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Innovationen für die Schweizer Armee

Gerade Start-ups haben oftmals innovative Ideen. Die Cyber Start-up Challenge des Cyber-Defence Campus bietet jungen Unternehmen die Möglichkeit, ihre Ideen für einen sicheren Cyber-Raum in die Schweizer Armee zu bringen. Die Challenge bietet dadurch nicht nur den jungen Firmen eine grosse Chance, sondern auch der Schweizer Armee.

Wissenschaft und Technologie, Fachbereich Unternehmensprozesse

Portrait von Dr. Colin Barschel

Dr. Colin Barschel ist zuständig für Industrie Kollaborationen bei armasuisse W+T und seitens Cyber-Defence Campus für die Umsetzung der Cyber Start-up Challenge verantwortlich.

Herr Barschel, zurzeit läuft die Cyber Start-up Challenge. Was kann man sich darunter vorstellen und wie sind Sie auf die Idee gekommen, so etwas durchzuführen?
Die Idee hinter der Challenge ist es, schnell neue innovative Technologien für die Schweizer Armee zu testen. Im Endeffekt handelt es sich um eine Marktanalyse und dafür junge Unternehmen zu finden, welche Ideen zu einem bestimmten Thema im Cyber-Bereich haben. Die USA und Israel arbeiten viel mit Start-ups zusammen und leiten Programme um deren Technologien zu testen. Zwar auf einer ganz anderen Skala als wir hier in der Schweiz und mit anderen rechtlichen Rahmenbedingungen, aber diese Länder können so Innovationen in ihre Armeen bringen. Es stellte sich uns also die Frage, ob wir das auch können.

Das heisst, diese Länder führen ebenfalls eine Start-up Challenge durch?
Nein, sie machen keine Challenge per se, sie haben andere Herangehensweisen. Das Ziel ist aber das gleiche: Den Markt erforschen um dann Schritt für Schritt die passende Technologie bzw. das richtige Unternehmen zu finden. Anschliessend wird diese Technologie den gestellten Anforderungen entsprechend getestet. Wir haben uns für den Challenge-Ansatz entschieden, da wir darin einen schnellen Weg sehen, interessante Unternehmen und Technologien mit einem überschaubaren Aufwand auf beiden Seiten anzuziehen.

Wer ist das Zielpublikum der Start-up Challenge?
Die Challenge richtet sich an Start-ups, also Firmen, die jünger als sechs Jahr alt sind und die Ideen zur Cyber-Thematik haben. Diese jungen Firmen haben oft neue Ansätze und disruptive Ideen, die wir nicht unbedingt durch Grossunternehmen bekommen.

Wieso sind Start-ups innovativer?
Um als Start-up zu überleben, muss man ein Produkt hervorbringen, das sonst keiner hat. Andernfalls ist der Markt schon besetzt. Dadurch haben Start-ups Ideen oder Ansätze, die es so noch nicht gibt. Das bedeutet, sie können beispielsweise Dinge schneller oder besser als etablierte Unternehmen oder sie haben ganz neue Ideen, die wir noch nicht im Auge hatten. Als kleines Start-up muss ich schnell entwickeln um zu überleben und muss Ansätze bringen, die besser sind als andere.

Zu welchem Thema suchen Sie in dieser Challenge Ideen?
Es geht darum eine Technologie zum Thema «Cyber Threat Intelligence»* zu finden. Dieses Thema ist relativ breit und es gibt viele Ansätze, wie man hier vorgehen könnte. Mögliche Themen wären beispielsweise Ansätze wie eine Gefahr oder eine Attacke besser verstanden werden könnte. Oder es kann auch durchaus sein, dass man ein Hackerforum besser verstehen will, zum Beispiel, wenn da eine exotische Sprache oder Slang gesprochen wird. Also es gibt wirklich ganz unterschiedliche Themengebiete.

 

* Die Fachdisziplin der «Cyber Threat Intelligence (CTI)» nutzt nachrichtendienstliche Techniken und Methoden, um alle relevanten Informationen aus dem Cyberspace zu erfassen und zu filtern. Lesen Sie im Interview mit Dr. Alain Mermoud mehr zu diesem Thema.

 

Was erhoffen Sie sich durch die Challenge?
Wir wollen innovative Lösungen für die Schweizer Armee schnell finden und testen. Es geht also darum, Technologien und Firmen zu finden, die der Armee noch unbekannt sind. Innovationen in die Schweizer Armee zu bringen ist jedoch nicht so einfach, da Innovation per Definition auch gewisse Risiken und Ungewissheit bei den Ergebnissen mit sich bringt. Im Bereich-Cyber braucht man jedoch nicht immer perfekt erprobte Lösungen, die keine Risiken bergen bei der Implementierung und bei denen man genau weiss, wie diese funktionieren. Sehr oft ist es wichtiger einen Technologievorsprung gegenüber Angreifern zu haben, warum neue Cyber Technologien möglichst früh identifiziert werden sollten.
Mit dieser Challenge möchten wir die Innnovation beschleunigen. Das heisst, wir testen und erforschen die Technologien bevor sie marktreif sind. Dadurch können wir die Chancen und Risiken abwägen und fördern die Innovation in der Armee.

Welche Risiken bergen Innovationen?
Manchmal funktioniert etwas wunderbar im Labor, aber auf dem Feld bzw. bei der Integration in bestehende Systeme zeigen sich dann Nebeneffekte, die man vorher nicht gesehen hat. Ein Beispiel: eine Technologie muss in ein bestehendes Netzwerk integriert werden. Da kann es zu Schwierigkeiten kommen, je nachdem wie die unterschiedlichen Systeme auf Protokollebene miteinander sprechen. Es kann auch sein, dass Problematiken mit der Kryptographie auftauchen, also ob sich die Systeme verstehen. Aber eben: Dadurch, dass wir die Innovation vorgängig untersuchen, können wir solche Risiken minimieren, bevor die Technologien dann tatsächlich eingesetzt werden.

Welche Ideen wurden eingebracht? Darf man dazu schon was sagen?
Ich darf dazu im Moment nicht viel sagen. Aber soviel kann ich verraten: Es haben sich 22 Firmen angemeldet und ihre Technologien vorgestellt. Auch internationale Firmen, das war schon interessant zu sehen. Ungefähr ein Drittel der Lösungen konnten wir leider nicht in Betracht ziehen, da sie nicht zur vorgegebenen Thematik passten, obwohl es teilweise sehr gute Vorschläge waren. Momentan sind wir im Selektionsverfahren. Die drei besten Lösungen werden von einem Komitee, bestehend aus Mitgliedern des CYD Campus und des Auftraggebers bei der Armee, gewählt. Diese drei Start-ups werden ihre Ideen bei der Cyber-Defence Konferenz am 3. November vorstellen. Leider geht es dann nur für ein Start-up weiter.

Wie geht es anschliessend für das Start-up weiter?
Das ausgewählte Unternehmen erhält von uns einen Auftrag, um einen Proof of Concept bei der Armee zu erstellen. Das heisst, wir testen eine Technologie in einer realen Umgebung und nicht nur im Labor. Und diese Technologie könnte unreif sein oder Anpassungen erfordern, um in die Systeme der Schweizer Armee integriert zu werden. Dieser Proof of Concept wird auch die Abhängigkeit der verschiedenen Anwendungen und die Funktionalität von Schnittstellen demonstrieren. Das Projekt wird nächstes Jahr umgesetzt.

Wird es nächstes Jahr wieder eine Challenge geben?
Das kommt darauf an. Zum einen müssen wir evaluieren, wie das Ganze weiter verläuft und die Lessons learned herausnehmen, zum anderen braucht es aber natürlich auch einen Bedarf in der Schweizer Armee. Es macht keinen Sinn, nach Innovationen zu suchen, wenn dafür keine Nachfrage vorhanden ist. Es wird sich also noch zeigen, ob eine weitere Challenge in einem bestimmten Bereich gestartet wird oder nicht. Ich bin zuversichtlich, dass wir in der Zukunft ähnliche Marktforschungen durchführen werden, zum Beispiel in Form dieser Challenge.

 

Lesen Sie mehr zum Thema «Cyber Threat Intelligence» im Interview mit Dr. Alain Mermoud: