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Wettersondiersysteme für die Luftwaffe und Artillerie

Heute warmes und schönes Wetter mit wenig Wolken. Solche Wetterinformationen hören wir im Radio und diese genügen, um eine Grillade zu planen. Die Armee benötigt aber weitaus genauere Informationen über die Luftmasse und ihre Dichte, um zum Beispiel die Treffsicherheit der Artillerie oder Luftwaffe sicherzustellen.

Raphael Neuhaus, Fachbereich Führungssysteme, Kompetenzbereich Führungs- und Aufklärungssysteme

Auf einem Bild sieht man eine Wolke und darunter die Anschrift Cluster Meteo

 

Was ist eine Radiosondierung?

Eine mit verschiedenen Messgeräten ausgerüstete Radiosonde wird von einem mit Wasserstoff oder Helium gefüllten Ballon in die Höhe getragen. In der Schweizer Armee wird seit 2018 für die Sondierung ausschliesslich Helium benutzt. Diese Radiosonde steigt mit mehr oder weniger konstanter Geschwindigkeit von ca. 5 m/s auf und wird von der Windströmung weggetragen. Das Sondiersystem liefert Messwerte der Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck und Winddaten der Atmosphäre, vom Boden bis zu einer Höhe von 30 km. Dazu lässt man eine Radiosonde, mit Messfühlern für Temperatur und Feuchtigkeit sowie einem Positionsmesssystem (GPS) aufsteigen. Jede Radiosonde übermittelt ihre Messwerte in Abständen von einer Sekunde per Funk an die Bodenstation. Aus diesen Daten lassen sich die vertikalen Profile der gemessenen Parameter bestimmen – bis zu der Höhe, in der der Ballon platzt.

Jede der Kurven stellt das Verhalten eines meteorologischen Parameters in Abhängigkeit von der Höhe dar. Die blaue Kurve steht für das Profil der relativen Luftfeuchte, die rote für das Temperaturprofil. Die grüne Kurve auf der rechten Seite gibt die Windgeschwindigkeit, die violette die Windrichtung wieder.
Sondier-Profil
© MeteoSchweiz

Das Radiosondierungssystem ARGUS

Das Radiosondierungssystem ARGUS 37 wurde von Meteolabor AG speziell für die meteorologische Forschung entwickelt. Der Empfang und die Auswertung von Radiosondierungsdaten wurde nun mit kleinem Aufwand möglich. Auftraggeber war MeteoSchweiz.

Im Jahr 2017 wurde für die Luftwaffe das Höhenwettersondiersystem ARGUS 48 beschafft. Dies war eine Weiterentwicklung des Systems ARGUS 37. armasuisse Fachbereich Führungssysteme wurde im 2020 beauftrag, für die Artillerie ein Sondiersystem zu beschaffen, dass eine mobile Handhabung im Einsatz ermöglicht. Diese Anforderung wird ARGUS 60 erfüllen und ist momentan in der Prototyp-Phase. Als Basis diente ARGUS 48, dass mit den zusätzlichen Anforderungen weiterentwickelt wurde. Das Ziel, ein System für die Luftwaffe und Artillerie zu haben, kann erreicht werden, da die Kompatibilität vorhanden ist. Die meteorologischen Bedingungen haben starken Einfluss auf die Flugbahnen von Artillerie- und Mörsergeschossen, um mit dem ersten Feuerschlag die gewünschte Wirkung im Ziel zu erreichen. Dazu werden bei der Sondierung mit ARGUS60 Meteomeldungen erstellt. Diese Meldungen werden durch das Integrierte Artillerie Führungs- und Feuerleitsystem (INTAFF) übernommen und weiterverarbeitetet.

In Zusammenarbeit mit armasuisse hat MeteoSchweiz eine Beschaffung für ein automatisches Radiosondiersystem ausgeschrieben. Dieses System steht in Payerne und löst jeweils mittags und um Mitternacht eine Sondierung aus. Dies an 365 Tage im Jahr. Dazu werden mehrere Sonden mit Ballone im System bereitgestellt und an die Gasleitung angeschlossen. Der Ballon wird aufgeblasen und bei entsprechender Grösse wird der Deckel geöffnet und die Sonde startet automatisch.

Automatisches Radiosondiersystem in Payerne
© MeteoSchweiz