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«Frau muss Eigeninitiative zeigen»

Die ehemalige Kriminalbeamtin, Katrin Tännler, ist seit Anfang des Jahres beim Fachbereich Führungs- und Aufklärungssysteme als Projektleiterin tätig. Im Interview erzählt sie, was sie an gemischten Teams schätzt und wie sie sich in einer männerdominierten Umgebung durchsetzt.

Fachbereich Personalmanagement, Irene Amacker

Kurzportrait

Portrait von Katrin Tännler.

Katrin Tännler ist Projektleiterin im Fachbereich Führungs- und Aufklärungssysteme.

Frauen in der armasuisse

Name

Vorname

Höchster akademischer Abschluss

Bei der armasuisse seit

Aktuelle Funktion seit 

Tännler

Katrin

Executive MBA

Januar 2020

Januar 2020

Katrin Tännler beim Studium des Modellierungs-Werkzeugs Enterprise Architect Modelling.
Katrin Tännler beim Studium des Modellierungs-Werkzeugs Enterprise Architect Modelling.

Frau Tännler, was war Ihre Motivation Kriminalbeamtin zu werden?

Ich habe eine eineiige Zwillingsschwester, die mich für ihren Berufswunsch Polizistin begeistert hat. Wir haben die Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei Baden-Württemberg, mit damals 16 Jahren, gemeinsam begonnen. Erst später haben wir uns unterschiedlich spezialisiert und sind andere berufliche Wege gegangen.

Wie ging es dann für Sie weiter?

Ich war einige Jahre als Polizei- und Kriminalbeamtin tätig und habe im Anschluss daran zunächst ein Studium für den gehobenen Verwaltungsdienst und anschliessend einen Master in Europastudien absolviert. Hierdurch hat sich für mich unter anderem die Türe geöffnet als Sicherheitsexpertin bei der NATO sowie als Ermittlerin und Auditorin bei der Europäischen Kommission in Brüssel zu arbeiten.

Sie haben ja ganz schön viel erlebt…

Mein Lebenslauf ist ein gutes Beispiel, dass man heute nicht mehr nur einen Beruf lernt. Man fängt mit etwas an und bildet sich das ganze Leben weiter. Ich habe mich stets für neue Dinge interessiert und neue Herausforderungen gesucht und dafür Zusatzausbildungen gemacht. Ich habe nicht nur einen Beruf, sondern ganz viele unterschiedliche Qualifikationen, die mir in der Summe Türen öffnen, die am Anfang der Karriere nicht offensichtlich waren.

Wurden Sie als Kind und Jugendliche in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer) speziell gefördert?

(lacht) Wie viele Abende mein Vater – selbst studierter Naturwissenschaftler – versucht hat, mir Mathematik und Naturwissenschaften näher zu bringen! Ich muss hier mit einem nein antworten: In der Schule war ich mehr an Geschichte, Sprachen und künstlerischem Gestalten interessiert. Das Faible für Zahlen hat sich erst im Lauf des Berufslebens, vor allem als Ermittlerin und Auditorin gezeigt. Heute machen mir Zahlen keine grosse Angst mehr, im kürzlich abgeschlossenen EMBA Studium war Statistik sogar eines meiner Lieblingsfächer.

Welche besonderen Fähigkeiten sind in einer Männerdomäne wie Rüstungsbeschaffung als Frau gefordert?

Die Rüstungsbeschaffung ist in vielen Bereichen eine Männerwelt – geprägt von Machtspielen, Rangordnungsrangeleien und Revierverhalten. Ich denke, wer sich als Frau in dieser Umgebung Gehör verschaffen oder professionell positionieren will, muss den Auftritt und die Sprache der Männer verstehen und ihr etwas entgegensetzen: Kompetenz, die Bereitschaft dazuzulernen, Flexibilität und gesundes Selbstbewusstsein mit einer großen Prise Stärke. Ich persönlich finde es bereichernd, mir immer wieder neue Kenntnisse anzueignen, ob technisch, strategisch oder juristisch.

Wie viele Frauen arbeiten in Ihrem spezifischen Umfeld?

Ich arbeite in einem von Männern dominierten Umfeld. Unser Team wird tatkräftig von einer Mitarbeiterin im Projekt Management Office unterstützt. Und ich habe im Projektteam eine Kollegin, die den Fachbereich Kommerz vertritt. Mit beiden habe ich grosses Glück. Ich schätze besonders ein aufmunterndes Lächeln an einem anstrengenden Tag, das offene Feedback und auch die Gespräche von Frau zu Frau zwischen Tür und Angel – Details verrate ich hier nicht. 

Portrait von Katrin Tännler.
Portrait von Katrin Tännler.

Und was schätzen Sie an gemischten Teams?

Meinen Sie «gemischt» im Sinne von Mann und Frau, Jung und Alt oder vielleicht aus verschiedenen Kulturen?

Sowohl als auch

Meine Erfahrung mit verschiedenen Teams hat mir gezeigt, dass Teams in denen Männer und Frauen sind, in der Regel aufmerksamer im Umgang miteinander sind und die Stimmung häufig ausgeglichener ist, als bei reinen Männer- oder Frauengruppen. Und beim Arbeiten in generationsübergreifenden Teams profitieren die Jungen oder Neuen von der Lebens- und Berufserfahrung der Älteren, die „alten Hasen“ von dem aktuellen Wissen und dem Esprit der folgenden Generation.

Ich hatte das Glück, dass ich lange mit Teams arbeiten durfte, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen – das war für mich eine echte Bereicherung. Es kommen neue Denkansätze auf, andere Herangehensweisen etablieren sich oder ein Plus an Kreativität kann entstehen. Das hat mich nicht nur beruflich, sondern auch persönlich weitergebracht.

Was möchten Sie Frauen auf ihrem beruflichen Weg mitgeben?

Alle guten Dinge sind drei:

1.    Karriere trotz familiären und persönlichen Verpflichtungen

Ich bin glücklich verheiratet und habe drei, noch recht kleine Kinder. Dennoch ist meine familiäre Situation kein Karrierehindernis. Ich bin organisatorisch und mit entsprechender Planung in der Lage, meinem Beruf stets gerecht zu werden.

2.    Eigeninitiative ist gefragt

Es wird Zeit, dass Frauen mit den klassischen Denkmustern aufräumen. 'Ich muss nur gut sein, dann wird das schon jemand merken'. Nein, es reicht nicht aus, einfach sehr gut zu sein. Um im Berufsleben erfolgreich zu werden und sich für höhere Positionen zu empfehlen muss Frau Eigeninitiative zeigen.

3.    Netzwerke mit Gleichgesinnten pflegen

Frauen neigen dazu, sich als Einzelkämpferinnen zu versuchen. Aber um nicht an übersteigerten Anforderungen an sich selber zu scheitern, ist der Erfahrungsaustausch enorm wichtig. Es ist wichtig, sich Verbündete zur Erreichung der eigenen Karriereziele zu suchen und sich ein strategisches Netzwerk aufzubauen.