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Innovation bei armasuisse – ein Gemeinschaftsakt

Um den Fähigkeiten der Armee von morgen gerecht zu werden, ist armasuisse Wissenschaft und Technologie stets an neuen Technologien und Lösungen interessiert. Im Interview gibt Urs Böniger, Leiter Innovation und Prozesse bei armasuisse W+T, Einblicke in die Innovationstätigkeiten bei armasuisse und erklärt, warum Innovation nur gemeinsam erbracht werden kann.

Elianne Egli, Fachbereich Innovation und Prozesse, armasuisse W+T

Porträtbild von Urs Böniger, Leiter Innovation und Prozesse, armasuisse W+T
Porträt von Urs Böniger, Leiter Innovation und Prozesse, armasuisse W+T

Herr Böniger, Innovation ist gerade in aller Munde. Was bedeutet es eigentlich, innovativ zu sein?

Gerade aufgrund der Tatsache, dass der Begriff Innovation in aller Munde ist, ist es auch einer dieser Begriffe, unter dem sich jede und jeder ein bisschen etwas Anderes vorstellt. Möchte man jedoch effektiv Innovation betreiben, ist es wichtig, ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, was es für die eigene Organisation bedeutet, innovativ zu sein. Man sollte sich also vorgängig überlegen, was mit Innovation bezweckt werden soll.

Doch es gibt Eigenschaften, welche innovativ erfolgreiche Organisationen auszeichnen. Ein zentraler Aspekt ist sicherlich die enge Zusammenarbeit mit den Endnutzern, um somit ein ausgeprägtes Verständnis derer Bedürfnisse sowie deren Umfeld zu entwickeln. Gleichzeitig bedeutet innovativ zu sein, neue Wege zu beschreiten und das Unkonventionelle zuzulassen. Die Erkundung des Unbekannten ist zwangsläufig mit einem ausgeprägten Lernprozess verbunden. «Wo geht es weiter und wo nicht?» Deshalb ist es aus meiner Sicht wichtig, dass man Erfolge, wie auch Misserfolge oder Rückschläge, kritisch und kompetent analysiert und dadurch objektive Entscheidungen trifft, auf welchen die nächsten Schritte abgestützt werden können. In der Summe bedeutet dies, um innovativ zu sein, müssen klare Ziele definiert werden, die man diszipliniert verfolgt, um nicht einfach eine Spassgesellschaft im innovativen Blindflug zu sein.

Sind wir bei armasuisse innovativ?

Wir müssen es nur schon aufgrund unserer Rolle in den Beschaffungsprozessen sein. Denn was oft etwas vergessen geht, ist die Tatsache, dass Beschaffungen dazu dienen, die Armee mit neuen Fähigkeiten, Systemen und Technologielösungen auszustatten. Das heisst eigentlich, wir sind täglich dabei, Innovationen für die Armee zu beschaffen. Klar, gibt es auch hier unterschiedliche Meinungen dazu, wie innovativ einzelne Beschaffungen tatsächlich sind, aber grundsätzlich bin ich der Meinung, armasuisse ist offen für Innovation, unterstützt Innovation und betreibt bereits heute Innovation. Der Bericht von Deloitte hat jedoch auch gezeigt, dass aufgrund des heute veränderten Technologieumfeldes neue Wege beschritten werden müssen, um in gewissen Bereichen Schritt halten zu können, was wir nun auch angehen.

Welche Art von Innovationen werden durch armasuisse W+T aktuell vorangetrieben?

Als Technologiekompetenzzentrum des VBS fokussieren wir uns auf technologische Innovationen, welche sich primär am Fähigkeitsbedarf der Armee ausrichten. Mit diesem Fokus können wir unsere Expertise zum Beispiel aus den Erprobungen innerhalb der Beschaffungsprojekte mit den Erkenntnissen aus der Forschung, unter einem Dach optimal vereinen. Dabei ist es für uns zentral, dass hinter jeglicher innovativen Aktivität ein Bedürfnis der Armee steht und die Umsetzung stets gemeinsam erfolgt. Das heisst, wir machen Innovation nicht zum Selbstzweck, sondern um die Schweiz sicherer zu machen.

Wir machen Innovation nicht zum Selbstzweck, sondern um die Schweiz sicherer zu machen

 

Wie versucht armasuisse W+T, Innovation ins VBS und die Armee zu bringen?

Aus meiner Sicht ist diese Frage falsch formuliert, denn wir versuchen nicht Überzeugungsarbeit für Innovation zu leisten. Die Armee wie auch armasuisse hat die Notwendigkeit von neuen Ansätzen und Innovation im Bereich der Schlüssel- und Dual-Use-Technologien erkannt. Das heisst, unser Ziel muss es sein, gemeinsam innovative Lösungen ins VBS zu bringen und das VBS als attraktiven Innovationspartner zu positionieren. armasuisse W+T kann somit nicht alleine Innovation ins VBS bringen, sondern wir müssen gemeinsam die Innovation ins VBS holen. Um dies zu erreichen, gilt es den Dialog zwischen der Armee und armasuisse bereits in frühen Phasen der Bedarfsformulierung zu stärken. Nur so können wir optimal von den gemeinsamen Expertisen profitieren.

Im Deloitte-Bericht gab es die Empfehlung zu Innovationsräumen. Was versteht man darunter?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ein Innovationsraum beschreibt keinen physischen Raum und auch kein einzelnes Projekt. Vielmehr ist er ein zielgerichtetes Gefäss, welches Lösungen zu Fragestellungen für eine definierte Phase des Innovationsprozesses liefern soll. Je nach Fragestellung soll es somit möglich sein, modular den jeweils geeignetsten Innovationsraum zu wählen. Zum Beispiel werden mit dem Innovationsraum «Projektwettbewerbe» die Industrie und Hochschulen in die Lösungsfindung einbezogen werden. Beispiele dafür sind die Cyber Startup Challenges oder der in diesem Jahr durchgeführte STA Create the Future Anlass.

Wie werden wir in Zukunft innovativ sein?

Eine Herausforderung, welcher wir bereits heute gegenüberstehen, sind die kurzen Technologiezyklen gepaart mit langen Beschaffungszyklen. Dieses Problem sehen wir zunehmend bei Technologien, die für die zivile Verwendung entwickelt wurden, aber auch für militärische Zwecke genutzt werden können, also sogenannten Dual-Use-Technologien. Um den Technologiezyklen besser folgen zu können, müssen wir in Zukunft noch stärker externes Wissen in die Lösungsfindung einbeziehen. Das heisst, eine Öffnung in Bezug auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen und der Industrie stellt einen zentralen Erfolgsfaktor dar. Eine effektive und effiziente Dialog- und Zusammenarbeitskultur wird somit in Zukunft immer wichtiger und somit die Innovation ein Gemeinschaftsakt.

Porträtbild von Urs Böniger, Leiter Innovation und Prozesse, armasuisse W+T

Urs Böniger arbeitet seit 2014 bei armasuisse Wissenschaft und Technologie und leitet seit Januar 2020 den Fachbereich Innovation und Prozesse. Nach seinem Studium in Geophysik an der ETH Zürich war er während neun Jahren international wissenschaftlich tätig, in Vancouver (Kanada) und Potsdam (Deutschland) wo er auch seine Promotion mit summa cum laude abgeschlossen hat.