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«Digitale Transformation: Die Faszination des Potenzials der Möglichkeiten und am Tun von bisher Undenkbarem.»

Thomas Rothacher, Leiter Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie und Stv. Rüstungschef armasuisse, spricht im Interview über die «Digital Journey» von armasuisse sowie Digitalisierungstechnologien der Zukunft. Er erklärt, warum Augmented Reality / Virtual Reality, Künstliche Intelligenz und Data Science grosses Potenzial haben.

Lea Ryf, Fachbereich Kommunikation, Kompetenzbereich Ressourcen und Support

Porträtbild von Thomas Rothacher, Leiter Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie armasuisse und Stv. Rüstungschef.
Thomas Rothacher, Leiter Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie und Stv. Rüstungschef, im Interview über Digitalisierung und digitale Transformation.

Die «Digital Journey» ist eine Lernreise durch den technologischen, organisatorischen und kulturellen Transformationsprozess im VBS und bei armasuisse. Was war die Motivation für Sie, sich als Vertreter armasuisse für die Digital Journey zu melden?

Wir befinden uns in Zeiten eines enormen Technologiewandels, welcher unser (Arbeits-)Leben stark prägt. Mich interessieren diese Veränderungen und ich bringe mich gerne zu dieser Thematik ein respektive bin daran interessiert, möglichst viele unterschiedliche Perspektiven näher kennen zu lernen.

Wir befinden uns in Zeiten eines enormen Technologiewandels, welcher unser (Arbeits-)Leben stark prägt.

 

Können Sie uns mehr über die Ambitionen und die Handlungsfelder für die Digitalisierung bei armasuisse erzählen, welche als Kompass in der «Digital Journey» dienen? Und was bedeutet dies heruntergebrochen für den Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie?

Ich neige dazu, die Digitalisierung in unterschiedliche Felder zu unterteilen. Auf der einen Seite wird es darum gehen, eine Durchgängigkeit von Daten zu erreichen, dies vor allem in Prozessen der gesamten Bundesverwaltung aber auch über die Nahtstellen mit unseren Partnern hinweg. Auf der anderen Seite, wird uns die Digitalisierung zu ganz anderen (militärischen) Möglichkeiten befähigen, insbesondere, wenn ich an Künstliche Intelligenz (KI) oder Data Science denke. Digitalisierung ist also weit mehr, als analoge Prozesse elektronisch abzubilden.

Digitalisierung ist also weit mehr, als analoge Prozesse elektronisch abzubilden.

 

Was bedeutet Digitalisierung und digitaler Transformationsprozess in Ihrem Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie?

Wie gerade erwähnt, eröffnet der fortschreitende Technologiewandel viele neue Möglichkeiten im Bereich der Digitalisierung. Wir versuchen, den Einfluss dieses Technologiewandels auf die Fähigkeiten der Armee zu eruieren. Zum Beispiel: Was ändert sich durch die Möglichkeiten, enorme Datensätze mittels KI auszuwerten? Wie müssen Streitkräfte in Zukunft aufgestellt werden, über welches Wissen, welche Fähigkeiten müssen sie verfügen? Interessante Fragen, welche wir in Simulationen mithilfe von KI-Ansätzen beantworten respektive mögliche Antworten aufzeigen.

Die Digitalisierung beschäftigt uns stark und wirkt sich ebenfalls auf den Aufbau unserer Organisation aus. So wurden in den letzten Jahren neue Kompetenzzentren wie der Cyber-Defence Campus (CYD Campus) und das Schweizerische Drohnen- und Robotikzentrum (SDRZ) geschaffen. Ich bin überzeugt, dass wir zukünftig unsere Organisation noch flexibler (um nicht zu sagen agiler) gestalten werden.

Welche Chancen und Risiken birgt die Digitalisierung und digitale Transformation für armasuisse?

Mit dem in armasuisse vorhandenen Wissen und Verständnis sollte es uns gelingen, eine führende Rolle einzunehmen. Wir müssen den Mut haben, nicht nur unsere digitalen Tools, sondern auch unsere Prozesse und unsere Kultur zu wandeln. Dafür sehe ich bereits einige umgesetzte Ansätze, beispielsweise die neuen flexiblen Arbeitsformen.

Risiken sehe ich am ehesten in der Umsetzungsgeschwindigkeit und im Thema der Fehlerkultur. Unser Verhalten ist geprägt von konzeptionellen Denkansätzen und einer enormen Risikoverminderung, also möglichst keinen Fehler zu begehen. Ich bin der Überzeugung, dass dieses Verhalten nicht mehr überall angebracht ist. Geschwindigkeit gewinnt an Bedeutung. Dinge auszuprobieren und daraus zu lernen, wird wichtiger.

Geschwindigkeit gewinnt an Bedeutung. Dinge auszuprobieren und daraus zu lernen, wird wichtiger.

 

Welche Technologien sehen Sie in 5-10 Jahren in Bezug auf Digitalisierung bei armasuisse?

Augmented Reality / Virtual Reality werden uns stetig begleiten, beispielsweise um neue Systemlösungen zu designen oder 3D-Modelle im Bereich der Infrastruktur zu begehen oder Meetings mit unseren Avataren abzuhalten. KI und Data Science werden uns unterstützen, neue Lösungen zu finden und neue Lieferanten anzugehen. Entwicklungs-, Produktions- und Lieferketten werden durchgehend digitalisiert und wir werden Teil dieser Kette sein.

Zentral erscheint mir aber, dass wir als Menschen immer noch im Zentrum stehen werden.

Was bedeutet für Sie persönlich Digitalisierung?

Faszination der schönen neuen Welt!

Kurzporträt von Thomas Rothacher

Thomas Rothacher (50) arbeitet seit 1998 in verschiedenen Organisationen und Funktionen bei armasuisse. Seit 1. August 2013 leitet er den Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie in Thun. Am 1. März 2020 wurde er zum stellvertretenden Rüstungschef ernannt. Nach seiner Lehre als Metallkundelaborant studierte er an der Universität Bern Physik, Mathematik sowie Philosophie und schloss 1998 als MSc in Physics ab. Nebst dem im Jahr 2004 erfolgreich erworbenen Doktortitel (PhD) hat er weitere berufsbegleitende Aus- und Weiterbildungen unter anderem an der Universität St Gallen und im Ausland absolviert.