print preview

«Eine funktionierende Logistik schafft die Grundvoraussetzung, damit das Waffensystem überhaupt eingesetzt werden kann»

Im letzten Teil unserer Air2030-Serie widmen wir uns dem Produktesupport. Denn dieser stellt sicher, dass das System über seine Lebensdauer hinweg funktionstüchtig ist. In der Evaluation für ein neues Kampfflugzeug und ein bodengestütztes Luftverteidigungssystem grösserer Reichweite spielt der Produktesupport dementsprechend eine grosse Rolle und fliesst mit 25 Prozent in die Nutzwertbetrachtung ein. Walter Infanger, Teilprojektleiter für Produktesupport, beschreibt im nachfolgenden Artikel wie der Produktesupport im Evaluationsprozess eines neuen Kampfflugzeuges eingebettet ist.

Luftfahrtsysteme, Programm Air2030

Porträt von Walter Infanger
Walter Infanger, Teilprojektleiter Produktesupport «Neues Kampfflugzeug»

Der Produktesupport für ein hochtechnologisches Waffensystem, wie beispielsweise für ein Kampflugzeug, ist von zentraler Bedeutung. Der Produktesupport trägt massgeblich dazu bei, die geforderte Flottenverfügbarkeit sowie die damit verbundene Einsatzfähigkeit und die Autonomie der Luftwaffe sicherzustellen. Für das Kampfflugzeug, als primäres Einsatzmittel der Luftwaffe, gilt das für alle Lagen und insbesondere für Zeiten erhöhter Spannungen bis hin zum Verteidigungsfall.

(Fast) alles rund um das Waffensystem

Eine funktionierende Logistik schafft die Grundvoraussetzung, damit das Waffensystem überhaupt eingesetzt werden kann. Der Produktesupport umfasst alle Logistikelemente, die es für den späteren Betrieb braucht. Das sind unter anderem Werkzeuge, Ersatzmaterial mit einer entsprechenden Bewirtschaftungsstrategie, Prüf- und Testeinrichtungen, technische Dokumentationen, fliegerische und technische Ausbildung, Ausbildungsmittel, Infrastruktur und vieles mehr. Damit verbundene Sicherheits- und Umweltaspekte sind ebenfalls im Produktesupport angesiedelt.

Arbeiten in einem integrierten Team

Das Kernteam des Produktesupports besteht während der Evaluation aus je einem Mitarbeitenden der armasuisse, der Logistikbasis der Armee und der Luftwaffe und bildet so ein integriertes Team. Dieses Kernteam wird in verschiedenen Bereichen durch weitere Spezialisten aus den erwähnten Organisationseinheiten unterstützt. Die Anforderungen an den Produktesupport des neuen Kampfflugzeugs wurden am Anfang des Projekts definiert. Die Projektverantwortung bis zur Einführung obliegt der armasuisse. Die Systemverantwortung geht anschliessend an die Logistikbasis der Armee über, welche für die Nutzungsphase verantwortlich ist. Als zukünftiger Anwender ist es wichtig, dass die Luftwaffe in allen Phasen bei den betrieblichen Aspekten aktiv mitwirkt.

Auswertung und Validierung der Daten

In den Offertanfragen wurden von den Kandidaten umfangreiche verbindliche Daten verlangt, welche diese mit ihren Angeboten einreichen mussten. Die Plausibilität der Angaben wurde sowohl während Produktesupport-Audits als auch während der Flug- und Bodenerprobung validiert. Die Audits wurden bei den entsprechenden Streitkräften im Ausland durchgeführt. Dabei haben Spezialisten aus den Bereichen Bereitstellung & Betrieb, Instandhaltung, Logistik und Ausbildung während je drei Tagen die Kandidaten beziehungsweise deren Streitkräfte gemäss definierten Prüfpunkten auditiert. Die Flug- und Bodenerprobung hat in der Schweiz stattgefunden. Während der Evaluation werden nun die verbindlichen Daten sowie die Ergebnisse aus den Audits und der Flug- und Bodenerprobung hinsichtlich verschiedener Bewertungspunkte ausgewertet, beurteilt und verglichen. Als möglicher Bewertungspunkt kann die «Wartungsfreundlichkeit» dienen. Unter diesem Punkt wird unter anderem beurteilt, wie einfach eine Flugzeuginstandhaltung durchgeführt werden kann. Die Effizienz der Flugzeuginstandhaltung hat zudem einen Einfluss auf die Personalaufwände, was sich wiederum auf die Lebenswegkosten auswirkt.

Evaluationskriterien für das neue Kampfflugzeug

In der Kosten-Nutzen-Betrachtung der Evaluation beträgt die Gewichtung des Produktesupports 25 Prozent auf der Nutzen-Achse. Die anderen Hauptevaluationskriterien für den Nutzen des Systems sind die Wirksamkeit (operationelle Wirksamkeit, Einsatzautonomie) mit 55 Prozent, die Kooperation zwischen den Streitkräften und die Kooperation zwischen den Beschaffungsbehörden mit 10 Prozent und die direkten Offsets mit 10 Prozent. Welches Kampfflugzeug letztlich wie abschneidet, kann erst am Ende des Evaluationsprozesses, nach der Gegenüberstellung von Gesamtnutzen und Gesamtkosten im Evaluationsbericht, beurteilt werden.

Kurzporträt

Walter Infanger (49) ist diplomierter Ingenieur HTL in Elektrotechnik. Nach Stationen als Mechaniker, Techniker, Systemingenieur und Projektleiter in Schweizer Luftfahrtunternehmen ist er 2008 in die armasuisse eingetreten. Von November 2008 – bis März 2018 war Walter Infanger verantwortlich für den integrierten Logistiksupport für das Kampfflugzeug F/A-18C/D Hornet. Daneben war er Teilprojektleiter Produktesupport bei den Projekten Erhalt der Fähigkeiten (U25) und Nutzungsdauerverlängerung (NUV) F/A-18C/D sowie Projektleiter bei Ersatzmaterialbeschaffungen im Rahmen der Rüstungsprogramme RP13 und RP16. Seit 2018 ist er Teilprojektleiter für Produktesupport des Projekts «Neues Kampfflugzeug».