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Air2030: Lernende nehmen das Programm unter die Lupe

Im Rahmen eines internen Projekts haben sich die Lernenden von armasuisse mit dem Programm Air2030 auseinandergesetzt. Die daraus entstandenen Fragen haben sie anschliessend im Interview mit den Experten diskutiert. Lesen Sie selbst, wie sich Peter Winter, Leiter Programm Air2030 und Kompetenzbereich Luftfahrtsysteme, und Darko Savic, Projektleiter Neues Kampfflugzeug, im Kreuzfeuer der Lernenden geschlagen haben.

11.09.2020 | Augsburger Lara, Baca Raphael, Hurni Nick, Otter Laurence, Schneider Matteo, Willfratt Raul, Wüthrich Sabrina

Lernende von armasuisse, die das Interview durchführt haben.

Interview

Herr Winter, warum braucht die Schweiz neue Kampfflugzeuge?

Peter Winter: Die jetzigen Kampfflugzeuge der Schweiz sind in die Jahre gekommen. Die F-5 Tiger sind so alt, dass sie nicht mehr für die Verteidigung oder den Luftpolizeidienst eingesetzt werden können. Sie werden im Jahr 2025 ausser Dienst gestellt.

Die F/A-18 sind über 20 Jahre alt und die Ausserdienststellung sollte ursprünglich bereits im 2027 geschehen, die Flotte wird jetzt aber mittels Nutzungsdauerverlängerung bis 2030 weiterbetrieben. Die Flugzeuge über das Jahr 2030 hinaus einzusetzen wäre zu teuer und die Flugzeuge könnten wieder nur einige wenige Jahre weiterbetrieben werden. Deshalb braucht es jetzt eine Ablösung, die mit dem Programm Air2030 in Angriff genommen wird.

Welche dieser Beschaffungen ist interessanter? Die der Kampfflugzeuge oder der Bodluv-Systeme?

Peter Winter: Das ist schwierig zu sagen. Darko Savic als Projektleiter NKF kann gar nichts anderes sagen, als dass die Flugzeuge die wichtigste Beschaffung sind *lacht*. Ich sage, es sind alle gleich wichtig, denn es ist ja ein Gesamtsystem und in dem muss alles gemeinsam funktionieren. Dies betrifft nicht nur das Programm Air2030, sondern die ganze Verteidigung. Ohne Panzer, ohne Artillerie, ohne Fahrzeuge für die Verschiebung von A nach B - was bringt da ein Flieger? Es braucht ein Gesamtsystem, das für die Verteidigung am Boden und in der Luft funktioniert.

Herr Savic, ist es nicht ein Risiko, wenn die Amerikaner unsere Flugzeuge in und auswendig kennen? Sie könnten so die Systeme manipulieren.

Darko Savic: Dass die Technik manipuliert wird, ist nicht möglich, das ist Punkt eins. Punkt zwei ist, dass die Schweiz nicht in der Lage ist, selber ein Kampfflugzeug zu bauen oder zu entwickeln. Einerseits aus Sicht der Kompetenzen, andererseits aus Sicht der Finanzen. Darum müssen wir das Kampfflugzeug im Ausland beschaffen. Mit anderen Worten: Wir sind von allen Kandidaten abhängig, sei das von Amerika, Deutschland oder Frankreich.

Was halten Sie von gewissen Stimmen in der Bevölkerung, die sagen, dass die Kampfjets und die Bodluv-Systeme unnötig sind?

Peter Winter: Diese Bedenken und Äusserungen müssen wir sehr ernst nehmen. Hier ist sehr viel von der Kommunikation abhängig. Wir, das heisst armasuisse, die Armee und das VBS müssen der Bevölkerung erklären, wieso es diese Systeme dringend benötigt. Die Armee hat einen verfassungsrechtlichen Auftrag der Schweiz und diesen Auftrag kann sie nur erfüllen, wenn das entsprechende Material zur Verfügung steht. Mit der Armee ist es wie mit der Feuerwehr: Wir hoffen, dass wir sie nicht brauchen, aber sind froh, wenn sie da ist, wenn es denn brennt. Das ist nur möglich, wenn wir ein funktionierendes Gesamtsystem haben - und das kostet halt etwas. Wie auch jede Versicherung ihren Preis hat.

Finden Sie persönlich dieses Projekt gut? Sind Sie damit zufrieden? Oder was würden Sie selber anders machen oder machen wollen?

Peter Winter: Als ich letztens in der Zeitung von einem normalerweise sehr kritischen Journalisten gelesen habe, dass wir im Evaluationsprozess bisher fehlerlos geblieben sind, war das schon eine Genugtuung. Ich bin also sehr zufrieden, wie es bis jetzt abläuft und ich habe natürlich auch ein super Team hinter mir. Momentan bin ich also happy und zuversichtlich.

Welches ist aus Ihrer Sicht das beste Argument, welches für die Kampfflugzeugbeschaffung spricht?

Peter Winter: Wir brauchen auch in der Zukunft einen Schutz für die Bevölkerung und dafür brauchen wir die entsprechenden Mittel. Die Systeme werden EUCH beschützen.

Darko Savic: Dem möchte ich noch was hinzufügen: Niemand weiss, was in 30-40 Jahren sein wird. Aber jeder kann in die Menschheitsgeschichte zurückschauen und wird sehen, dass der Mensch nicht immer friedliebend gewesen ist. Und das ist für mich persönlich auch das Argument, warum wir die Flugzeuge auch in Zukunft brauchen werden. Natürlich in der Hoffnung, dass wir diese nie einsetzen müssen.

Die Kosten für dieses Projekt sind hoch. Liegt das nun mit COVID-19 überhaupt noch drin oder ist die Staatskasse nicht schon ohnehin überlastet?

Peter Winter: Das Budget kommt aus dem ordentlichen Armeebudget. Da wird kein Geld aus anderen Bereichen, beispielsweise bei der Bildung oder beim Sozialen, abgezogen. Die COVID-19 Situation ist schwierig. Aber ich bin der Meinung, dass wir bei einer Versicherung nicht sparen dürfen. Denn der Schutz des Luftraumes ist auch eine Versicherung der Schweiz. 

Also, warum sollen wir am 27.9. bei der Abstimmung für JA stimmen?

Peter Winter: Damit wir auch in der Zukunft sicher sind, wenn eine Bedrohung aus der Luft auf die Schweiz zukommt. Damit der Luftpolizeidienst und die Luftverteidigung auch in Zukunft wahrgenommen werden können. Und damit die Sicherheit der Schweizer Bevölkerung gewährleistet bleibt.