona-Massnahmen erlebt?

Mehrheitlich positiv! Unsere Geschäftspartner waren sehr rasch in der Lage, über die digitalen Medien mit uns zu kommunizieren. Mit den langjährig bekannten Geschäftspartnern konnten wir auch unkompliziert die elektronischen Unterschriften gegenseitig anerkennen. Dies beschleunigte die finanzielle Abwicklung der Geschäfte und sicherte somit die Liquidität der Firmen. Ebenfalls sehr geschätzt wurde die zeitlich begrenzte Möglichkeit der Anwendung der «Force Majeure»* Klausel.
 

*«Force Majeure» Klausel: Soweit eine Leistung durch Umstände, die der Schuldner nicht zu verantworten hat, unmöglich geworden ist, gilt im Schweizer Recht die Forderung gemäss Art. 119 OR als erloschen.

Wie oft verreisen Sie im Normalfall dienstlich und zu welchen Zwecken? Und wie oft verreisten Sie im Jahr 2020?

In einem «normalen» Jahr bin ich fünf bis zehn Mal dienstlich im Ausland. Auch 2020 waren diverse Auslandreisen vorgesehen. Es kam aber anders als geplant. Seit meiner Rückkehr von der Singapore AirShow am Freitag, 14. Februar 2020 war ich weder geschäftlich noch privat im Ausland. Die meisten Veranstaltungen und Messen, die ich besuchen wollte, wurden abgesagt. Für physisch geplante Treffen z. B. mit ausländischen Amtskollegen wichen wir auf elektronische Medien aus. Allerdings waren die Gesprächsthemen und –inhalte in Videokonferenzen auf unklassifizierte Informationen beschränkt.

Wurden geplante physische Treffen auch durch Videokonferenzen ersetzt?

Die Mehrzahl der Sitzungen innerhalb der armasuisse, im VBS aber auch mit Lieferanten wurden über Videokonferenzen geführt. Wenn möglich über Skype. Wo dies nicht möglich war, konnte auf Einladung auch in anderen Formaten kommuniziert werden.
 

Man sieht den Rüstungschef auf dem Bildschirm über die Skype-Maske telefonieren.
Digitale Kommunikationstools ermöglichen die Abhaltung von Meetings via Videokonferenzen.

Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile von Videokonferenzen?

Der grösste Vorteil ist aus meiner Sicht der Wegfall von Reise- bzw. Verschiebezeiten. Der damit verbundene Zeitgewinn ist in meinem Fall deutlich spürbar. Ich habe den Eindruck, dass die Videokonferenzen tendenziell kürzer geführt werden, als physische Treffen.
Nachteilig aus meiner Sicht ist die fehlende Emotionalität. An Videokonferenzen sieht und spürt man nicht, welche Wirkung eine Aussage auf das Gegenüber hat und welche Emotionen dies auslöst. Persönliche Kontakte sind nach wie vor wichtig und unerlässlich.
Auf der technischen Ebene liegt der grösste Nachteil ganz klar, bei der fehlenden Möglichkeit klassifizierte Sprache und Bilder zu übertragen. Für solche Fälle sind wir dann auch auf Threema Work umgestiegen und haben die klassifizierten Unterlagen den Gesprächspartnern vorgängig physisch verschickt.

Was nehmen Sie aus der Erfahrung mit, wenn sich die Lage, hoffentlich bald, normalisiert?

Mit einer eingeschränkten Reisetätigkeit wird natürlich nicht nur Zeit und Geld gespart. Der ökologische Fussabdruck wird dadurch auch wesentlich verbessert. Die kritische Prüfung der Notwendigkeit von künftigen Dienstreisen muss bei uns zur Selbstverständlichkeit werden. Auch wenn sich die Situation rund um das Virus hoffentlich rasch wieder stabilisieren wird, dürfen wir nicht vorbehaltlos in die gewohnten Routinen zurückfallen.
Der persönliche Austausch mit Geschäftspartnern, Arbeitskolleginnen und -kollegen, Freundinnen und Freunden sowie die uneingeschränkten familiären Kontakte fehlen uns heute. Für die armasuisse und ihre Mitarbeitenden hoffe ich, dass die Verbreitung des Virus möglichst rasch eingedämmt werden kann und sich unsere geschäftliche und private Kontaktpflege wieder einer Normalität annähern wird.
 

Kurzporträt

Martin Sonderegger ist seit 2015 Rüstungschef der armasuisse. Er ist zuständig für die Entwicklung, Evaluation, Beschaffung und Entsorgung von Systemen und Material der Armee und weiterer Kunden sowie für die Planung und Beschaffung von Immobilien des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS.