Zum Hauptinhalt springen

MitteilungVeröffentlicht am 12. Juni 2026

«Zwei von uns» : Die ersten Schweizer im F-35A-Verbindungsbüro in Washington

Im Gespräch mit armasuisse-Mitarbeiter Frédéric Pascal Bonvin und Stéphane Borloz

Sommer 2024 in Washington, D.C.: Frédéric Pascal Bonvin und Stéphane Borloz sind die ersten Schweizer im F-35A-Verbindungsbüro. Im Gepäck: Erfahrung, Vermittlungskompetenz – und Gruyère. Ihre Aufgabe: Übersetzen – nicht nur Wörter, sondern Abläufe und Erwartungen zwischen der Schweiz und den USA. Jeden Tag stellen sie sicher, dass Trainings, Materiallieferungen und Entscheidungen pünktlich umgesetzt werden. Ohne sie würden Abläufe stocken, Zahlungen verzögert oder Sicherheitsfragen unbeachtet bleiben. Dank ihnen kann der Flieger im übertragenen und wörtlichen Sinne abheben.

Lucia Egger, Fachbereich Kommunikation, Strategischer Stab

Wer seid ihr und was hat euch zu dieser spannenden Aufgabe bei armasuisse geführt?

Stéphane: Als Ingenieur mit einem Master von der HES-SO habe ich lange in der Privatindustrie gearbeitet und war viel international unterwegs, vor allem in Asien und Osteuropa. Der Austausch über Ländergrenzen hinweg war dabei immer zentral. Vor Washington arbeitete ich fünf Jahre bei armasuisse im F/A-18-Programm in Bern. Der Schritt zum F-35A-Projekt war daher naheliegend.

Frédéric: Ich habe einen PhD in Elektroingenieurwesen an der EPFL und war Militärpilot. Nach mehreren Jahren im Ausland, unter anderem in den USA und Singapur, wollte ich meine Erfahrung für die Sicherheit der Schweiz einbringen und habe bei armasuisse gestartet. In meiner heutigen Funktion hilft es mir, dass ich die Technik des Kampfflugzeugs verstehe sowie die Bedürfnisse der Pilotinnen und Piloten.

Als erste Schweizer FLOs im F-35A Verbindungsbüro seid ihr mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert – welche Aufgaben nehmt ihr im Verbindungsbüro wahr?

Frédéric: Die ersten Herausforderungen waren die Organisation und Einrichtung unseres Büros sowie der Aufbau unserer täglichen Abläufe. Daneben ist meine Arbeit insbesondere im technischen Bereich angesiedelt: Ich verstehe, wie der Jet gebaut und flugbereit gehalten wird. Vom Schleudersitz über das Triebwerk bis hin zur Software – als Pilot weiss ich, worauf es im Einsatz ankommt. Aktuell unterstützen wir die Luftwaffe und bereiten die Ausbildung von rund hundert Schweizer Pilotinnen, Piloten und technischen Mitarbeitenden in den USA vor. Sie trainieren an Simulatoren und direkt an den Originalsystemen des F-35A und geben ihr Wissen später als Ausbildende in der Schweiz weiter. Wir helfen der Luftwaffe Kurse, Unterkünfte, Anreisen, Kalender und Termine zu organisieren. Ohne diese Vorbereitung könnten die Trainings nicht starten. Auch in Not- oder Zwischenfällen stellen wir sicher, dass alle Zuständigkeiten und Abläufe geklärt sind. Fehlt diese Abstimmung, entstehen Lücken, die Zeit kosten oder zu Fehlentscheidungen führen können.

Stéphane:  Meine Arbeit betrifft die Organisation und den Support rund um den Jet: Finanzen, Materialtransporte und Zulassungen. Für die Flugausbildung klären wir Genehmigungen, Visa und Abläufe im Voraus, damit das Training reibungslos starten kann. Wir stimmen uns täglich mit Stellen in der Schweiz und internationalen Partnern ab. Diese Abstimmungen funktionieren nur dank persönlicher Kontakte und gegenseitigem Vertrauen sowie Beziehungen, die wir vor Ort aufbauen. Da sich Prioritäten und Anforderungen im internationalen Umfeld laufend ändern, müssen wir eine hohe Flexibilität aufweisen und auch unter Zeitdruck Lösungen finden. Zudem sind die Schweiz und die USA zwei Welten mit unterschiedlichen «Sprachen» – nicht nur wörtlich, sondern auch in Bezug auf Organisation, Bedürfnisse und Arbeitsweisen. Wir klären, wer auf welcher Seite Entscheidungen trifft und welche Schritte nötig sind. Sonst entstehen Verzögerungen oder falsche Annahmen.

Wir navigieren wie ein Flugzeug durch unterschiedliche Lufträume – zwischen Kulturen, Prozessen und Ländern – und bringen alle Informationen zuverlässig ans Ziel.
Stéphane Borloz

Im F-35A-Programm sind rund 20 Nationen und 800 Mitarbeitende vertreten. Welche Herausforderungen und Chancen bringt die Zusammenarbeit mit internationalen Partnern mit?

Frédéric: Jede Nation hat eigene Abläufe, Prioritäten und Vorgaben. Die USA sind viel grösser als die Schweiz und verfügen über mehrere Teilstreitkräfte wie Navy, Air Force und Marines sowie zusätzliche Behörden, mit denen wir zusammenarbeiten. Das macht Abstimmungen aufwändiger und anfälliger für Missverständnisse. Internationale Entwicklungen und geopolitische Veränderungen wirken sich zudem direkt auf Zeitpläne, Logistik und Zusammenarbeit im Programm aus. Wir stellen sicher, dass die Schweiz über relevante Änderungen oder Vorhaben informiert bleibt und diese korrekt umsetzen kann. Ein Beispiel: Bei Software- oder Hardware-Updates klären wir direkt mit den Fachkräften vor Ort, welche Änderungen anfallen.

Stéphane: Viele Abläufe müssen individuell geklärt werden – etwa Materialtransporte, Sicherheitsprüfungen oder rechtliche Vorgaben. Ohne diese Absprachen würden Prozesse ins Stocken geraten. Gleichzeitig nutzen wir den Erfahrungsaustausch: Wir lernen, wie andere Länder Prozesse organisieren und welche Lösungen sich bewährt haben. Spannend ist, dass dasselbe Projekt in jedem Land unterschiedlich umgesetzt wird: Ein Inselstaat hat andere logistische Anforderungen als die Schweiz, und auch geopolitische Faktoren wie Konflikte beeinflussen die Umsetzung.

Warum ist eure Präsenz vor Ort so wichtig?

Stéphane: In den internationalen Working Groups bringen wir Schweizer Anliegen direkt ein und klären offene Fragen mit den Partnerstaaten. So stimmen wir Abläufe, Transporte und technische Details ab, bevor Probleme entstehen. Ohne unsere Anwesenheit könnten Schweizer Vorgaben übersehen oder falsch interpretiert werden. Beispielsweise laufen finanzielle Abwicklungen in der Schweiz anders als in den USA. Wir klären direkt, wer wofür zuständig ist und wie die Prozesse in beiden Ländern funktionieren. Ohne dieses Verständnis könnten Zahlungen oder Freigaben verspätet erfolgen. Auch beim Materialtransport wissen wir, wer welche Zoll- und Sicherheitsfreigaben erteilt und welche Dokumente nötig sind, damit Teile freigegeben werden und pünktlich ankommen.

Frédéric: Ein Schweizer Medienbericht über das Kampfflugzeug löste in Washington bereits Nachfragen aus. Wir ordnen solche Informationen in den Schweizer Kontext ein. Wir wissen genau, wer welche Daten wann braucht, und stellen sie gezielt zu. So verhindern wir unnötige Mails, Telefonate und Fehlinformationen. Beispielsweise gelangen technische Details von Trainingsmaterialien, Sicherheitsfreigaben oder Logistikplänen direkt zu den richtigen Personen in der Schweiz – ohne uns würden Entscheidungen verzögert oder auf unvollständiger Basis getroffen.

Damit alle wichtigen Inhalte rechtzeitig bei den richtigen Personen ankommen, sorgen wir für einen gezielten Ablauf – wie Fluglotsen, die den Luftverkehr sicher koordinieren.
Frédéric Pascal Bonvin

Wie erlebt ihr das Leben in Washington persönlich?

Stéphane: Arbeit und Leben hier sind sehr vielseitig. Man trifft viele unterschiedliche Menschen, erlebt Kulturen und sieht, wie Projekte auf internationaler Ebene umgesetzt werden. Diese Vielfalt macht jeden Tag interessant und lehrreich.

Frédéric: Washington ist unglaublich international und lebendig – alles andere als typisch amerikanisch. Botschaften, internationale Organisationen und Menschen aus aller Welt prägen die Stadt. Die Stelle selbst ist etwas Besonderes. Es ist eine Chance, an einem Programm wie diesem mitzuwirken. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Museen, etwa im Bereich Luft- und Raumfahrt. So erhalten wir auch ausserhalb des Büros neue Perspektiven auf Themen, die uns im Arbeitsalltag begleiten.

Wie ist es für euch, so weit weg von der Schweiz zu arbeiten – vermisst ihr etwas besonders?

Frédéric: Meine Familie ist in der Schweiz, das ist schon eine Herausforderung. Wir besuchen uns regelmässig, aber der Alltag hier ist natürlich sehr anders, sei es im Arbeitsumfeld oder in den täglichen Routinen. Und als Walliser vermisse ich ab und zu natürlich auch ein gutes Raclette!

Stéphane: Ich bin mit meiner Frau hier, das erleichtert vieles. Was aus der Schweiz nicht fehlen darf, sind Gruyère und Schokolade. Letztere teilen wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen in Washington, was immer gut ankommt!