print preview

«Mit dem F-35A geht der Zuschlag an das modernste System»

Am 30. Juni 2021 hat der Bundesrat entschieden, dem Parlament die Beschaffung von 36 Kampfflugzeugen des Typs F-35A zu beantragen. Der Entscheid basiert auf einer umfassenden Evaluation, an der über 70 Fachexpertinnen und –experten mitgearbeitet haben. Dabei hat sich gezeigt, dass der F-35A bei der Evaluation durch das VBS den höchsten Gesamtnutzen ausweist und gleichzeitig am günstigsten ist. Aufgrund dieses klaren Ergebnisses der Kosten-Nutzen-Analyse hat der F-35A den Zuschlag erhalten.

Darko Savic, Projektleiter «Neues Kampfflugzeug»

Ein Kampfflugzeug F35 auf einer Rollbahn stehend.

 

Der F-35 der Firma Lockheed Martin wurde unter Einbezug mehrerer Partnernationen entwickelt und wird in drei Versionen eingesetzt. Die Schweiz hat sich mit Blick auf die Typenwahl für den F-35A, also für die landgestützte Luftwaffenversion entschieden. Die Anzahl weltweit im Einsatz stehender und geplanter Flugzeuge vom Typ F-35 beträgt über 3’000 Stück. Zu den Betreibernationen innerhalb Europas gehören aktuell oder in naher Zukunft das Vereinigte Königreich, Italien, Norwegen, Niederlande, Belgien, Dänemark und Polen. Weitere Betreiber-nationen sind die USA als Hauptbetreiber, Australien, Japan, Israel, Südkorea und in naher Zukunft ebenfalls Singapur.

Hohe Überlebensfähigkeit durch einzigartige Konstruktion

Die aerodynamische Auslegung des F-35A ist durch das V-Leitwerk charakterisiert. Er verfügt über eine elektronische Flugsteuerung und ist mit einem automatischen System zur Verhinderung einer Kollision mit dem Boden ausgestattet. Zudem verfügt das Flugzeug im Falle einer räumlichen Desorientierung der Flugzeugbesatzung über eine Funktion zur Wiederherstellung einer sicheren Fluglage.

Die Konstruktion des F-35A ist konsequent dafür ausgelegt, die Erfassbarkeit des Flugzeugs durch gegnerische Radar- oder Infrarotsensoren tief zu halten. Dies wird unter anderem durch die Formgebung und die Eigenschaften der Flugzeugoberfläche erreicht. Als weitere Massnahme werden der gesamte Treibstoff und der Grossteil der Munition im Rumpf mitgeführt. Nicht zuletzt sind die Flugzeugsensoren und -antennen unter der Flugzeugoberfläche integriert. Eine niedrige Erfassbarkeit wird also mit einer Vielzahl von konstruktiven Massnahmen erreicht. Die mit diesen Eigenschaften verbundene hohe Überlebensfähigkeit ist für die Schweizer Luftwaffe ein besonderer Vorteil; sollte es die Lage erfordern, kann der F-35 dank diesen Eigenschaften seine Waffen einsetzen, bevor er überhaupt von anderen Systemen erfasst werden kann.

Fliegendes Rechenzentrum

Die Sensoren und weitere Untersysteme sind untereinander über einen zentralen Missions-computer mit leistungsfähigen Datenleitungen vernetzt. Die Informationen werden der Besatzung auf einem modernen Touchscreen sowie im Helmvisier angezeigt. Der Pilotin oder dem Piloten wird neben den Daten ein 360° Infrarotbild im Helmvisier angezeigt. Zusätzlich projiziert eine im Helm eingebaute Nachtsichtkamera ihr Bild direkt auf das Helmvisier. Damit erreicht der F-35A eine Informationsüberlegenheit und ermöglicht der Besatzung ein ausgezeichnetes Situationsbewusstsein in allen Aufgabenbereichen. Dies gilt insbesondere auch für den alltäglichen Luftpolizeidienst.

Flexibel im Einsatz

Der F-35A kann alle Aufgaben der Schweizer Luftwaffe im Bereich Wahrung der Lufthoheit, Luftaufklärung und Bekämpfung von Bodenzielen wahrnehmen. Weil im Flugzeug alle dafür erforderlichen Sensoren fest integriert sind, sind für die unterschiedlichen Einsatzrollen keine Konfigurationsänderungen zwischen den Flügen notwendig. Als Luft-Luft Bewaffnung können die Kurzstreckenlenkwaffe AIM-9X mit Infrarotzielsuche sowie die Mittelstreckenlenkwaffe AMRAAM mit Radarzielsuche mitgeführt werden. Im Luft-Boden Bereich soll eine kleine Anzahl Präzisionsmunition mit fortschrittlichen Sensoren beschafft werden, womit Kollateral-schäden bei einem allfälligen Einsatz minimiert werden können. Im Bereich Luft-Boden geht es lediglich um den Wiederaufbau einer beschränkten Befähigung, um die Armee ausserhalb der Reichweite der eigenen Artillerie zu unterstützen.

Nachhaltiges Instandhaltungskonzept

Das Instandhaltungskonzept des F-35A basiert auf Erfahrungen der zivilen Luftfahrt beziehungsweise richtet sich grundsätzlich nach dem Zustand der jeweiligen Komponenten. Damit wird das Ziel verfolgt, präventive Instandhaltungsaktivitäten mit längeren Standzeiten zu eliminieren. Die Steuerung der Logistik erfolgt auf der Basis eines proprietären Informationssystems, welche den Flugzeugzustand überwacht. Das Logistikpaket ist so ausgestaltet, dass die Lufthoheit auch bei geschlossenen Grenzen und nicht sichergestellter Ersatzteilbewirtschaftung vom und ins Ausland während rund sechs Monaten gewahrt werden kann. Die Flugzeuginstandhaltung erfolgt vollständig in der Schweiz und durch Personal der Luftwaffe und der RUAG.

Podcast

Der F-35A ist ein Kampfflugzeug der 5. Generation. Wie er sich zu anderen Kampfflugzeugen unterscheidet und zu was der F-35A fähig ist, erklärt Beni Berset, Cheftestpilot im Projekt «Neues Kampfflugzeug» im Podcast SRF Digital.