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MitteilungVeröffentlicht am 9. Juli 2026

ARCHE 2026: Vom Labor ins Feld für die Katastrophenhilfe von morgen

Gemeinsam mit dem Lehrverband Genie/Rettung/ABC und der ETH Zürich führte das Schweizer Drohnen- und Robotik-Zentrum (SDRZ) von armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) im militärischen Übungsdorf Epeisses bei Avully bereits die neunte Ausgabe von ARCHE durch. Vom 22. bis 26. Juni 2026 fanden sich rund 160 Teilnehmende aus verschiedenen Forschungsteams ein, um Drohnen- und Robotertechnologien für den Katastrophenschutz zu testen und weiterzuentwickeln.

Julian Martin, Cyberdefence, armasuisse Wissenschaft und Technologie und Moana Häfeli, Stab, armasuisse Wissenschaft und Technologie

Übungsdorf Epeisses bei Avully mit Teilnehmenden

In Kürze

ARCHE (Advanced Robotic Capabilities for Hazardous Environments) ist eine gemeinsame Initiative des Schweizer Drohnen- und Robotik-Zentrum (SDRZ) des VBS, armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T), des Lehrverband Genie/Rettung/ABC und der ETH Zürich. Ziel der Initiative ist es, Schweizer Roboter- und Drohnensysteme zu testen und zu entwickeln, die zur Unterstützung von Einsätzen der Armee und der Sicherheitsbehörden dienen sollen, insbesondere bei Katastropheneinsätzen.

Eine dynamische Win-Win Situation

Seit der Gründung hat sich ARCHE zu einem festen Bestandteil im Kalender der Forschenden und dem Lehrverband Genie/Rettung/ABC der Schweizer Armee entwickelt. Der Anlass agiert als Forum für die wissenschaftliche Gemeinschaft im Bereich der Katastrophenhilfe und versteht sich als zentraler Verbindungspunkt, der die Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis stärkt.

Der direkte Austausch ermöglicht den Forschenden ihre robotischen Technologien auf die konkreten, operativen Bedürfnisse aus der Praxis abzustimmen und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig erhalten die Bedarfsträger verschiedener Sicherheitsbehörden ein Bild der zukünftigen Robotertechnik im Bereich des Katastrophenschutzes. «Der Austausch mit den Forschenden hier [an ARCHE] gibt uns einen Vorteil, [zu sehen] was bereits möglich ist und was noch angepasst werden muss.» erklärt Kurt Brugger, Oberstleutnant Berufsoffizier (BO) Doktrin / Planung / Bereitschaft beim Lehrverband Genie/Rettung/ABC und betont weiter «ARCHE ist ein wertvoller und guter Beitrag für den Einblick in zukünftige Unterstützungssysteme der autonomen Robotik.»

Chance durch einzigartige Testmöglichkeiten

Ein wesentlicher Mehrwert von ARCHE liegt in der Durchführung von Tests unter realen Bedingungen. Dabei erhalten die teilnehmenden Forschungsteams die Gelegenheit ihre teilautonomen Roboter – und Drohnensysteme aus der Laborumgebung ins Feld zu bringen. Ob Stahlturm, Wasserbecken oder einsturzgefährdete Gebäude - das militärische Übungsdorf in Epeisses stellt den Teams reale Einsatzbedingungen mit vielfältiger Infrastruktur zur Verfügung. Jedoch liegt die Ausgestaltung der Tests klar bei den Teilnehmenden. Zentral ist, dass die Forschenden durch ARCHE einen möglichst grossen wissenschaftlichen Nutzen erzielen können, während gleichzeitig der relevante Anwendungsfall für die militärische Katastrophenhilfe sichtbar gemacht wird, führt Joseph Boucher wissenschaftlicher Projektleiter armasuisse W+T aus. Dieser Ansatz fördert eine praxisnahe Bewertung der Leistungsfähigkeit, Robustheit und Benutzerfreundlichkeit der vorliegenden Systeme im Feld.

Maria Trodella, Operations Manager ETH Zürich bestätigt dies und erklärt: «ARCHE ist für uns eine Riesenchance, um unsere Forschungsprojekte aus dem Labor nach draussen zu bringen.» Dadurch schafft ARCHE einen optimalen Ort inmitten von Innovation, Testing und Einsatzrealität, der zum Wissenstransfer beiträgt und die Eignung aktueller und zukünftiger Technologien im Bereich Sicherheits- und Katastrophenhilfe fördert.

Robotische Systeme im Überblick

Magnecko

Wie in den zwei Jahren zuvor nutzte das Forschungsteam um Magnecko der ETH Zürich ARCHE als Gelegenheit ihre robotischen Applikationen weiter zu testen. Der mit magnetischen Füssen ausgestatteter Kletterroboter hat zum Ziel, vorzeitig lockere Schrauben, Risse und Rost an unterschiedlichen Oberflächen zu erkennen und somit potenzielle strukturelle Schäden zu verhindern.

Der diesjährige Fokus des Teams lag auf zwei Schwerpunkten:

Einerseits das Klettern mit einem Roboter ohne Magnetfüsse an einer Seilwinde. Hintergrund ist ein Forschungsprojekt zur robotischen Erkundung der Mondoberfläche. Da diese von Kratern und unebenem Gelände geprägt ist und magnetische Haftung dort nicht möglich ist, stellt die Seilwinde eine geeignete Alternative zur Fortbewegung dar.

Andererseits präsentierte das Team einen neu entwickelten Kletterroboter, der auf den Erkenntnissen und Datensätzen der letztjährigen Tests basiert und bei ARCHE erstmals unter realen Bedingungen eingesetzt wurde. Hierbei ging es vor allem um den weiteren Erkenntnisgewinn aus der Datenanalyse und Datenerfassung sowie die anschliessende Weiterentwicklung der robotischen Applikation.

ANYmal D

Der Ausbau kognitiver Fähigkeiten steht im Zentrum des Forschungsteams – Perception and Navigation - vom Robotics System Lab (RSL) der ETH Zürich mit dem Roboter ANYmal D, dessen Hardware vom Hersteller Anybotics stammt. Die Software hingegen wird vom Forschungsteam selbst entwickelt und weiterausgebaut. Ziel ist es in einem Gelände ohne Kenntnis über die geologische Beschaffenheiten vor Ort, Gegenstände zu finden und zu erkennen. ANYmal D ist unter anderem mit einer schwenkbaren Kamera ausgestattet, um die Objekte zu identifizieren.

Ergänzend zu den Arbeiten mit ANYmal D nutzte das Team ARCHE, um die Entwicklung des unbemannten Bodenfahrzeugs (UGV) PPS Search and Rescue Vehicle weiter voranzutreiben. Erstmalig zum Einsatz kam das UGV am diesjährigen European Land Robot Trial (ELROB) mitorganisiert von armasuisse W+T. Im Zentrum stand, Güter in einer unkontrollierten Umgebung schnell, effizient und autonom hin und her zu transportieren.

Das Ziel der Tests an ARCHE bestand darin, für beide robotischen Systeme zusätzliche Daten zu erfassen und diese in die weitere Forschung des Teams Perception and Navigation einfliessen zu lassen. Beispielsweise konnten Parameter wie Fahrdynamik und maximale Einsatzgeschwindigkeit des PPS Search and Rescue Vehicle untersucht werden.

Die Forschungsarbeiten des Teams Perception and Navigation mit ANYmal D und dem PPS Search and Rescue Vehicle wurden beim diesjährigen European Land Robot Trial (ELROB) mit dem Innovation Award gewürdigt.

Robotics Summer School

Regen, Hitze und Wind: Draussen im Feld gehört das zur Robotik. Dies durften rund 50 Studierende der Robotics Summer School (RSS) der ETH Zürich an ARCHE erleben. Bereits zum siebten Mal in Folge ist die RSS der ETH Zürich an ARCHE vertreten. Studierende aus Schweizer Universitäten und dem Ausland kommen am Anlass zusammen, um einen originalgetreuen Einblick in die Anforderungen der Robotik zu erhalten und das dazugehörende Umfeld besser kennenzulernen. Zum ersten Mal durften die Studierenden ihre Aufgaben mit einem vierbeinigen Roboter auch bekannt als Roboterhund ausführen. Diese Art von Roboter bietet entscheide Vorteile für die Studierenden, wie der unlimitierte Zugang zu unterschiedlichem Terrain und Bodenbeschaffenheiten.

Fazit und Ausblick

Mit der Ausgabe 2026 schuf ARCHE erneut eine Plattform, um Vertreterinnen und Vertretern aus Forschung, Industrie und der Schweizer Armee zu vernetzen und die zur Sicherheit der Schweiz beiträgt. armasuisse W+T bedankt sich bei allen Beteiligten für ihr Engagement und Unterstützung und freut sich auf die Fortsetzung im Juli 2027.

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