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«Teil eines hochmotivierten und ambitionierten Teams sein zu dürfen, ist für mich der Hammer»

Bernhard Gippert ist Leiter Programmunterstützung Air2030 im KB LU. Im Interview gibt er Auskunft über sein Aufgabengebiet und die damit verbundenen Herausforderungen.

Luftfahrtsysteme, Programm Air2030

Interview mit Bernhard Gippert
Bernhard Gippert, Leiter Programmunterstützung Air2030

Herr Gippert, was macht ein Leiter Programmunterstützung Air2030?

Wie es der Name schon sagt, unterstützen wir die Programmleitung Air2030 in allen Belangen rund um das Programm Air2030. Die verschiedenen Aufgaben sind auf mehrere Schultern verteilt, wobei ich die Tätigkeiten koordinieren darf. Die Palette reicht von der Programmadministration mit dem Programmreporting, über das Programm-Risikomanagement bis hin zur Vor- und Nachbereitung der Programmausschusssitzungen. Mein persönliches Aufgabenspektrum umfasst nebst der Koordinationsaufgabe die Leitung des Risikomanagementboards Air2030 und projektspezifische Aufgaben.

Welches sind die spannendsten Herausforderungen für Sie?

Eine spannende Aufgabe ist die Führung des direkten Offsetprozesses mit den Anbietern in den Projekten NKF und Bodluv GR während der Evaluationsphase. Die Anbieter haben ein grosses Interesse, ihre mit der Schweizer Industrie konzipierten direkten Offsetprojekte bereits vor Einreichung der Offerten von der armasuisse vorgenehmigen zu lassen. Diese Genehmigung beziehungsweise das sogenannte "Pre-Approval" verlangt eine gewisse Sachkenntnis, verbunden mit guter Kenntnis der Offsetregeln. Diese Kombination macht für mich den Reiz des Themas aus. Natürlich werde ich auch hier durch meine Kollegen vom Engineering und vom Produktesupport stark unterstützt, so wie insbesondere von Per Magnus Larsson, Jurist und Offsetverantwortlicher der armasuisse.

Eine andere spannende Herausforderung ist die Ermittlung der Lebenswegkosten beim neuen Kampfflugzeug: Eine möglichst verlässliche Kostenprognose auf 30 Jahre zu erstellen, ist eine Aufgabe, der man sich analytisch und mit kleinen, verifizierbaren Schritten nähern muss.

Wie haben Sie dies gemacht?

Zunächst wurde ein generisches Modell erstellt. Sein Rückgrat bildet die logische Verknüpfung von Aufwand- und Preis-Daten, wie z.B. der Treibstoffverbrauch mal Treibstoffpreis, und der wesentlichen Kostentreiber; d.h. Treibstoff, Personalaufwand und Teileversorgungskosten. Das Modell braucht dafür eine Vielzahl von Variablen. Diese stellen sich unter anderem zusammen aus der Flottengrösse, Flugstundenleistung und dem Wartungsaufwand. Das Modell sowie der für das Modell anzuwendende Alterungsparameter wurde von der Technik Air2030 vorgegeben. Diese Funktion ist übrigens ebenfalls auf Programmstufe angesiedelt und führt u.a. das System-of-Systems Engineering und erstellt technische Vorgaben für programmübergreifende Aspekte.

Wieso lässt sich damit eine hohe Verlässlichkeit der Prognose erzielen?

Für die Verlässlichkeit einer Prognose ist es wichtig, dass die Eingabedaten verhältnismässig kleine Toleranzen aufweisen. Die Aufwand- und Preisparameter stammen von den verbindlichen Angeboten der verschiedenen Anbieter. Die in der Schweiz erbrachte Eigenleistung lässt sich ebenfalls aus den Anbieterdaten generieren, z. B. aus dem Wartungsplan des jeweiligen Flugzeugtyps. Das Modell kann damit auch zur Plausibilisierung einiger Anbieterdaten verwendet werden. Einige Kostentreiber lassen sich während tausenden von Berechnungsläufen um ihr Toleranzfeld variieren, was als Resultat ein statistisches Mass für die "Verlässlichkeit" liefert. Zudem wurde das Modell anhand der "Echtdaten" des aktuellen F/A-18C/D Kostenverlaufs validiert.

Was macht Ihnen am meisten Spass an dieser Funktion?

Teil eines hochmotivierten und ambitionierten Teams sein zu dürfen, ist für mich "der Hammer".

Kurzporträt

Nach dem Maschinenbaustudium an der HTL Biel zog es Bernhard Gippert (46) zur "Swissair" nach Zürich. Als Aircraft System Engineer war er bei SR Technics u.a. für das Pneumatik- und Klimasystem des MD-11 zuständig. Nach dem Abschluss zum Wirtschaftsingenieur (FH) reizte ihn die Verbindung von Technik und Kommerz, was ihn als Customer Support Engineer für ein paar Jahre nach Frankfurt zur Lufthansa Technik führte. Vor seinem Stellenantritt bei armasuisse war er als Abteilungsleiter bei RUAG Aviation für die an die Industrie vergebene Wartung unserer F-5 und F/A-18 zuständig. Seit September 2018 ist er nun als Leiter Programmunterstützung Air2030 tätig.