«Was mir sehr entspricht, ist die grosse Selbstständigkeit»
Eva Herrmann, Beraterin für Rüstungsfragen der armasuisse, gibt im Interview spannende Einblicke in ihren Arbeitsalltag in Belgien, wo sie zuständig für die Belange der Europäischen Verteidigungsagentur (EVA) ist.
Eva Herrmann und Charlotte Hirsbrunner, Fachbereich Aussenbeziehungen, Kompetenzbereich Ressourcen und Support

Was schätzt du am meisten an deinem Job?
Ich schätze an meiner Arbeit, dass sie sehr vielfältig und abwechslungsreich ist. Kein Tag ist wie der andere. Das dynamische politische und technische Umfeld sowie das grosse menschliche Netzwerk – sei dies vor Ort in Brüssel, aber auch in den verschiedenen Departementen in Bern – tragen hierzu bei. Was mir auch sehr entspricht, ist die grosse Selbständigkeit, die in dieser Funktion gefragt ist. Als Bindeglied zwischen Brüssel und Bern, aber auch zwischen Politischem und Technischem hat man viel Gestaltungsfreiraum, wie die verschiedenen Themenfelder verfolgt und vorwärtsgetrieben werden.
Du arbeitest nun schon seit einiger Zeit in Brüssel. Wie sieht der Austausch mit dem Team in Bern aus?
Mit Bern stehen wir regelmässig in Kontakt. Dies geschieht in Form von wöchentlichen Austauschen mit unserer direkten Vorgesetzten und von monatlichen Rapporten mit dem gesamten Team der Aussenbeziehungen armasuisse. Dazu kommen Kontakte auf ad hoc Basis mit Vertretenden des VBS und EDA gemäss den Bedürfnissen.
Wie würdest du die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Europäischen Verteidigungsagentur (EVA) beschreiben?
Die Beziehung zwischen der Schweiz und der EVA sind grundsätzlich sehr gut. Als intergouvernementale Agentur ist die EVA beauftragt, die Interessen der Mitgliedstaaten zu vertreten. Die Zusammenarbeit mit der Schweiz geschieht gemäss dem Prinzip, dass für alle involvierten Parteien ein Mehrwert aus einer Kooperation resultieren soll. Die Zusammenarbeit findet auf verschiedenen Stufen statt. Auf der höchsten Hierarchiestufe wird primär die politische Kooperation gefestigt und Perspektiven zur vertieften Zusammenarbeit ausgelotet. Auf Arbeitsstufe steht vermehrt die technische Zusammenarbeit in den verschiedenen Arbeitsgruppen im Vordergrund.
Wo siehst du die grössten Herausforderungen und wo die grössten Chancen in der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EVA?
Im aktuellen geopolitischen und insbesondere europapolitischen Umfeld stellt sich für die Schweiz die Frage, wie sie sich positionieren soll. Die Herausforderung dabei ist, die innenpolitischen Entscheide den Partnerinnen und Partnern in geeigneter Form zu vermitteln. Weitere Herausforderungen stellen sich zum Teil auch in Bezug auf die Ressourcen. Die Schweiz bevorzugt ein Engagement nur dann einzugehen, wenn sie auch effektiv dazu beitragen und davon profitieren kann. Mit den beschränkten Ressourcen bedeutet das, dass eine Auswahl an Aktivitäten getroffen werden muss. Chancen der Kooperation sehe ich in der Möglichkeit, Synergien zu nutzen und voneinander zu lernen. In einem Zeitalter, in dem Europa geopolitisch zunehmend unter Druck gerät, die Lieferketten eingeschränkt sind und der Klimawandel immer deutlicher zutage tritt, ist die internationale Kooperation für die Schweiz von zentraler Bedeutung. Eine autarke Schweiz ist nicht realistisch. Für die konkrete Kooperation mit der EVA sehe ich Potential in den Bereichen Fähigkeitsentwicklung, Forschung und Entwicklung, Ausbildung und Übungen sowie gemeinsame Beschaffungen.
Gibt es Treffen oder Veranstaltungen während deiner Zeit in Brüssel, die dir besonders positiv in Erinnerung geblieben sind?
Highlights während meiner bisherigen Zeit in Brüssel waren die Begegnungen mit Bundesrätin Amherd, einer Delegation der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates, ein Besuch des Geschäftsführers der EVA in der Schweiz und natürlich die Besuche des Rüstungschefs sowie dessen Stellvertreter.
Zu guter Letzt noch die alles entscheidende Frage: Belgische oder Schweizer Schoggi?
In meiner Überzeugung, dass der erste belgische Chocolatier ein Schweizer war, kann ich ohne schlechten Gewissens Antworten: beide!
Kurzporträt
Zusammen mit ihrem Stellenpartner André Gsell vertritt Eva Herrmann die Interessen von armasuisse in Brüssel. Sie wirkt als Verbindungsperson zur Europäischen Verteidigungsagentur (EVA) auf der Mission der Schweiz bei der EU. Die 38-Jährige hat nach dem Studium der Politik- und Europawissenschaften sowie als Forschungsassistentin bei der Uni Bern und verschiedenen Stationen bei der armasuisse und dem EDA, 2019 in der Aussenstelle in Brüssel angefangen.
